Dushan-Wegner

05.09.2023

Erst schleichend, dann plötzlich

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Bild: »Der Vernunft einen Tempel«
Erste Deutsche fragen sich nicht nur, ob sich Arbeit noch lohnt – sie kündigen auch. Würdet ihr arbeiten gehen, wenn der Staat euch den Lohn wegnimmt (und an »moralische« Zwecke umverteilt) und ihr euch nie das eigene Häusle werdet leisten können?
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Das Alter, es kommt schleichend. Manchmal auch die Jahreszeiten (also früher, als man »Jahreszeiten« und »Wetterlage« sagte und nicht jeder Sonnentag gleich zur Klimapanik aufgeblasen wurde).

Der Verlust eines Landes geschieht nicht schleichend, eher wie eine Treppe hinuntergestoßen zu werden – und jede Treppenstufe schmerzt.

Doch da wäre noch etwas, ein Vorgang, für den wir noch gar keinen eigenen Begriff haben. Und dieser Vorgang geschieht äußerlich laut und rumpelnd, wie eine Treppe hinabzufallen, doch innerlich ebenso schleichend wie giftig.

Die Rede ist hier von jenem Vorgang, in welchem der Staat im Gefühl des Bürgers vom anstrengenden Übervater zum bösartigen Gegner wird. (Oder in unseren Termini gesprochen: Der Staat verliert seinen Status als nervige, aber relevante Struktur.)

Lassen Sie mich drei ganz kurze Meldungen zitieren, welche diesen gefährlichen, aber kaum noch zu leugnenden Vorgang illustrieren.

Nicht (verpflichtet)

focus.de, 5.9.2023 berichtet von einem Mann, der seinen Job kündigt, da er via Bürgergeld – also durch Gratisgeld vom Staat – mit etwas zusätzlicher Schwarzarbeit besser dastehen wird als mit ordentlicher Arbeit.

Dieser Mann nimmt das Geld vom Staat längst nicht mehr als die Steuern seiner Mitbürger wahr. Er spürt keine Verantwortung für einen eigenen Beitrag zu Wirtschaft und Gesellschaft. Er fühlt sich nicht verpflichtet, einen Beitrag zum Ganzen zu leisten.

Sicher, jahrelang spürte er all diese konstruktiven Gefühle; sie trieben ihn morgens aus dem Bett und zur Arbeit.

Bis es eben nicht mehr so war.

Es gibt mehr als einen Grund, warum jemand den (nicht nur) unausgesprochenen »großen Vertrag« mit der (durch den Staat vertretenen) Gesellschaft aufkündigen könnte.

Hier also nur zwei sehr aktuelle Beispiele!

Vollversorgt, mit Kantine

Das erste Beispiel: In Dresden wurde aktuell »Dresdens modernstes Flüchtlingsheim« eröffnet (tag24.de, 4.9.2023). Dort »beziehen bis zu 280 Männer ein modernes Haus mit Rund-um-Service, Kantine und Friseur«. Und natürlich steht das edle Haus in feinster Lage nahe der Altstadt.

In Deutschland gemeldete Schiffe holen die jungen Männer in wehrfähigem Alter kurz vor der afrikanischen Küste ab, bringen sie nach Italien zur Weiterreise nach Deutschland. Dort werden sie weiter und immer teurer vollversorgt, mit Vollzeit-all-inclusive und Freizeitangeboten. Aber der Bürger soll sich morgens aus dem Bett schälen, malochen gehen, Steuern zahlen und ansonsten die Klappe halten.

Allein im August 2023 ist die Zahl illegaler Einreisen nach Deutschland um 40 Prozent gestiegen (welt.de, 5.9.2023). Es wird noch mehr All-Inclusive-Clubs für junge Männer im wehrfähigen Alter brauchen – aber nicht für dichdu hast zu arbeiten und Klappe zu halten, sonst bist du räääääächtsradikal.

Wenn der Staat dir sehr praktisch vermittelt, dass du eigentlich nur arbeitest, damit er dir deinen Verdienst nehmen und Fremden geben kann – wofür dann noch arbeiten?

Sicher (nicht)

Das zweite Beispiel: Es galt einst als Ziel aller Arbeiter, vom Lagerarbeiter über die Fachkraft in der Fabrik bis hin zum Abteilungsleiter und Geschäftsführer, sich von ihrer Arbeit eines Tages das eigene »Häusle« bauen zu können.

Die Menschen glauben nicht mehr an den Himmel. Die irdischen Utopien wurden alle erfolglos durchprobiert. Der eine Traum, der noch blieb, war das eigene Häuschen.

