Dushan-Wegner

22.04.2023

Feuer und Zeichen setzen

von Dushan Wegner, Lesezeit 7 Minuten, Was guckst du vom Balkon?
Wann hat Deutschland eigentlich darüber abgestimmt, dass das Land sich wirtschaftlich kaputtmachen und Wohlstand vernichten würde, einfach nur um »ein Zeichen zu setzen«?
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Am 10. Juni 1963 stieg Thích Quảng Đức, ein Mönch des Mahayana-Buddhismus, an der Kreuzung Phan Đình Phùng Boulevard und Lê Văn Duyệt Street, wenige Häuserblocks entfernt vom Präsidialpalast von Saigon, Vietnam, aus einem himmelblauen Austin Westminster Sedan.

Mit ihm stiegen zwei weitere Mönche aus. Einer legte ein Kissen auf die Straße. Der andere hob einen Benzinkanister aus dem Gepäckraum vorne im Auto.

Hinter dem Auto waren etwa 350 weitere Nonnen und Mönche hergegangen, als Demonstranten. Seit Monaten erlebte Vietnam die »Buddhistenkrise« (siehe Wikipedia). Die katholische Kirche war damals größter Landbesitzer in Vietnam, und sie agitierte auch auf politischer Ebene gegen buddhistische Gläubige und Mönche — in einem Land mit etwa 80 % buddhistischer Bevölkerung.

»Bevor ich meine Augen schließe und mich der Vision des Buddha zuwende«, sagte Thích Quảng Đức in seinen letzten Worten, »bitte ich Präsident Ngô Đình Diệm respektvoll, mitfühlend gegenüber den Menschen der Nation zu sein und religiöse Gleichheit zu verwirklichen, um die Stärke des Heimatlandes auf ewig zu bewahren.« (meine Übersetzung nach engl. Wikipedia)

Thích Quảng Đức saß in der Lotus-Position des Meditierenden. Er rief noch seine Mit-Buddhisten zur Einigkeit auf, und zu eigenen Opfern, um den Buddhismus zu schützen.

Dann fraßen die orangeroten Flammen seine orangerote Mönchskutte auf, wie auch sein Fleisch.

Damals waren nur wenige Journalisten der Ankündigung gefolgt, dass »etwas Wichtiges« passieren würde. Proteste buddhistischer Mönche waren an dem Punkt keine Neuigkeit mehr. Ein paar kamen doch.

Das schwarzweiße Foto des Journalisten Malcolm Browne wurde als World Press Photo des Jahres ausgezeichnet. JFK sagte, dass »kein Nachrichtenfoto in der Geschichte so viele Gefühle weltweit geweckt« habe. (Vorsicht, drastisch: das Foto bei engl. Wikipedia)

Tatsächlich folgten auch weitere buddhistische Mönche dem Vorbild und verbrannten sich aus Protest öffentlich. Insgesamt verschlechterte sich zunächst die Situation von Buddhisten. Vietnams Präsident Ngô Đình Diệm wurde erst durch einen von der amerikanischen CIA unterstützten Putsch abgesetzt (siehe engl. Wikipedia) und ermordet (Vorsicht, drastisches Bild: siehe engl. Wikipedia).

Natürlich nicht

So weit die heute im Allgemeinen als wahr betrachtete Version der Ereignisse. Mir ist sehr wohl bewusst, dass man Ereignisse auch anders für wahr halten kann. Jedoch, nehmen wir sie für jetzt so, wie ich sie notiert habe.

Nach heutigem (und wohl auch nicht ernsthaft bestrittenen) Wissensstand beging Thích Quảng Đức seine Selbstverbrennung aus freien Stücken, im Alter von etwa 65 Jahren, nach gründlicher Abwägung und bei vollem Bewusstsein.

Tatsächlich hatte sich wohl auch ein weiterer Mönch bereit erklärt, doch Thích Quảng Đức hatte aufgrund seines Alters den Vorrang. (Was natürlich darauf hinweist, dass der Tat bestimmte soziale Mechanismen vorangingen.)

