Dushan-Wegner

22.09.2023

Warum lassen wir es zu?

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Bild: »Hach wie schön!«
Wir sind nicht zufrieden, wie es läuft in Deutschland. Wir sind unglücklich darüber. – Versuchen Sie aber zwei Fragen ernsthaft zu beantworten: Wieso lassen die Bürger das zu? Und: Was genau sollte der Fall sein, damit wir glücklich sind?
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Was ist die eine Lektion, von der du dir wünschst, dass du sie schon als Kind gelernt hättest?

Ja, vielleicht hast du sie so gelernt, dass die Worte dir gesagt wurden, doch du hast es nicht »verinnerlicht«. So manche Weisheit ist ja wie die Kunst des Schwimmens: Es ist ein Unterschied, ob dir bloß die Schwimmbewegungen erklärt wurden, also theoretisch, auf dem Trockenen, oder ob du wirklich den Kopf über Wasser halten kannst und das andere Ufer erreichst.

Die eine Lektion, von der ich wünsche, dass ich sie viel früher begriffen hätte: Weder Evolution noch die Gesellschaft noch irgendeines der anderen Systeme um dich herum haben ein Interesse daran, dass du glücklich wirst. Dein Glück ist deine Aufgabe, nur deine, und zwar jeden Tag.

Die Rolex und ihre Fälschung

Glück ist ein abstraktes, künstliches Ding. Es gibt nichts in der Natur, worauf du mit dem Finger zeigen könntest, um zu sagen: »Schau mal, da! Da ist das Glück.«

Es ist vermutlich kein Zufall, dass wir oft versuchen, unser Glück mit weiteren abstrakten Konstrukten zu sichern: Besitz, Versicherungen, Status oder Konsumobjekten berühmter Luxusmarken.

Und es ist prinzipiell nicht falsch, keines davon! Wer etwas besitzt, der kann es ordnen, und Ordnung hat viel mit Glück zu tun. Status geht mit Verantwortung und Möglichkeit einher, und ganz ohne diese fühlt sich der Mensch macht- und sinnlos. Und gerade Luxusmarken teilen erstaunlich viele Eigenschaften mit dem Glück: Man freut sich am Original – oder man spielt mit einer Fälschung den anderen Menschen etwas vor. (Woran erkennt man eine gefälschte Rolex? Am Träger. – Ebenso ist es mit dem Glück.)

Eine Unterbrechung

Während ich dies schreibe, kam der Hund herein und bestand auf ausgiebigem Gekraultwerden. Das ist wohl Teil seiner Definition von Glück, und etwas davon überträgt sich zweifellos auf den Kraulenden, mindestens als gute Laune. Hach! – Räusper. Zurück zum Thema!

Glück an der Wand

Nicht nur bei Turnschuhen und Uhren sind Marken wichtig! Einige der teuersten »Marken« überhaupt sind Künstler wie Picasso, van Gogh oder da Vinci.

Bisweilen passiert es, dass ein bislang unbekanntes Original-Gemälde auftaucht.

Kleiner Test: Ein Mensch, der einen echten Rembrandt bei sich im Wohnzimmer hängen hat, ohne das zu wissen, freut er sich genauso wie einer, der es weiß, auch weil er dafür sehr viel Geld bezahlte? – Seien wir ehrlich: Wahrscheinlich nicht.

Doch auch das ist beim Glück ähnlich: Es hilft sehr beim Glücklichsein, sich seines Glücks auch bewusst zu sein! Und dafür hilft es sehr, für sich gefunden zu haben, was einem Glück ganz konkret bedeutet.

An anderer Stelle, etwa im Buch »Relevante Strukturen«, haben wir über das Konzept von Glück nachgedacht. Es hat mit der Ordnung von Kreisen zu tun. Das eigene Glück zu finden, ist eine Aufgabe für Jahrzehnte.

Was man aber schon als Kind erfahren und auch begreifen sollte, ist die Tatsache, dass weder die Evolution noch Konzerne noch Politik noch Gesellschaft noch Religion ein Interesse daran haben, dich glücklich zu haben. Ja, nicht einmal deine Familie will dich zwingend glücklich sehen.

Die Evolution »will«, dass du deine DNA vermehrst, alle übrigen Instanzen wollen, dass du arbeitest und ihnen möglichst viel von deiner Arbeitskraft abgibst.

Das Vertrackte an der »Evolution« ist aber, dass es schlicht bedeutet: Deine eigenen Instinkte wollen dich nicht glücklich sehen. Wenn du Glück finden willst, dann auch gegen einen Teil von dir (und jeder im Gefängnis einsitzende Triebtäter kann dir berichten, wie wenig es glücklich macht, all seinen »natürlichen« Trieben nachzugeben).

Ein eigener Innenhof

In Deutschland gilt es als »peinlich« oder »naiv«, von Glück zu reden. (In den USA haben sie dagegen das Recht auf die Suche nach dem Glück in der Unabhängigkeitserklärung verankert.)