Das eigene Häuschen ist Lebensmittelpunkt und damit auch Symbol der Mittelschicht. Im eigenen Haus wollte und konnte der Mensch sich sicher fühlen. Einigermaßen sicher vor den Nachbarn, finanziell sicher fürs Alter, aber auch sicher vor der Übergriffigkeit des Staates (GG Art. 13).

Und dieser letzte greifbare Traum wird den Deutschen nun auch genommen, teils auf besonders perfide Weise.

Wenn du dir in Deutschland vom brutal besteuerten Geld ein Grundstück kaufst und brutal besteuerte Arbeiter mit brutal besteuertem Material ein Haus darauf bauen lässt, dann ist das Steuerzahlen fürs Haus noch lange nicht vorbei – das Steuerzahlen beginnt jetzt erst!

Dank Grundsteuer musst du Steuern zahlen für das, was du dir hart erarbeitet und mit ultrabesteuertem Geld bezahlt hast. Und die Grundsteuer wird immer weiter steigen. Mit der Grundsteuer »vermietet« der Staat dir dein hart erarbeitetes »Eigentum«, und wenn du die »Miete« nicht zahlst, wirft er dich via »Zwangsvollstreckung« aus dem Haus, das angeblich »dir gehörte«.

Der Staat tut Böses, und die braven Bürger versuchen, sich zu wehren – indem sie ausgerechnet bei den Finanzämtern, die ihnen das legale Unrecht antun, einen Einspruch erheben.

Was aber tun die Finanzämter? Die bearbeiten die Einsprüche einfach nicht (bild.de, 5.9.2023).

Jetzt wollen mehrere Vereinsfunktionäre gegen diese Praxis klagen. Ich gehe davon aus, dass die Richter richtig entscheiden werden, und dass es bei ihnen auch keine Hausdurchsuchung geben wird (lto.de, 30.6.2023).

Doch die Grundsteuer ist wahrlich nicht das Einzige, das den Traum vom Einfamilienhaus nach und nach ausradiert.

Kommenden Freitag wird der Bundestag weiteres »legales Unrecht« zur Abzocke von Hausbesitzern beschließen: das »Gebäudeenergiegesetz«, auch »Heizungsgesetz« genannt (welt.de, 5.9.2023).

In einem Land, das seine klügsten Kraftwerke abschaltete und nun Strom importiert, sollen Hausbesitzer gezwungen werden, funktionierende Heizungen für viel Geld durch Strom-Heizungen (quasi »umgekehrte Klima-Anlagen«) zu ersetzen.

Warum?

Egal.

Hauptsache, US-Investoren in den entsprechenden Firmen werden reicher und das Haus wird unerschwinglicher. (Warum erlassen die nicht gleich ein Gesetz zum Austausch der Küchenherde?)

Ob und wo

Während ich diesen Essay schreibe, veröffentlicht bild.de, 5.9.2023 eine neue Umfrage und titelt dazu: »Mehrheit der Deutschen sagt: Arbeit lohnt sich nicht mehr!«

Herzlichen Glückwunsch, liebe Bundesregierung und Propaganda-Apparat! Selbst der Einmarsch einer offen feindlichen Armee würde kaum solchen Schaden anrichten wie ihr, denn eine feindliche Armee motiviert die Menschen bisweilen, das eigene Land aus den Trümmern neu aufzubauen.

Wer heute noch zur Arbeit geht, der sollte aus dieser Arbeit so viel Sinn und Glück beziehen, dass sie sich auch ohne Geld lohnen würde.

Die nehmen dir deine Heimat weg. Die wollen dein Haus unbezahlbar machen. Die wollen, dass du nichts besitzt, Insekten frisst, deine Zellen umprogrammieren lässt und Steuern für jedes Ausatmen zahlst.

Was bleibt dir?

Bleibt dir deine Würde?

Immer mehr Deutsche sehen keinen Sinn mehr in ihrer täglichen Arbeit – spätestens wenn sie ohne Arbeit ähnlich viel erhalten wie mit Arbeit nach den horrenden Steuern.

Derweil wird ihnen ihr Land von einer auf seltsame Weise »dämlichen, aber gerissenen« Klasse geraubt.

Erst geschieht es schleichend, dann geschieht es plötzlich, so sagt man. Wir befinden uns nicht mehr in der »schleichenden« Phase.

Gilt das auch für die Würde des Einzelnen? Arbeit hat ja viel mit Würde zu tun, immerhin ist es das, womit du den weitaus größten Teil deiner wachen Lebenszeit verbringst.

Könntest du deine Würde ebenso verlieren, erst schleichend, dann plötzlich?

Überlege, was deine Würde bedeutet. Dann verteidige deine Würde. Leite alles Übrige davon ab, inklusive der Frage, wo und warum du morgen zur Arbeit gehst.

Weiterschreiben, Wegner!

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