Dushan-Wegner

02.05.2024

Immer mehr Minderheit

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten
Laut einer neuen Umfrage fürchtet die Mehrheit der Deutschen, bald fremd im eigenen Land zu sein. Und es ist ja auch nur eine Frage der Zeit. Doch wirklich erschreckend ist, dass Menschen das lesen … und mit den Schultern zucken.
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Mein Sohn hat sich etwas angewöhnt: Was auch immer ich sage und egal, in welcher Sprache ich es sage, antwortet Leo neuerdings mit der englischen Rückfrage: »So?«

»So?«, der Bedeutung nach ins Deutsche übertragen etwa: »Na und?«, »Und nun?«, »Was bedeutet das wirklich?« oder: »Was willst du tun?«

Geben wir uns keinen Illusionen hin: Leo macht sich nicht notwendigerweise jedes Mal besonders tiefe Gedanken über die Bedeutung von Dingen und Vorgängen. Es ist mehr so eine neue Gewohnheit.

Als ich Leo letztens sagte, dass er sich einen Pulli anziehen soll, weil es draußen etwas kühl sei, antwortete er: »So?«

Ich erklärte: »Ich will nicht, dass du dich erkältest.«

Prompt wieder die Rückfrage: »So?«

Ich setzte tatsächlich zur tieferen Erklärung an: »Als Vater bin ich verantwortlich …«

An dem Punkt grinste Leo. Ich war ihm auf den Leim gegangen. Seine »So?«-Fragen sind ein Spaß, eine lustige Phase seiner Selbstwerdung.

Doch – the child is father of the man – dass er es nicht ganz ernst meint, soll mich nicht hindern, die Frage ernst zu nehmen.

Das Kind bringt diese oder jene Note nach Hause. – So?

Draußen ist es kalt. – So?

Das Kind hat sich mit einem Schulkameraden gestritten. – So?

Was bedeutet es? Ist es wichtig, und wenn ja, wodurch genau wird es wichtig? Was ist meine Verantwortung in dieser Angelegenheit? Was bin ich bereit zu unternehmen? Was werde ich unternehmen? Worum werde ich andere in dieser Angelegenheit bitten? Und zur Erinnerung, zuerst und zuletzt: Was bedeutet es? Ist es wichtig und wodurch wird es wichtig?

Nicht alles, was dringend erscheint, ist wichtig, und längst nichts alles Wichtige behandeln wir mit der gebotenen Dringlichkeit – womit wir natürlich bei den Nachrichten des Tages wären.

Eine neue Umfrage

Laut einer neuen Umfrage (siehe nius.de, 2.5.2024) fürchtet eine 54-Prozent-Mehrheit der befragten Deutschen, »zur Minderheit im eigenen Land zu werden«. Ebenfalls über 50 Prozent der Befragten stimmten (eher) zu, dass Deutschland grundsätzlich keine »Flüchtlinge« aus islamischen Ländern aufnehmen sollte. 57 Prozent der Befragten gaben an, in »bestimmten Gegenden« ihrer Stadt bzw. ihres Dorfes das Gefühl zu haben, »nicht mehr in Deutschland zu sein«.

Bei solchen Fragen scheint es, dass ein Gefühl abgefragt wird, doch das täuscht. Die Frage nach der »Minderheit im eigenen Land« ist nicht wirklich die Frage nach einem Gefühl, sondern nach der Einschätzung einer künftigen, in Zahlen erfassbaren Faktenlage, deren Entwicklung sich schon heute abzeichnet.

Die Frage, ob Deutsche tendenziell zur Minderheit in Deutschland werden, ließe sich ganz ohne Migration recht einfach beantworten: Der Ausländeranteil in Deutschland (sprich: Einwohner ohne deutschen Pass) beträgt 15 Prozent (demografie-portal.de). Gleichzeitig sind 25,9 Prozent der Neugeborenen nicht-deutsch (destatis.de). Sprich: Ausländer bekommen etwa 1,7 mal so viele Kinder wie Deutsche.

Zu diesen Zahlen kommen noch die Bürger mit Migrationshintergrund, die trotz deutscher Staatsbürgerschaft die Integration verweigern. Man könnte auch innerhalb der Gruppe »Ausländer« näher hinschauen wollen, welche Kulturgruppen das meiste Wachstum aufweisen.

Mit anderen Worten: Selbst ohne jährliche Masseneinwanderung wäre es bei den aktuellen Geburtszahlen nur eine Frage der Zeit, bis die Deutschen zur Minderheit werden.

Stellenweise weniger

Doch der Begriff »Minderheit im eigenen Land« hat noch eine weitere Lücke, und die ist noch viel größer.

Nämlich: Kein Bürger erlebt das ganze Deutschland auf einmal. Der Mensch erlebt immer nur seine Stadt, meist nur deren Kern und die wichtigsten Straßen, eher seinen Stadtteil und seine Straße, seine Schule und sein Einkaufszentrum.

Das heißt: Die Frage, ob die Deutschen in Deutschland insgesamt rechnerisch und statistisch zur Minderheit werden, ist in der Praxis irrelevant. Fakt ist, dass sich die Deutschen in immer mehr Stadtteilen, Schulen und an öffentlichen Orten bereits heute als Minderheit wahrnehmen.

Einem Deutschen, dessen Kinder schon heute täglich anti-deutschen Rassismus durch die ausländische Schulkinder-Mehrheit erleben, muss es geradezu wie Hohn erscheinen, wenn die Propaganda ihnen vorrechnet, dass sie – statistisch ganz Deutschland einrechnend – doch gar nicht in der Minderheit sind.

Das ist der Moment

Die Propaganda bietet keine alternative Perspektive zu dieser Entwicklung, an deren Ende es steht, dass die Deutschen in ganz Deutschland in der Minderheit sind, dass die westliche, demokratische Kultur durch die rustikalere Denkweise der islamischen Welt ersetzt wird. Die Propaganda will nur unterdrücken, dass Menschen darüber reden.

Wir lesen diese Umfragen. Wir lesen die Statistiken und Zahlen. Wir erleben es selbst in Deutschlands »Brennpunkten« oder hören und lesen die Berichte von dort.

Und das ist der Moment, an dem ich mich und uns fragen möchte, wie mein Sohn es fragend formuliert: »So?«

»So?«

»Und nun?«, will ich uns fragen. Was nützt alle Erkenntnis, wenn du keine weiteren Gedanken wie die ehrliche Benennung absehbarer Konsequenzen anschließt?

»Was bedeutet das wirklich?« – Wie wird diese Heimat realistischerweise in fünf, zehn und zwanzig Jahren aussehen?

Und dann, damit es nicht beim Grübeln und Sorgen bleibt: »Was wirst du tun?«

Lasst es uns ausprobieren! Ich will mich bei jeder Nachricht, die ich heute höre, von Leo inspirieren lassen und zurückfragen: »So?«

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