Wir wollen ja lernen, wir wollen verstehen, und zu diesem Zweck kann es nützlich sein, in Gedanken zu untersuchen (als »Gedankenexperiment«), wie es um eine Situation bestellt wäre, wenn sich ein oder mehrere Details einer Situation anders verhielten.

Stellen wir uns einmal vor, der Mönch habe sich nicht selbst und freiwillig in Brand gesetzt, sondern wäre von einem anderen Menschen verbrannt oder zur Selbstverbrennung gezwungen worden.

Wäre das Ereignis auf dieselbe Weise bewegend?

Nein, natürlich nicht!

Wenn ein anderer den Mönch verbrannt hätte, um damit »ein Zeichen zu setzen«, dann würde es als Mord und Terrorismus gelten. Es hätte zynische Qualitäten, dass die Täter noch immer von einem »Opfer« reden würden – für »die Sache« müsste es halt »ein paar Opfer« geben. Nur dass eben in einem Fall ein Mensch sich selbst opferte, und im anderen Fall ein Mensch ermordet worden wäre.

Nur ein Symbol

Wenn wir aber schon vom Hypothetischen reden, dann lassen Sie uns einen Schritt weiter gehen: Wie verhielte es sich, wenn Menschen ein ganzes Land benutzen würden, um »ein Zeichen zu setzen«.

Seit Monaten werden in Deutschland von amerikanischen Milliardären finanzierte Anschläge auf den Deutschen Alltag verübt, »um ein Zeichen zu setzen«.

Die Klima-Extremisten, die einen Krankenwagen blockierten, der bestellt worden war, um eine verunfallte Radfahrerin zu behandeln, werden nicht von der Staatsanwaltschaft angeklagt (lto.de, 13.4.2023). Zyniker fragen sich: Zu wie vielen Jahren Gefängnis wären sie verurteilt worden, wenn sie nicht »fürs Klima«, sondern für Grundrechte oder gar für Schutz der Grenzen laut Grundgesetz demonstriert hätten?

Wenn nach einer Blockade der Identitären Bewegung ein Mensch gestorben wäre, würde die Staatsanwaltschaft es ebenso fallen lassen? Man möchte es ja wirklich glauben.

Die teils aus den USA finanzierten Extremisten planen neue Anschläge (focus.de, 22.4.2023) – und jammern, wenn Zivilbevölkerung und Polizei es wagen, gegen die Stimmungsmache von Politik und Presse tatsächlich so etwas wie öffentliche Ordnung durchzusetzen.

Grüne und Klimakleber schaden Deutschland und bürden den Deutschen täglich absurdere Lasten auf – mit SPD und FDP als willigen »legalen Mittätern«. (Die FDP beschädigt diesen Monat, so überhaupt noch weiter möglich, ein weiteres Mal den Glauben der Bürger an die Demokratie: Öffentlich wetterte man gegen den Atomausstieg – »dümmste Energiepolitik der Welt« – im Bundestag stimmte man aber gegen die Laufzeitverlängerung; siehe @NicoTippelt, 12.4.2023 und @LibertyLucas26, 12.4.2023. Was Spitzenpolitiker sagen, ist leeres Geschwätz, und die FDP ist besonders spitze.)

Es wurde viele Male bestätigt, dass alles deutsche Umweltgetue genau gar nichts bringt. Der deutsche Beitrag zum weltweiten Ausstoß an CO2 beträgt kaum 2% (de.statista.com, November 2022). Nach der Abschaltung der Atomkraftwerke wird der Atomstrom eben importiert (bild.de, 17.4.2023). Es ist nur ein »Symbol«.

Deutschland erinnert an den Mönch, der sich selbst opfert, um ein Zeichen zu setzen – nur dass es da einen sehr gewichtigen Unterschied gibt.

