15.10.2017

Lasst uns den „Mut“ verteidigen

von Dushan Wegner, Lesezeit 3 Minuten, Foto von Austin Neill
Nein, „Mut“ ist NICHT, nachzuplappern, was alle plappern. Nur wer selbst denkt, denkt mutig!
Lasst uns den „Mut“ verteidigen
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Früher haben Aktivisten die Frösche geschützt und die Nashörner, die Wale und die Wälder. Heute müssen wir fragen: Wer schützt bedrohte Wörter vor den Wort-Wilderern? Den bedrohten Wörtern fehlen die Aktivisten, und sollten sie nicht fehlen, dann sind die Wort-Aktivisten wohl derzeit viel zu leise. – Gewisse andere „Aktivisten“ sind ja geradezu eine Gefahr für Sinn und Semantik der bedrohten Wörter!

„Mut“ ist ein solches Wort, das dringend unter Artenschutz gestellt werden muss! Ach, eigentlich müsste nicht nur das Wort „Mut“ (also die drei Buchstaben) zu seinem eigenen Schutz verhaftet werden, eigentlich ist der ganze Begriff (also die abstrakte Idee) in Gefahr. So ächzt das verwandte Wort „Courage“ ebenfalls unter andauerndem Missbrauch. Und das einst sinnverwandte „Mannhaftigkeit“ ist längst ausgewandert, wenn auch aus anderen Gründen.

Was Mut ist

Mut ist die Fähigkeit und die praktische Bereitschaft, in gefährlicher Situation das Richtige (oder was man dafür hält) zu tun.

Damit man mutig sein kann, muss eine gefährliche Situation gegeben sein. Die Helden der großen Erzählungen kämpfen – oft allein und stets mutig – gegen die Gefahr. Während die Helden kämpfen, hasst die Gesellschaft sie schon mal für ihre mutige Tat. Danach hat die Gesellschaft oft Grund, dem Helden für seinen Mut zu danken. Nicht immer rafft sie sich dazu auf.

Der Held aber ist nicht mutig, um der Gesellschaft zu nutzen. Der Held ist nicht mutig um des Adrenalin-Kicks willen. Der Held sieht „nur“ seine Aufgabe klar vor sich. Der Held erfüllt seine Aufgabe. Der Held nennt es Pflicht. Wir nennen es Mut. Mails checken, Welt retten.

Was Mut nicht ist

Die deutsche Regierung (konkret: einzelne Ministerien) und Journalisten mit „Haltung“ sind in den vergangenen Jahren redlich bemüht, das öffentliche Verständnis des Begriffs „Mut“ in sein Gegenteil umzudrehen. Vor allem im Denken soll „Mut“ etwas ganz anderes bedeuten.

Ein zu Recht bekannter Mut-Aufruf stammt von Immanuel Kant: „Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen.“

Der Mut des Denkers besteht darin, einer Kette von Argumenten und Gedanken bis zu ihrem letzten Schluss zu folgen.

Statt zum Denken aufzurufen, ruft man heute zum „Gefühl“ auf – und kämpft gleichzeitig gegen „falsche“ Gefühle, wie vorgeblichen „Hass“. Die Kampagnen dazu reichen von infantil-autoritär bis sektenhaft. Ein politisch korrekter Kant würde heute in den Applaus des Talkshow-Publikums rufen: Habe den Mut, dich deines Herzens zu bedienen! (Im Ernst: Wie unrealistisch ist es, dass es dafür Applaus gäbe?!)

Es wird ja heute bereits als „Mut“ deklariert, wenn man einfach nachplappert, was alle Kollegen sagen. Die immer gleiche Clique von Journalisten bekommt fast monatlich Preise für ihren „Mut“ – wo sie doch nur stumpf wiederholen, worüber in ihren Kreisen ideologischer Konsens herrscht. Zu plappern, was alle plappern, ist das Gegenteil von Mut.

Zu-Ende-Denken, das braucht Mut

Ich bewundere Menschen, die tatsächlich selbst denken. Für das Zu-Ende-Denken muss man auch heute einen hohen Preis bezahlen. Wer den Mut aufbringt, sich seines Verstandes zu bedienen, der riskiert von Politikern, Haltungsjournalisten und Verbandsvorstehern verunglimpft zu werden. Anschließend rufen Denunzianten bei Arbeitgebern und Kunden an. Und wenn das alles nicht hilft, kommen die Antifa-Schläger.

Selbst denken, und selbst zu Ende denken, das ist Mut. Heute mehr denn je. Ideen gegen den Strich zumindest in Theorie ausprobieren. Das ist der Mut des Denkens. Jene wollen uns Mitläufertum, Hirnausschalten und Linientreue als „Mut“ verkaufen. Sie lügen. Stellen wir uns ihnen entgegen – mutig! Lassen Sie uns echten „Mut“ verteidigen, wie Greenpeace einst die Wale verteidigte! Wer macht schon mal das Boot klar?

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