21.11.2022

Ich habe doch nur …, sagt die Regierung

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Foto von Sandro Gonzalez
Wie ein Dicker, der immerzu Nahrung in sich stopft, wächst und wächst der deutsche Staatsapparat. 10.000 neue Stellen in den letzten Jahren. Wenn ein morbide Adipöser keine externe Hilfe bekommt, stirbt er dran – und ein Staat?
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Wir kennen sie – ja, auch von uns selbst – all die Sprüche und Ausreden, die ein Mensch sagt, wenn er sich ein weiteres Stück Schokolade in den Mund schiebt, und doch weiß, dass er »wirklich nicht sollte«.

Der Klassiker: »Man muss sich auch mal etwas gönnen!«

Vielleicht sogar, wenn auch in der Praxis meist nicht so ausgefeilt, eine pseudo-ethische Legitimation: »Liebe geht durch den Magen – und natürlich muss ich mich auch selbst lieben! Liebe aber ist etwas Gutes, und diese Kuchen nicht zu essen wäre unmoralisch!«

Nicht zu vergessen, die dauernden Lebenslügen: »Ab morgen mache ich Diät.«

Immer wieder aber diverse Sätze mit »nur«: »Nur etwas probieren«, »es ist ja nur heute«, und »Ich habe doch nur (etwa: probieren wollen).«

Extra viel Energie

Die Regierung des deutschen Propagandastaates wuchs in den letzten Jahren um 10.000 Stellen, so lesen wir aktuell (welt.de, 21.11.2022(€)) – Ende der Gewichtszunahme nicht in Sicht. Dazu kommen all die anderen Verpflichtungen, und nicht zuletzt die Hunderte Millionen Euro fürs Kanzleramt. Sparen – wie Corona-Masken und Umweltschutz – ist wohl nur etwas für die »kleinen Leute«.

Ein Übergewichtiger nimmt so viel Nahrung zu sich, weil Essen ihm immer wieder als einzige Möglichkeit einfällt, so etwas wie Glücklichsein zu fühlen. Und er isst so viel, weil er meint, sein überschwerer Körper bräuchte extra viel Energie, um sich fortzubewegen.

Die deutsche Regierung ist übergewichtig. – Warum? Weil keiner ihr wirksam Einhalt gebietet. Es ist nicht wirklich jemand da, der ausreichend streng »endlich etwas sagt«.

Der Gesundheitszustand von Regierungen ist aber immer mit der Qualität öffentlicher Debatte verknüpft.

Eine zentrale »Unique Selling Proposition« (zu Deutsch etwa »Alleinstellungsmerkmal«, siehe Wikipedia) der Demokratie ist ja eigentlich, dass die öffentliche Debatte auch die Qualität der Regierung bestimmt.

Aus einer wirklich freien und von intellektuellem Eifer der Profi- und Amateurdenker getriebene öffentliche Debatte soll eine täglich bessere – oder zumindest: weniger dumme – Regierungsarbeit erwachsen.

Deutschlands Debatte wird aber vom ebenfalls grotesk übergewichtigen Staatsfunk dumm gehalten, was die wichtige Kontrolle der Regierung durch öffentliche Debatte (und damit eine Conditio sine qua non der Demokratie) effektiv ausschaltet.

Der deutsche Propagandastaat leidet an morbider Adipositas. Wäre die Regierung ein Mensch, hinge an diesem Punkt alles davon ab, dass verbliebene Freunde oder ein Arzt intervenieren, den Magen verkleinern und den Zugang zu leeren Kohlehydraten erschweren.

Deutschland hat aber keine Freunde, nur Bittsteller, die freundlich sind, solange Deutschland den Gratis-Geldautomaten der Welt spielt.

Deutschland wird bald wie ein morbider Übergewichtiger aussehen, der sich auf Kredit vermeintliche »Freunde« kauft – während China und andere Staaten schon mit den Hufen scharren, die Güter des Übergewichtigen aufzukaufen.

Gewiss werden sie

Ich wünsche den 10.000 neuen Sesselfüllern im Regierungsapparat (und weiterhin all den millionenteuren »Beauftragten« (t-online.de, 14.11.2022)) viel Spaß und guten Erfolg im Job. Gewiss werden auch sie Sinn und Glück in ihrem Leben finden, während sie kollektiv Deutschland zu Tode sitzen.

Die möglichen Begründungen der Rot-Grünrot-Gelbrot-Regierung, warum es Tausende neue Stellen braucht, sie klingen den Selbstlügen des morbide Adipösen gefährlich ähnlich. Mit jeder neuen Stelle wird die Zeit, die uns bleibt, weniger – die Zeit rinnt wie Sand durch unsere Finger.

Etwa: Es sind ja »nur« ein paar Tausend Stellen. Alle Stellen dienen doch einer »guten Sache«, und also wäre es geradezu unmoralisch, sie nicht zu schaffen. Man muss sich »auch mal was gönnen!«

Intervallfasten für den Staat

»Ich habe doch nur …«, so beginnt manche faule Entschuldigung. Im Essay »Das Große Kotzen« habe ich 2018 das Schicksal des Herrn Creosote beschrieben. Es ist ein Dicker aus einem Monty-Python-Sketch, der sich überfrisst – und zuletzt am hauchdünnen Minz-Oblatchen platzt. (Wer weiß, der weiß.)

Wird es gelingen, dem deutschen Propagandastaat den Magen abzuschnüren und den Appetit auf weniger morbide Ausmaße zu reduzieren?

Es wäre sehr zu hoffen, wenn ich auch nicht jetzt konkret weiß, wie man den Propagandastaat unter Hintern linker Dummheit wieder hervorziehen kann.

Vielleicht gelingt es ja doch, und Deutschland entdeckt Intervallfasten oder so. Intervallfasten bedeutet, dass man dem Körper jeden Tag für etwa 16 Stunden die Möglichkeit gibt, so wie »früher in der Savanne«, zu gesunden und die aufgenommene Nahrung zu verarbeiten.

Für den Staat würde es bedeuten, die bislang eingesetzten Ressourcen zu sortieren (und auch mal auszusortieren, so wie derzeit fast alle Tech-Konzerne nicht-zwingend-notwendiges Personal aussortieren), statt immer neue Ressourcen (und Verpflichtungen!) in sich zu stopfen.

Wird es gelingen, den morbide übergewichtigen Staat zur Einsicht zu bewegen? – Wenn nicht, will man vielleicht in Deckung gehen. Der chronisch Übergewichtige will nicht heute, sondern erst morgen mit dem Abnehmen beginnen. Die Rädchen im dicken Staat wollen ja alle sparen – aber eben nicht bei sich und ihren Parteifreunden.

Wenn niemand vor seiner Türe fegt, ist bekanntlich bald die ganze Nachbarschaft dreckig. Und wenn keine Regierung, keine Behörde und kein Ministerium bei sich sparen wollen, dann wird bald der ganze Staatsapparat gefährlich fett.

Der Staat, der jeden Tag »doch nur noch ein wenig mehr« vom Steuergeld schmausen will, bewegt sich zwangsläufig auf sein Platzen zu. Und dann wird es spannend werden.

Wenn der morbide übergewichtige Staat sich endgültig überfrisst und daran platzt, willst du lieber Zuschauer als Flugobjekt oder Landezone sein.

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