28.07.2021

Mach einfach nur die Augen auf!

von Dushan Wegner, Lesezeit 7 Minuten, Foto von Daniil Kuželev
Drei Flüchtlinge (Merkels 2015-Gäste) haben mutmaßlich eine 16-Jährige vergewaltigt. Der Staatsfunk verschweigt (auch) das. Ich will manchmal gern jeden einzelnen Gutmenschen an den Schultern packen, und ihn höflich bitten: Mach einfach nur die Augen auf!
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»Meine Herren Kollegen!«, schreibt ein jüdischer Denker deutscher Sprache um die vorletzte Jahrhundertwende. Wissen Sie welchen ich meine? Falls Sie an Kafka und seinen Bericht für eine Akademie dachten, wäre es verständlich! Der Bericht beginnt allerdings – wir wollen ja stets präzise sein! – mit den Worten »Hohe Herren von der Akademie«. Es dreht sich dort um einen Affen, und auch wenn das hier und heute verhandelte Thema in einem aus anderen Kulturkreisen importierten metaphorischen Bild nicht selten mit drei Affen in Verbindung gebracht wird (wir werden darauf zurückkommen), so zitieren wir heute zuerst nicht Franz Kafka, sondern Sigmund Freud.

»Sie wissen«, so schreibt Freud in der Einleitung, »man nimmt die hysterische Blindheit als den Typus einer psychogenen Sehstörung an.« (Unsere Rede ist vom Text »Die psychogene Sehstörung in psychoanalytischer Auffassung« aus dem Jahr 1910; via textlog.de.)

Wenn Freud von Hysterie spricht, meint er etwa das, was man heute eine Neurose nennt. Eine hysterische Blindheit wäre demnach eine Blindheit aufgrund psychischer, nicht organischer Störungen, oft ausgelöst durch unverarbeitete Erlebnisse.

Und ja, wo wir von Erlebnissen reden, für die so mancher lieber blind wäre, sind wir bei den Nachrichten des Tages.

»Wer sitzt in Haft?«

Am Montag lasen wir (bild.de, 26.7.2021) noch in der für diese Zeitung typischen Lückensprache: »Frau (18) von drei Männern vergewaltigt«. Die Polizeisprecherin betonte: »Weitere Einzelheiten wollen wir nicht bekannt geben – auch aus Opferschutz.«

Einen Tag später erfuhren wir dann doch die Informationen, welche die Polizeisprecherin zunächst verheimlichen wollte. Die »Männer« waren wieder einmal Merkels Gäste, die 2015 über die von Merkel offen gehaltene Grenze gekommen waren (bild.de, 27.7.2021: »zwei Syrer und ein Iraker (18, 20 und 21)«). Und der Richter ließ sie nach der Festnahme auch gleich wieder laufen.

Das Argument des Richters, es »bestehe keine Fluchtgefahr« könnte sogar plausibel sein, und das ist bezeichnend. Was aber sagt es über ein Land aus, wenn ein vermuteter Vergewaltiger keinen Grund hat, zu fliehen oder auch nur unterzutauchen?

Ali Utlu brachte es auf den Punkt »Wer sitzt in Haft? Georg Thiel, auf Geheiß des WDR, wegen einem ›Verbrechen ohne Opfer‹. Wer sitzt nicht in U-Haft? 3 Flüchtlinge die eine 18 Jährige mehrfach vergewaltigt, geschlagen und misshandelt haben. Kein weiterer Text.« (@AliCologne, 27.7.2021)

Ob konkret diese drei Männer von gehirngewaschenen Gutmenschen am Bahnhof jauchzend und mit Teddybären begrüßt wurden, ist nicht bekannt. Wir wollen auch nicht allzu tief bohren, sonst gilt das noch als »Hetze«, und wie es der FDP-Chef sagte: »Flüchtlinge brauchen Hilfe und keine Hetze. Die Freien Demokraten helfen, wo es geht, sei es mit Schulmaterial, Kleiderspenden, Deutsch-Unterricht oder einem Welcome-Dinner.« (bild.de, 29.8.2015) (Kann jemand bitte bei der FDP nachfragen, ob das mit den Welcome-Dinnern noch läuft und wo das nächste stattfindet? Das war doch nicht alles am Ende nur Liberalala?!)

Einen weiteren Tag später nun erfahren wir (bild.de, 28.7.2021): »Die junge Frau, die in der Nacht zu Samstag von drei Männern mutmaßlich brutal geschlagen und vergewaltigt wurde, ist gerade einmal 16 Jahre alt.«

Inzwischen wurden auch die drei jungen Männer™ dann doch in Untersuchungshaft genommen. Man fragt sich, ob es nicht zuerst getan wurde, um die Männer zu schützen vor Bürgern, die den Glauben an Staat und Justiz verloren haben. Aus Bayern wird aktuell vom Fall zweier junger Mädchen berichtet, die von einem 20-Jährigen belästigt wurden, woraufhin der Vater eines der Mädchen zum Ort des Geschehens fuhr und den Täter verprügelte (so focus.de, 26.7.2021).

Garstig präzise

»Wir müssen hinschauen, endlich hinschauen«, so schrieb ich in meinem Essay vom 15.6.2016: »Wir müssen hinschauen, endlich hinschauen. Und dann müssen wir die notwendigen Konsequenzen ziehen.«

Haben wir »die notwendigen Konsequenzen« gezogen? Auf jeden Fall haben »wir« gelernt, konsequenter wegzuschauen. Für die sogenannten »Nachrichten«, die der Staatsfunk allabendlich in die Wohnzimmer und Köpfe der Republik kippt, sind diese Ereignisse bekanntlich nur »von regionaler Bedeutung« (wenn hingegen ein Prominenter solche jungen Männer™ öffentlich beleidigt hätte, das wäre Material für eine Woche an Sondersendungen und zwei frei gedichteten Propaganda-Krimifilmen unterm »Tatort«-Etikett).

