05.12.2022

Nur so klug wie die Eier

von Dushan Wegner, Lesezeit 3 Minuten, Foto von Eaters Collective
Wir klagen darüber, wie dumm die Regierung handelt. – Jedoch: Eine Regierung wird nach aller Erfahrung immer nur maximal so klug regieren (können), wie das regierte Volk klug ist. – Also: Wie klug sind wir?
omelette on black plate
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Ein Omelett kann nur so gut sein, wie die Eier, die darin verarbeitet wurden. Ja, es kann schlechter sein, das ist wahr, aber kaum besser. – Soweit werden Sie mir gewiss zustimmen!

Mit dem obigen Omelett als Metapher will ich nun eine konkretisierende These wagen: Die Qualität des Regiertwerdens eines Volkes kann nur so gut sein wie die prototypischeSeelenbildung. Ja, die Regierung kann schlechter sein als das Volk – weise, seelengebildete Menschen können von Tyrannen überrumpelt werden – doch es ist unwahrscheinlich, dass vulgäre Leute sich von Feingeistern regieren lassen.

Erstens, zweitens

Eine Regierung, ob sie sich »demokratisch« oder »sozialistisch«, oder offen zu der üblichen modernen dynamischen Verschmelzung aus Oligarchie und Korruptokratie steht, immer müssen die Mächtigen sich mindestens emotional und moralisch vor den Regierten und also Ausgebeuteten rechtfertigen.

Nur mit Gewalt und Zwang lässt sich nicht regieren!

Erstens gerät man in die Schwierigkeit, dass man hinter jeden Bürger einen Aufpasser stellen muss, hinter diesen wieder einen Aufpasser, und so weiter.

Und zweitens werden konkurrierende Völker, deren Bürger sich einbilden, »frei« zu sein, wirtschaftlich ums Vielfache effektiver sein.

Breiter und ernsthafter

Es wäre wenig kontrovers, wenn man postulierte: Die Rechtfertigung bestimmt rückwärts wirkend die Qualität des Regierungswesens.

Eine Bevölkerung, welche die Weisheitslehren ihrer eigenen Tradition verinnerlichte, ja welche diese auch noch mit den Weisheitslehren anderer Traditionen abglich, und die sie beide verinnerlichte, und passend gewichtet auch appliziert, wird an die Politik andere Maßstäbe anlegen, als ein Volk von »Blättern im Wind«.

Menschen, die ihre relevanten Strukturen kennen und ihre Kreise geordnet haben, werden sich nicht (allzu lange) mit oberflächlichen Erklärungen und billigen Slogans zur Rechtfertigung politischen Handelns abgeben.

Eine an der Seele gebildete Öffentlichkeit, die ihre großen Dichter zitieren kann und die Zitate auch versteht, wird Politiker eher für ihre Handlungen und Entscheidungen zur Rechenschaft ziehen, da sie die Folgen dieser Handlungen sieht, versteht und ernst nimmt.

Eine an der Seele gebildete Bevölkerung wird sich breiter und ernsthafter am politischen Prozess beteiligen. In der Demokratie muss kluge Beteiligung bedeuten, dass man bei Wahlen nach Inhalten und Konsequenzen entscheidet, nicht (nur) nach »Lebensgefühl«. Demokratische Klugheit kann die Teilhabe an lokaler Politik bedeuten, und auch schlicht die rationale Verhandlung politischer Themen in halb-öffentlichen Foren.

Die Weisheit der Massen setzt die Weisheit des Einzelnen voraus. Die kollektive Erkenntnis von Dummköpfen ist eben nur kollektive Dummheit.

Nun mag mancher Bürger sagen: »Aber ich bin doch gebildet! Ich bin Ingenieur! Arzt! Rechtsanwalt! Ich programmiere Computer, bin Facharbeiter, bin Unternehmer oder Manager!«

Keine dieser Qualifikationen geht zwingend mit Seelenbildung einher. Wer etwa als Zahnarzt eine Krone zu setzen oder einen Zahn zu ziehen versteht, der versteht genau das. So wichtig diese Tätigkeit auch ohne Zweifel ist, es schließt nicht ein, die Seele des Einzelnen wie auch des Kollektivs zu verstehen, oder sich selbst an den Lehren der Alten und Weisen geprüft und geformt zu haben.

Seid …

Wir lesen die täglichen Meldungen, aus diesem und jenen Ministerium, und wir fragen uns: Wie kann es sein, dass die Regierung so offen blöde handelt?

Nun, die Handlungen einer Regierung können nur so gut sein wie die kollektive Seelenbildung des Volkes – und die nur so gut wie die Weisheit und innere Ordnung des Einzelnen.

In diesem Geiste also, liebe Deutsche: Ihr wollt ein besseres Omelett? Seid bessere Eier!

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