Dushan-Wegner

07.04.2023

Nächstenhiebe zu Ostern

von Dushan Wegner, Lesezeit 3 Minuten, Atme tiiiiiiiief ein ...
Ostern – Fest von Wiederauferstehung und Neuanfang. Darf man sich etwas wünschen? Ich wünsche mir ein Wunder! Dass nicht mehr übler Unfug öffentlich behauptet wird, wie dass Nächstenliebe zur mRNA-Injektion verpflichtet. Oder zu Wärmepumpen.
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Ich las jene abgedrehte Schlagzeile, und bis ich im Internet zwecks Ausschluss suchte, schwankte ich im Urteil, ob sie wohl »Fake News«, »Satire« oder ein »Zeichen unserer Zeit« ist, und diese Abgedrehtheit lautete: »Wärmepumpen sind Pflicht christlicher Nächstenliebe«.

Es sollte ein Zitat sein. Es wurde einer Annette Kurschus zugeschrieben. Frau Kurschus ist Funktionärin bei jener Glaubenskonfusion, die unter anderem 1. Kor 14,33b-36 in ihrer Bibel ignoriert (und diverse andere Bibelstellen). Aber gut, wir sind »modern«. (Zu modern vielleicht?)

Frau K. sagt bisweilen Dinge, die so weder Paulus noch Jesus gesagt haben, doch sie lässt sich mit ihrer Berufsangabe zitieren, und Unbedarfte könnten meinen, sie würde im Auftrag ebenjener CIS-Männer sprechen.

Frau K. ist aber nicht nur klüger und christlicher als Paulus, sie weiß auch besser Bescheid als Jesus selbst! Der sagt nämlich in Matthäus 5:39b: »Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.«

Das kann man anders sehen, und ich sehe es auch anders. Doch kraft angeblicher Autorität als Vertreter(-in!) einer Kirche offen Jesus zu widersprechen, das wäre mindestens »gewagt« zu nennen, oder nicht?

Kürzlich sagte Frau K. zusammengefasst etwa, man solle: »Waffen liefern und sich um Gespräche mit Russland bemühen« (so evangelisch.de, 6.3.2023)

Auch zu 2. Mose 2:16, immerhin diktiert von Gott selbst, könnte Frau K. eine andere als die übliche Deutung pflegen. Das ist nämlich das Gebot, das sagt, man sollte kein falsch Zeugnis wider seinen Nächsten geben, was ja gemeinhin verstanden wird als: »Du sollst nicht lügen!«

Weihnachten 2021 sagte Frau K. nämlich, man wisse »mittlerweile doch gesichert, dass keine erkennbaren gesundheitlichen Schäden von einer Impfung ausgehen« (zitiert nach tichyseinblick.de, 4.1.2022).

Vielleicht log Frau K. ja tatsächlich nicht, vielleicht glaubte sie den Unfug ja. Ach, wenn diese Leute doch der Bibel so treu wären wie den PR-Abteilungen von Politik und Parteispendern.

Im selben Interview (deutschlandfunk.de, 23.12.2021) sagte Frau K. auch: »Das Impfen ist eine Pflicht aus christlicher Nächstenliebe heraus.« (Warum kombiniert sie eigentlich »aus« und »heraus«? Das klingt wie einer, der klüger klingen will, als er ist.)

Ich vermute, dass jenes Zitat, »Wärmepumpen sind Pflicht christlicher Nächstenliebe«, eine Persiflage ist, satirische Paraphrase. Frau K. hat es so wohl nicht gesagt. Doch man traut es ihr durchaus zu!

Ich finde ja, wir sollten noch viele weitere Dinge zur Pflicht christlicher Nächstenliebe erklären.

Staubsauger, denn sie ermöglichen einen sauberen und angenehmen Lebensraum für Mitbewohner und Gäste.

Gurken, weil sie beim Teilen von erfrischenden Salaten für Gemeinschaft sorgen.

Keksdosen, weil sie süße Leckereien für Gäste und Mitbewohner bereithalten.

Glühbirnen (aber nur stromsparende!), da sie Licht spenden und somit Menschen in dunklen Zeiten erhellen.

Luftmatratzen, da sie eine zusätzliche Schlafmöglichkeit für Gäste bereitstellen.

Und natürlich Kopfhörer, weil sie uns ermöglichen, unsere Lieblingsmusik zu genießen, ohne andere Menschen zu stören. Ach, würden viel mehr Menschen wieder Kopfhörer benutzen, statt ganz schamlos auf Lautsprecher geschaltet ihre blöden Banalitäten ins Mobiltelefon zu brüllen! Ja, das wäre fast schon Nächstenliebe. Oder einfach etwas weniger Barbarei.

Sind Wärmepumpen nun eine Pflicht christlicher Nächstenliebe? Ach, lassen wir das.

Ich weiß, dass es eine Pflicht des Selbstrespekts wäre, nur Sachen zu sagen, die man zumindest selbst ernst nehmen kann.

Ein Mann ist, so sagt man, so viel Wert wie sein Wort. Es gilt für Frauen doch auch, ob sie nun ihr Wort in der Gemeinde erheben oder anderswo.

Ich schreibe diesen Text zu Ostern 2023. Ja, Ostern ist das höchste Fest der Christen. Und Ostern ist das Fest der Wiederauferstehung und damit doch auch des Neuanfangs für uns Menschen.

Meine Ziele und Wünsche für uns sind in diesen Tagen und Jahren klein genug. Ich wünsche uns, ob als Neuanfang oder als Fortsetzung: Lasst uns nur so sprechen, dass wir uns ein jeder selbst ernst nehmen können. Gewiss wird es dann einfacher fallen, einander ernst zu nehmen!

Ach, in was für einem Land würden wir von heute auf morgen leben, wie würden wir »wiederauferstehen«, wenn die Leute nur noch Sätze sagen würden, bei denen sie sich selbst ernst nehmen können!

Weiterschreiben, Wegner!

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