29.07.2022

Die fliegenden Richter und die Luftwaffe

von Dushan Wegner, Lesezeit 3 Minuten
Die Bundesverfassungsrichter fliegen öfter mit der Luftwaffe. Wegen Stau und Viren und so. Etwa nach Berlin, zum Empfang vom Steinmeier. Oder zur Merkel, über die man urteilte. Es ist so absurd. In welcher Zeit und welchem Land passiert das alles?
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Es gibt sie noch. Meldungen, bei denen mir die Luft wegbleibt. Es sind Meldungen, die sind so zynisch – bei aller Legalität – dass ich nachschauen muss, ob ich mich nicht in Zeit und Land vertan habe.

Ich erkläre es mal: Stell dir eine Welt ohne Stau vor, jederzeit freie Fahrt, extra für dich. Dazu ein mindestens fünfstelliges Gehalt, unabhängig von deiner Leistung. In den tollsten Restaurants essen, mit den wichtigsten Leuten reden.

Der Rest der Republik muss sparen. Muss verzichten. Wegen Klima oder was weiß ich wieso.

Du aber nicht.

Nicht am Geld, nicht an Spesen, und schon gar nicht am Komfort. – Und zu all dem, wie gesagt: Kein Stau.

Nie wieder Stau.

Das in etwa ist die Welt, in welcher die besten Politiker aller Zeiten schweben.

So weit, so bekannt.

Aber da ist noch etwas – genauer: da ist noch jemand.

Die »Berliner Zeitung« meldet, dass nicht nur Politiker, sondern auch Verfassungsrichter »viel mit Maschinen der Luftwaffe« unterwegs sind. (berliner-zeitung.de, 29.7.2022)

Wir zucken ja nur noch mit den Schultern, wenn etwa eine Ministerin mit der Luftwaffe in den Urlaub fliegt, und ihren Herrn Sohn mitnimmt, und der dann geile Fotos davon auf Instagram postet.

Frage zwischendurch: Welcher Soldat geht eigentlich zur Bundeswehr, um Funktionäre und ihre Kinder in den Urlaub zu fliegen?

Politiker sind so, das wissen wir. Wir tun noch nicht mal mehr, als wären sie anders. Wofür auch? Der Staatsfunk wird das Image schon glatt halten.

Aber wie tief das Bundesverfassungsgericht gesunken ist, so vom Image-Bewusstsein her, da musste ich echt schlucken.

Und es ist tatsächlich legal. Bundesverfassungsrichter dürfen die Luftwaffe nutzen, wenn sie es eilig haben.

Ich meine, wenn der Bürger vor dem Verfassungsgericht klagt, weil die Regierung wieder mal auf die Verfassung zu pfeifen scheint, dann lässt man sich Zeit.

Viel Zeit.

Andere Termine sind aber super mega wichtig, da darf keine Sekunde verloren gehen. Etwa, wenn Merkels Parteifreund Stephan Harbarth zur Konferenz in den Senegal fliegt, das geht nur mit der Luftwaffe, klar.

Die meisten Flüge des Verfassungsgerichts aber gingen nach Berlin. Zum Beispiel zum Neujahrsempfang beim Bundespräsidenten. Also bei Herrn Steinmeier. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Das fühlt sich so dekadent an, das ist etwas für Genießer des demokratisch Makabren.

Zwei Flüge gingen zum Treffen mit der damaligen Kanzlerin Merkel. Einer zum Treffen mit »Mitgliedern der Bundesregierung«. –  Wohlgemerkt, die Kanzlerin, über deren Tun man urteilte.

Und was war die Begründung?

Warum musste der Merkel-Parteifreund mit der Luftwaffe fliegen?

Weil man den Stau umgehen wollte.

Ein Linienflug kam nicht infrage, auch »aufgrund häufiger Verkehrsstörungen«.

Diese Leute schweben buchstäblich in anderen Sphären. Die Probleme, welche die Politik anrichtet, die gehen sie nichts an. Der Bürger aber, der die Steuern für all das aufbringen soll, der steht im Stau und wartet auf den Flug. Die Eliten gleiten darüber hinweg. – Und da ist noch mehr!

Außerdem sei man »bei der Nutzung der Luftwaffe einem weitaus geringeren Infektionsrisiko im Vergleich zur Nutzung einer Linienflugverbindung« ausgesetzt. – Das ist kein Scherz. Das meinen die ernst.

Sind die Verfassungsrichter etwa nicht geimpft? Die Impfung ist doch sicher und nebenwirkungsfrei! Oder glauben sie nicht, dass die Impfung wirklich schützt?

Oder warum sonst ekeln sie sich davor, dass wir, der Pöbel, sie mit unseren Pöbel-Viren anstecken?

Meine Damen und Herren, halten wir uns auch weiterhin an die Gesetze, wie es sich gehört.  Das ist tatsächlich alternativlos.

Aber moralisch und menschlich, da sind diese Figuren bei mir reichlich unten durch.

Ich denke mir meinen Teil über diese Gestalten.

Das immerhin ist ein kleines Stück verbliebener Freiheit – noch.

Danke, Wegner!

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