Und doch sind in das, was bei uns an deutscher Kultur und Tradition noch übrig ist, die Rahmenbedingungen unserer Vorstellung von Glück hineinkodiert!

Wenn etwa die Grünen in den Krieg ziehen gegen traditionelle deutsche Einfamilienhäuser, dann kämpfen sie gegen einen Rahmen, innerhalb dessen viele Menschen tatsächlich etwas Glück fanden, eine Ordnung ihrer Kreise, ein Zuhause für ihre relevanten Strukturen, ein eigener Innenhof.

Wenn Globalisten die zigtausendfache Schlepperei junger Männer aus Afrika nach Europa fördern, wenn sie antidemokratische politische Maßnahmen wie den UN-Migrationspakt fördern und die Propaganda die Zerstörung von Familien und sozialen Strukturen zur moralischen Notwendigkeit erklärt, dann wird in jedem einzelnen Fall in Kauf genommen, dass den Menschen der Rahmen verlorengeht, in dem sie glücklich waren.

Globalisten versprechen: »Du wirst nichts besitzen und du wirst glücklich sein«, doch ist nur der erste Teil wörtlich zu nehmen. Der zweite Teil sollte bedeuten: »Und du hast (damit) glücklich zu sein«.

Die wissen, dass sie dir die Voraussetzungen für das Glück nehmen. Also befehlen sie dir schon mal, so zu tun, als würdest du glücklich sein.

Wenn alle so tun, als wären sie glücklich, wird der einzelne Unglückliche sich sagen, dass er wohl die Ausnahme ist, dass es seine eigene Schuld ist, weil er etwas falsch macht.

Während Covid wurde überlegt, Menschen in Psychiatrien zu sperren, die sich der mRNA-Gentherapie verweigerten (medscape.com, 27.4.2020aerztezeitung.de, 17.1.2021). Wenn du nichts besitzt und damit nicht glücklich bist, hält man gewiss auch dafür eine Gentherapie bereit – und willst du die nicht nehmen, dann bist du entweder verrückt (und ein Fall für die Klapse) oder ein Rechtsextremer, was natürlich die bekannten Folgen hat.

Übertreibe ich in meinen Vorhersagen? Vielleicht im Ausmaß, nicht in der Richtung.

Der Fakt bleibt: Menschen sind sich dessen viel zu wenig bewusst, dass Glück einen Rahmen braucht und immer Arbeit bedeutet, dass Glück aber möglich ist. Fragen Sie einen glücklichen Menschen, und er wird Ihnen immer sagen, wie viel Arbeit das Glück erforderte!

An guten Tagen die Sehnsucht

Der natürliche Zustand des Menschen ist wahrlich nicht das Glück. (Bevor die Spanier in Amerika wüteten, lebten die Indianer keineswegs in himmlischem Frieden. Tatsächlich führten die Indianerstämme grausame Kriege untereinander. Das »Skalpieren« brachten die Indianer den Weißen bei! Und denken wir besser gar nicht erst an die blutigen Rituale etwa der Azteken.)

Der natürliche Zustand des Menschen ist Gewalt, Angst, Hunger und an guten Tagen die Sehnsucht. Glück ist ein Konstrukt, eine Erfindung – und als solche vermutlich unsere beste Erfindung überhaupt.

Doch Glück setzt Arbeit voraus. Arbeit des Verstandes, Arbeit der Gefühle und sehr konkret auch körperliche Arbeit.

Warum lassen die das zu?

In diesen Tagen fragen sich viele Deutsche angesichts der Ereignisse in ihrem Land: Wie konnte es so weit kommen?

Und aus dem Ausland fragen die Menschen, so sie sich überhaupt noch um Deutschland kümmern: Warum lassen die Deutschen das alles zu?

Meine Antwort lautet: Zu viele Deutsche haben vergessen, dass Glück keinesfalls »natürlich« ist und sich nicht einfach von selbst einstellt.

Glück hat Rahmenbedingungen, und die sind alles andere als beliebig.

Wer jemals glücklich war und es dann später wieder nicht ist, der weiß: Glück ist zerbrechlich.

Warum lassen wir zu, was Deutschland angetan wird? Vielleicht weil zu viele Bürger selbst derart verwirrt und ratlos sind, dass sie nicht wissen, was genau sie fordern sollen. Oder weil sie es nicht in Worte bringen können. Oder weil sie nicht mehr den Mut aufbringen, die Rahmenbedingungen für ihr Glück als Gegenleistung für ihre Steuern einzufordern.

Glück ist Arbeit. Und wenn ich »den Deutschen« wie auch dir und mir sage: »Viel Glück«, dann meine ich damit eigentlich: Raff dich auf, und arbeite an den Voraussetzungen des Glücks, fordere sie ein und bestehe darauf – und diese deine Arbeit an deinem Glück ist es, bei der ich dir Erfolg wünsche!

Weiterschreiben, Wegner!

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