09.07.2022

Frieren für den Frieden

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten
In Kiew gehen die Menschen schwimmen, um sich vom Krieg abzulenken. In Deutschland findet der »Krieg« schon mal im Freibad statt. Und doch ist es wichtig, etwas Sonne zu tanken. Denn im Winter wird gefroren, weil ja Krieg ist.
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Meine sehr verehrten Damen und Herren, in der Ukraine ist Krieg, Frau Merkel hat uns von Russlands Gas abhängig gemacht, die SPD hat wahrlich nichts dagegen, und deshalb müssen die Deutschen im nächsten Winter frieren.

Die Hauptstadt der Ukraine ist Kiew. In Kiew scheint gerade die Sonne. Um sich vom Krieg abzulenken, gehen die Menschen in Kiew zum Beispiel an den Strand (dailymail.co.uk, 12.6.2022).

Das öffentliche Schwimmen ist in Kiew in Kriegszeiten sicherer als in manchen Teilen Deutschlands zu Friedenszeiten. Hier findet der »Krieg« im Freibad statt (vergleiche france24.com, 4.7.2022 mit berliner-zeitung.de, 20.6.2022: »Massenschlägerei in Berliner Schwimmbad«).

Nancy Faeser will das Schwimmen jetzt aber sicherer machen. Frau Faeser ist deutsche Innenministerin. Frau Faeser will Polizei in Freibädern einsetzen (rp-online.de, 7.7.2022).

Ich finde, das ist aus zwei Gründen eine schlechte Idee. Erstens fühlt sich die Polizei schon mal hilflos, wenn sie im Freibad von 250 jungen Männern bedrängt wird (n-tv.de, 27.6.2022). Was soll die Polizei denn tun, wenn junge Männer sie nicht ernst nehmen?

Im Freibad die Waffe ziehen?

Schießen?

»Lass dein Eis fallen, oder es knallt!«

Absurd. Noch.

Und zweitens will die Polizei gar nicht den Bademeister spielen (faz.net 27.6.2022). Was dann, was als Nächstes? Soll die Polizei dich mit Sonnenmilch einreiben? Aufpassen, dass keiner dir die Pommes klaut, wenn du dich zum Bauchklatscher aufmachst?

Ich schweife ab. Es ist Krieg. Deutschland führt Krieg gegen das Klima, gegen die Realität. Russland führt Krieg gegen die Ukraine und gegen westliche Waffen.

Der deutsche Staatsfunk bereitet die Mieter schonmal darauf vor, dass im nächsten Winter die Heizungen zwangsweise runtergedreht werden (tagesschau.de, 16.6.2022).

Der CDU-Wirtschaftsrat erklärt 22 Grad für Luxus. Bei 18 Grad kann man sich ja etwas wärmer anziehen.

Die Präsidentin dieses Wirtschaftsrats ist übrigens Gesellschafterin einer Facility-Management-Firma (laut wirtschaftsrat.de, Stand 9.7.2022), welche Immobilien für größere Kunden verwaltet, bis hin zu »Zählerablesungen« (piepenbrock.de).

Wissen Sie, wem man vermutlich nicht die Temperatur herunterdreht? Dem CDU-Chef Friedrich Merz. Der ist diese Woche in einem Privatflugzeug übrigens nach Sylt geflogen (spiegel.de, 9.7.2022). Auf Sylt heiratet eine Journalistin des Axel-Springer-Konzerns. Na ja, besser im eigenen Flugzeug fliegen, als in den Sylturlaub mit dem Gerät der Luftwaffe, so wie Verteidigungsministerin Lambrecht (tagesspiegel.de, 11.5.2022).

Bald wird man dem Bürger nahelegen, auch das Licht am Abend früher auszumachen. Den Herd nur noch sonntags betreiben. Am besten alle Geräte ausmachen, ganz besonders den Computer und das Smartphone, wenn man darauf Webseiten mit falschen Meinungen besuchen sollte.

Das einzige elektrische Gerät, das du noch brauchen darfst, wird der Fernseher sein. Auf dem Fernseher muss aber rund um die Uhr der Staatsfunk laufen. Und es wird eine Kamera eingebaut sein, die dich beobachtet. Ein Mikrofon, das alles aufzeichnet. Nicht, dass dir heimlich eine »Hassrede« entweicht.

Stromverbrauch ist rechts, außer wenn er für die gute Sache verbraucht wird. Klar. Heizen ist rechts. Nicht frieren zu wollen: rechts. Tanken ist rechts, auch dann, wenn du mit dem Auto bloß zur Arbeit fährst, um die Steuern zu bezahlen, mit denen linke Fantasien finanziert werden.

Auf der Autobahn links zu fahren, um nicht zu spät zur Arbeit zu kommen, auch das: rechts.

Wer kollabiert zuerst? Du oder das deutsche Kartenhaus?

Den ganzen Wahnsinn zu bemerken, es vielleicht sogar zu kritisieren, das ist doppelt ungut, das ist nicht nur rechts, das macht in deren Wortwahl quasi zum Faschisten.

Liebe Bürger, wenn ihr nicht gerade arbeitet und Steuern zahlt, oder zur Unterstützung der Regierung demonstriert, dann verkriecht euch zu Hause unter der Decke. Und wiederholt es, bis ihr es selber glaubt: Wir zittern für den Frieden. Und wenn man uns die Heizung abdreht, dann wird auch das seine Richtigkeit haben.

Bürger, noch ist es warm, vor allem wegen der Klimakrise, denn früher war es ja nie warm.

Aber bald wird es kalt sein. Vor allem nachts, daheim.

In den Straßen wird es wohlgemerkt weiter heiß hergehen, klar, das lässt sich vorhersagen – messerscharf. Nur in den Wohnungen, da wird es kälter.

Wie absurd ist die Lage? Nun, bald verstehen wir, was wir die ganze Zeit meinten, wenn wir scherzten: »Nachts ist es kälter als draußen.«

Bürger, seid nicht verzagt.

Wenn es euch zu kalt wird, fliegt mit eurem Privatflugzeug irgendwo hin, wo man noch heizen darf.

Doch, Spaß beiseite. Es wird ernst.

Freut euch am Leben, am Sonnenschein des Augenblicks.

Und wenn euch bald die Zähne klappern, nehmt euch in den Arm, wärmt einander und macht euch warme Gedanken.

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