Dushan-Wegner

01.08.2023

Nein danke, jetzt gerade nicht

von Dushan Wegner, Lesezeit 3 Minuten
Politiker verlangen uns Opfer ab – für den Krieg, für Flüchtlinge, für den Coronakampf, für das Klima. Doch sie selbst »opfern« sich eher weniger. Wir sollten darauf achten, was sie WIRKLICH sagen, wenn sie vom »Opferbringen« reden!
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Ein Mörder, der sein Opfer niedersticht – oder ein Manipulator, der sein Opfer bis zum Suizid manipuliert. Philosophische Frage: Wer ist schlimmer? Entlastet es den Manipulator, dass sein Opfer das Messer selbst führte?

In beiden Fällen sprechen wir ja von »Opfer« – was für ein schwieriges Wort!

Der Priester, der in alten Zeiten das Tier als Opfer schlachtete, und der Arbeiter, der sich für seine Firma opfert, reden die beide von der gleichen Art von »Opfer«?

Die klassische Bedeutung von Opfer liegt ja im Sinn einer »Opfergabe«. Ein lebendiges Tier oder ein teurer Gegenstand werden für einen höheren Zweck geopfert.

Eine Ziege, ein Kalb oder ein Lamm wurden geopfert, um die Schuld der Opfernden auf sich zu nehmen, und damit die Schulden von den (Über-) Lebenden zu entfernen. Gelegentlich wurden auch Menschen geopfert, mal Kinder und mal Erwachsene. Nur selten kamen die Geopferten danach wieder zum Leben.

Doch auch in unserem Alltag ist von Opfern die Rede! Die Mächtigen fordern ihren Untertanen immer wieder »Opfer« ab. Etwa wenn ein Staat in den Krieg zieht, dürfen die Männer der Nation »das ultimative Opfer bringen«.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Opfer und Raub? Oder zwischen Opfer und blankem Mord?

Zunächst wäre es die Legalität. Wer als Politiker ein Opfer verlangt, der kann sich dazu das entsprechende Gesetz erlassen – so weit, so billig. Wir denken etwa an die »Opfer«, die zu verlangen der deutsche Staat während der Coronapanik sich ermächtigte. Diese Opfer waren damit »legal«. Mancher sagt: »legales Unrecht«.

Und jetzt müssen die Impfopfer ihre Entschädigung einklagen. Und, ja, »Opfer« ist hier das richtige Wort!

Die Idee »Opfer« lädt die Forderung nach dem Opfer moralisch auf.

Die Idee »Opfer« stellt einen abstrakten Kontext, etwa einen Krieg oder die Panik des Tages, über das Wohl, die Unversehrtheit zuletzt das Leben des Einzelnen.

Ein Politiker, der ein »Opfer« verlangt, der will und wird dir etwas wegnehmen. Es wird im realen Effekt wie Raub, Körperverletzung oder imple Tötung sein – nur eben legal.

Abwassergebühren oder die Autoversicherung dagegen sind verpflichtend, aber man nennt sie nicht »Opfer«. Eine Abgabe, deren Nützlichkeit plausibel zu vermitteln ist, muss nicht als Opfergabe moralisch aufgeladen werden.

Vom Opfer wird heute gesprochen, wenn in Wahrheit ein gefühltes Unrecht am Einzelnen geschieht. Das Wort »Opfer« soll das Unrecht übertünchen.

Das klingt dann so: Opferbereitschaft für den Krieg! Bringt Opfer wegen Covid! Opfer wegen der Flüchtlinge. Opfer fürs Klima. Opfert euch, opfert eure Kinder und opfert euer Land sowieso.

Wenn die Politik von »Opfern« redet, und wenn sie »Opferbereitschaft« verlangt, dürfen wir dies häufig übersetzen mit: Der Staat hat Unmoralisches mit dir vor. Er weiß das. Und er weiß, dass du es weißt! Er legalisiert aber den Raub, dann ist es kein ›Raub‹ mehr, sondern das Einfordern eines ›Opfers‹! Dem unmoralischen Opfer zu widersprechen aber, das ist es, was als unmoralisch gelten soll.

Die Mächtigen verlangen Opfer von uns, doch wenn es um sie selbst geht, ist »Opfer« höchstens ein zynischer Scherz. Ich hörte eine 24-jährige Abgeordnete sagen, sie »opfere« ihre »eigene Jugend« für »diesen Job« – sprich: für das gelegentliche Herumsitzen im Bundestag, wofür sie über 10.000 Euro monatlich kassiert, wohlgemerkt ohne abgeschlossene Ausbildung oder erkennbare relevante Qualifikation.

Nein, glaube denen nicht, wenn sie »Opfer« von dir verlangen.

Verweigere das Opfer, dabei natürlich Gesetz und Gewissen folgend! Verweigere das Opfer erst recht, wenn du auch nur den geringsten Zweifel daran hast, dass die auch selbst dieses Opfer bringen.

Verweigere das Opfer, doch dann beschließe in eigener Sache, wofür du dich opferst.

Jawohl: Opfere dich, und das heißt: Mögest du lange und gesund leben, und mögest du Glück darin finden, dass du dein Leben einer würdigen Sache widmest.

Wenn aber die Mächtigen von dir Opfer fordern, dann erwäge zu sagen, was mein Sohn sagt, wenn ich ihm das Opfer abverlange, seine Zähne zu putzen: »Nein danke, jetzt gerade nicht.«

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