Die Eliten aber, die Verantwortlichen und die Gutmenschen-vom-Dienste, die betrifft es wenig, ob ein Kind mehr oder weniger vergewaltigt wird. Die haben selten Kinder – und wenn doch, dann könnten diese doch nicht in eine solche Situation geraten. Die Eliten lauschen, blind und unbeschwert von allen Gewissensdingen, lieber auf die lieblichen Wagner-Klänge in Bayreuth (zum ersten Mal mit einer weiblichen Dirigentin, nämlich Oksana Lyniv aus der Ukraine (welt.de, 28.7.2021), Tochter zweier Musiker, darunter des Chorleiters Yaroslav Linov und Enkelin des Chorleiters und Musiklehrers Dmitry Liniva (siehe russische Wikipedia), und solche Luxus-Emanzipation zu edelster Opernmusik ist viel wichtiger als irgendwelche Kinder aus den ärmeren Schichten, die beim Great Reset draufgehen.

»Es macht den Eindruck, als ginge die Verdrängung von seiten des Ichs zu weit, als schüttete sie das Kind mit dem Bade aus, indem das Ich jetzt überhaupt nichts mehr sehen will«, so schreibt Freud. Es ist eine garstig präzise Beschreibung!

Indem »die Guten« die Realität verdrängen, sich selbst einredend, dass sie es im Namen der Moral und im Kampf gegen Rassismus tun, also um ungerechtes Leid zu vermeiden, erzeugen sie viel mehr Leid.

(Halbzynische Notiz: Freud begründet auch solche »hysterische Blindheit«, wenig überraschend, mit unterdrückten »sexuellen Interessen«. Ich überlasse es Ihnen, darüber Vermutungen anzustellen, wie manche rätselhafte 2015-Euphorie und bis heute anhaltende Realitätsblindheit besonders bei den Teddybär-Werferinnen zu begründen ist. – Nur so viel: Was ist die übliche Konstellation, wenn eine erwachsene Frau einem erwachsenen Mann ein Spielzeug schenkt, das man üblicherweise im Bett bei sich hat?)

Etwas Steinernes

In der Geschichte, von der wir heute nicht reden, lies Kafka einen Affen berichten, wie dieser durch Annahme menschlicher Verhaltensweisen in den Kreis der Menschen aufgenommen wurde, der quasi das Äffische ablegte und Menschliches annahm. Wir aber haben es mit einer anderen Konstellation zu tun: Wir reden von Menschen, die sich blind stellen, die das Menschliche ablegen, doch dafür etwas Steinernes annehmen.

Wir kennen es ja, das Bild der drei Affen, von denen sich der erste die Ohren zuhält (🙉), der zweite den Mund (🙊) und der dritte die Augen (🙈). Das Bild stammt von einem japanischen Sprichwort ab. Es gilt als Anweisung zur Sittlichkeit. Ob solche Sittlichkeit ein geeignetes Mittel ist, Missstände in der Gesellschaft zu beheben, das wäre ein eigenes Thema. Im europäischen Kontext stehen die drei Affen für den politisch korrekten »hysterischen Blinden«, der die Augen vor der Realität sowie den Folgen seiner Taten verschließt.

»Nicht in vollem Sinne«

Nein, die Augen vor der Realität zu verschließen, es kann und darf kein Weg in eine gute Zukunft sein.

»Es ist doch alles im Prinzip in Ordnung, und was nicht okay ist, wird die nächste Regierung von derselben Partei fixen«, so mag einer sagen, und gerade vor Wahlen wird er viel Bestätigung darin von Politik und Medien des Propagandstaates finden. Wir dürfen, wir müssen ihm entgegnen: »Mach einfach nur die Augen auf!«

»Sinnreiche Versuche haben gezeigt, daß die hysterisch Blinden doch in gewissem Sinne sehen, wenn auch nicht im vollen Sinne«, so schreibt Freud, und er stellt fest: »Die hysterisch Blinden sind also nur fürs Bewußtsein blind, im Unbewußten sind sie sehend.«

Nein, diese Selbstbelüger, diese so frei- wie mutwillig blinden, sie sind nicht wirklich blind – sie spielen ihre Blindheit nur, sie spielen sie bloß, auch vor sich selbst. In heutigem Gebrauch von »Hysterie« ist die Blindheit mancher Mitmenschen eher eine Anti-Hysterie, eine lethargische Blindheit.

In diesem Geiste

Nein, es ist nicht zu jeder Zeit ein Vergnügen, mit wirklich offenen Augen durch die Welt zu gehen, allzu oft zu sehen, wofür blind zu sein dann doch erfreulicher wäre. Und gewiss sollten wir kein Lob dafür erwarten, andere Menschen zum Augenöffnen aufzufordern. Was uns treibt, ist der Wunsch, die Welt ein klein wenig weniger blöd zu machen, weniger blind – in der beharrlichen Hoffnung, dass eine weniger blinde Welt auch eine weniger ungerechte ist.

Wir wollen es eben doch mit Kafka sagen, welcher den Bericht an eine Akademie mit diesen Worten schloss: »Im übrigen will ich keines Menschen Urteil; ich will nur Kenntnisse verbreiten; ich berichte nur; auch Ihnen, hohe Herren von der Akademie, habe ich nur berichtet.«

Ich wünsche uns ausreichend Mut, den Nachbarn wie auch den Kollegen (bildlich gesprochen!) bei den Schultern zu packen, und ihn dann höflich zu bitten: Mach einfach nur die Augen auf!

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