Dushan-Wegner

12.06.2023

»Die demokratischen Parteien«

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Bild: »Warum sind die Ziegen nervös?«
Worte wie »rechts«, »demokratisch« oder »Pride« verlieren immer mehr ihre BEDEUTUNG – dafür dienen sie einer FUNKTION: Inhaltlich bedeutet es inzwischen wenig, doch es signalisiert, dass der Sprecher sich der größeren Agenda unterwirft.
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Ein »Schibboleth« ist eine sprachliche Eigenschaft, welche die wahren Eigenschaften eines Menschen verrät (nach einer Begebenheit im Alten Testament, siehe Richter 12:6).

Auch in Deutschland kennen wir Schibboleths, aus denen sich die Unterwerfung eines Menschen unter das Narrativ des Propagandastaates herauslesen lässt. Ein neues deutsches Schibboleth fällt mir seit einiger Zeit auf, und es lautet: »die demokratischen Parteien«.

Politiker und Journalisten, die »die demokratischen Parteien« sagen, wirken oft alles andere als demokratisch! Suchen Sie bei Google oder bei Twitter, und prüfen Sie die Fundstellen.

Die Formulierung »die demokratischen Parteien« ergibt zuverlässig weit mehr Sinn, wenn man dafür einsetzt: »wer sich in Reih und Glied ins Narrativ einreiht«.

Das eigentliche Wort » Schibboleth« bedeutet, je nach Kontext, wahlweise »Kornähre« oder »Flut«, doch es wird im Gebrauch von seiner Bedeutung gelöst und dient der trennenden Funktion.

Besonders laut und dreist wird diese Formulierung von Politikern der umbenannten Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands verwendet – aber gut, die nannte ja auch ihre Diktatur »demokratisch«.


Alexander Soros, der das »Werk« seines Vaters fortführt (wsj.com, 11.6.2023), verspricht, noch »politischer« als sein Vater zu sein. Sprich: Die Soros-Attacken auf die Reste demokratischer Mechanismen werden aggressiver werden. Mehr gesponserte Journalisten, US-Staatsanwälte, politisch aktive NGOs. Doch nein, der deutsche Verfassungsschutz wird nicht Soros und seine Aktivitäten unter die Lupe nehmen, sondern vermutlich die, die Soros dafür kritisieren.

Und Ex-Stasi Kahane wird gewiss Überstunden leisten, um Kritik an den postdemokratischen Aktivitäten des Herrn Alexander Soros als »antisemitisch« zu attackieren. (»Antisemitisch« wird zum Schibboleth, also einem Wort, das seine eigentliche Bedeutung verliert, und auf eine ein-/ausgrenzende Funktion reduziert wird.)


Eine Überzeugung meiner Jugendzeit zerbricht täglich weiter, eine andere lebt dagegen nicht nur weiter, sondern wird stärker, detaillierter und wichtiger.

Meine endlos sterbende Überzeugung ist jene von der kollektiven Klugheit der Menschen, die im Leviathan namens »Demokratie« mündet, Herrschaft der Menschen über sich selbst, derart, dass die Klügsten und Vornehmsten uns, das Volk, dabei begleiten, die klügsten und anständigsten Ideen hervorzubringen und umzusetzen.

Meine weiterlebende und täglich stärker pochende Überzeugung ist die von der Bedeutung alter Weisheit – vielleicht sogar der »guten alten« Bibel?! 😱


Gott mag laut Nietzsche tot sein – das »Tier« der Offenbarung ist es nicht (Offenbarung 13, falls Sie Ihre Erinnerung auffrischen möchten).


Ich weiß nicht, ob Sie oben tatsächlich auf den Link zur Bibelstelle Richter 12:6 geklickt haben. Vielleicht haben sie die Geschichte ja noch aus der Sonntagsschule oder Jeschiwa parat. Zur Erinnerung: Wenn einer das Schibboleth falsch aussprach, nämlich »Sibbolet«, dann »ergriffen sie ihn und erschlugen ihn an den Furten des Jordans, sodass zu der Zeit von Ephraim fielen Zweiundvierzigtausend«.

Wir mögen deren Schibboleths nicht allzu ernst nehmen, inhaltlich oder moralisch – die nehmen es ja selbst kaum ernst –, doch die werden uns zum Jordan führen, wenn wir das »Sch« falsch aussprechen.


Der zentrale und entscheidende Grund, warum Unternehmen die bekannten »Pride«-Schibboleths praktizieren, ist nach der aktuell plausibelsten These, dass es ihren »ESG-Score« erhöht.

In Kurzform: In China haben sie bekanntlich das »Social Credit System« (siehe Wikipedia): Die Freiheit und Möglichkeiten jedes Menschen hängen von seinem politischen Wohlverhalten ab und können in Echtzeit abgefragt werden. Für Konzerne gibt es entsprechend den »ESG-Score« (siehe zerohedge.com).

Eine Theorie dazu: Indem Konzerne moralische Grundpfeiler des Westens und der Demokratie angreifen (wie etwa Familienwerte und die seelische Gesundheit von Kindern), erhalten sie »Punkte«. Nur mit diesen Punkten können sie von Fonds gekauft werden und an Kredite gelangen (deshalb steigen Kurse von Firmen womöglich auch dann, wenn sie zugleich Milliarden durch »Wokeness« verlieren). BlackRock-Boss Larry Fink macht inzwischen keinen Hehl daraus, dass man ein bestimmtes Verhalten von Konzernen erzwingen will (foxbusiness.com, 5.6.2023).

Politiker, die »die demokratischen Parteien« sagen, geben damit ihre Unterwerfung unter das postdemokratische Einheitsnarrativ zu erkennen. Konzerne, die Regenbogenflaggen hissen, geben damit ihre Unterwerfung unter den ESG-Score zu erkennen.

Konzerne färben ihre Logos im Westen aus demselben Grund in Pride-Farben, aus welchem sie es in ihren Nahost-Dependancen nicht tun: Indem sie es tun beziehungsweise nicht tun, signalisieren sie ihre Unterwerfung unters jeweilige Narrativ. Die Regenbogenflagge bedeutet nicht, dass dieser Konzern an irgendwelche moralischen Maßstäbe glaubt, sonst würde er es ja überall glauben. Pride ist ein Schibboleth, das anzeigt, dass man jeweils durch Unterwerfung dazugehört.

Warum aber der Chef des Verfassungsschutzes (Haldenwang, CDU), also einer politischen Behörde, die Regenbogenflagge hisst, als wollte er sich bei BlackRock beliebt machen, das kann ich Ihnen nicht sagen.


Die Zeit naht, dass jedes öffentlich gesprochene Wort nur noch ein Erkennungszeichen ist, kein Bedeutungsträger. Wahrheit und Bedeutung sind Licht, und die Sonne sinkt.


Die Bedeutung der Worte wird durch Funktion ersetzt. Die Funktion der Wörter wird sein, öffentlich zu bekennen, dass man Rädchen im Getriebe wird. Jedes Wort eine Unterwerfung, jede Meinung ein Gesslerhut.


Nehmt unsere Kultur und unsere Geschichte in euch auf! Einer, der weiß, dass er morgen erblinden wird, läuft heute noch ein letztes Mal durch die Parks und Museen seiner Stadt, und er schaut noch ein letztes Mal seinen Lieben ins Gesicht, und er nimmt so viele Bilder in sich auf, wie ihm irgend möglich ist. – So nehmt auch ihr unsere Bilder und unsere Geschichte in euch auf!

Weiterschreiben, Wegner!

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