Der Mönch war ein Mensch, der sich selbst opferte — keine Gruppe von Menschen, die von jemand anderem geopfert wurde, der noch dazu oft nicht selbst betroffen war.

Nicht selbst bezahlen

Die zukünftige Vorsitzende des Familienunternehmer-Verbandes wird aktuell zitiert: »Die Grünen müssen die Rechnung ihrer Politik ja nicht bezahlen« (focus.de, 21.4.2023).

Die Klima-Extremisten, die Krankenwagen blockieren und Menschen auf ihrem Weg zur Arbeit aufhalten, fliegen nach getanen Anschlägen zum Urlaub nach Fernost (n-tv.de, 3.2.2023), statt vor Gericht zu erscheinen. Aber sie flogen »als Privatleute« – womit sie ja öffentlich zugaben, dass ihre Anschläge auf Deutschland einfach nur »Job« sind, sprich: diese Leute ähneln Söldnern, die Deutschland »opfern«.

Die Deutschen werden durch einen der größten und aggressivsten politiknahen Medienapparate weltweit dazu manipuliert, es hinzunehmen, dass ihre Wirtschaft und ihr Wohlstand geopfert werden.

Stadt und Land

»Deutschland, du Opfer« ist ein in linken Kreisen derart bekannter Slogan, dass er es sogar in akademische Datenbanken schaffte (jstor.org, 2012), mit der Erklärung, dass »Opfer« als Beleidigung aus der deutsch-türkischen Jugendszene stamme. Auf Schulhöfen ist ja »Opfer« längst ein Ausdruck von Verachtung des vermeintlich Niedrigeren.

Ein großer Unterschied zur Selbstverbrennung des Thích Quảng Đức besteht darin, dass Deutschland kein Einzelner ist, der sich selbst dazu entschied, sondern Millionen von Menschen. Ja, Millionen von Deutschen wurden vom riesigen deutschen Propaganda-Apparat dazu manipuliert, sich, ihre Stadt und ihr Land im Namen einer vermeintlichen »Moral« zu opfern.

Aber eben nicht alle. Millionen anderer Deutschen wollen nicht ihr Land opfern, um »ein Zeichen zu setzen«. Doch im Namen der Demokratie werden sie gezwungen, mit zum Opfer zu werden. Die manipulierenden und/oder manipulierten Kaputtmacher aber brüllen denen, die nicht zum »Opfer« werden wollen, dreist entgegen: »Wir sind mehr!«

Die, die nicht zum Opfer werden wollen, werden sich nicht von klugen Argumenten in Blogs überzeugen lassen.

»Die Masse könnt ihr nur durch Masse zwingen«, so sagt der Direktor in Goethes Faust, und die zwingende Masse, das ist eben die deutsche Propaganda-Maschinerie.

Für den Einzelnen aber hält Goethes Kophtisches Lied den Rat bereit: Du musst »Amboss oder Hammer sein« (siehe projekt-gutenberg.org).

Weiter den Weg

Die Selbstverbrennung des Mönches schürte Emotionen weltweit, das ist wahr. Er tat es aber freiwillig. Deutschland ist kein einzelner Mensch. Und wir haben nie darüber abgestimmt, ob wir unsere Wirtschaft opfern wollen, um »ein Zeichen zu setzen«. Es war »alternativlos«.

Für den Einzelnen bleibt in diesen Tagen also eine simple Frage: Wie schätzt du die Chance ein, dass es noch verhindert wird, dass Deutschland weiter den Weg geht, seine Wirtschaft zu opfern, »um ein Zeichen zu setzen«?

Deine erste Verantwortung bleibt die für dich: Tue, was in deiner Kraft steht, um nicht zum unfreiwilligen Opfer zu werden.

Du musst selbst entscheiden, worin du deine Zeit investierst! Du bist kein Mönch, also halte dich von den Flammen fern, und wenn du dich metaphorisch verbrennst, dann entscheide selbst, wofür du brennst!

Weiterschreiben, Wegner!

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