16.03.2023

Besser als Unentschieden

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten
Galeria Kaufhof schließt wohl 52 Filialen und 5000 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Eine Meldung von vielen. Die Regierung bläht derweil ihre Bürokratie weiter auf, um 168 teure Top-Beamte. Auch nur eine weitere Meldung. Der Zeitpunkt naht, an dem ganz Deutschland nur noch für Staat oder Propaganda arbeitet.
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Zwei Nachrichten sah ich diese Woche direkt nebeneinanderstehen. Die eine hatte mit Schrumpfung zu tun. Die andere mit Wachstum.

»52 von 129: Galeria schließt 52 Warenhäuser – 5000 Mitarbeitern droht Kündigung« (focus.de, 16.3.2023)

»Apparat weiter aufgebläht: Ampel schafft 168 neue Stellen für teure Top-Beamte« (focus.de, 14.3.2023)

»Ampel« steht für die Regierung. Auf den ersten Blick scheint es, dass die deutsche Wirtschaft stirbt, während der Staatsapparat immer weiter aufgebläht wird. Galeria Kaufhof wurde schon mal auf Steuerzahlerkosten »gerettet«. Und letztes Jahr erst wollten sie das nochmal (n-tv.de, 31.10.2022).

Auf den zweiten Blick sind Galeria-Kaufhof-Filialen ja nicht »die Wirtschaft«. Vielleicht bestellen die Leute ihre Sachen eben lieber online. Wer will schon mit dem täglich teurer werdenden Auto im Stau stehen, teures Parken bezahlen und dann schließlich hören, dass das Gesuchte gerade nicht da ist und bestellt werden muss, um es dann – unter Umständen deutlich teurer als bei Amazon – in einer zweiten Fahrt abzuholen? Dass die Leute nicht sinnlos Zeit und Energie aufwenden wollen, um teurer einzukaufen als notwendig, das allein bedeutet noch nicht, dass die Wirtschaft stirbt. (Das kann unabhängig davon wahr sein.)

5.000 Karstadt-Mitarbeiter werden wohl ihren Job verlieren.

Auch das klingt zunächst wie eben nur eine weitere Meldung über Massenkündigungen, wie wir sie seit nun Jahren im Wochentakt hören – »das neue Normal«.

Während also die Steuerzahler zu Tausenden aus der Wirtschaft entlassen werden, bläht sich die Staatsbürokratie unbegrenzt auf.

Dass neue Technologien neue Wirtschaftszweige entstehen lassen, und alte Wirtschaftszweige sich zurückziehen, das allein ist nicht ungewöhnlich oder in größerem Maßstab schlecht.

Zu wachsen und zu schrumpfen, das ist natürlich und gesund. Gewisse Wirtschaftszweige schrumpfen, das ist nun mal so. Mehr Sorgen bereitet mir die Frage, ob genug Neues wächst.

Ich erinnere mich noch an die erste Internetwelle. Einige der erfolgreichsten deutschen Start-ups zeichneten sich dadurch aus, dass sie amerikanische Ideen kopierten, um schnell genug einen Zahlwilligen dafür zu finden. Inzwischen sind in Deutschland aber einige »Einhörner« herangewachsen, also Start-ups mit Bewertung im Milliardenbereich (siehe etwa startbase.de). Diese Einhörner scheinen, anders als so manche frühere Start-ups, tatsächlich reale Produkte zu produzieren.

Deutschlands »Problemchen« wäre, wenn nicht so schnell neue Industrien nachwachsen, wie alte Industrien sterben.

Ich scherze gelegentlich, dass Deutschland auf einen Zustand zusteuert, in welchem der gesamte Wirtschaftsbetrieb nur noch aus Politik und Propaganda besteht. Mittlerweile ist wohldokumentiert, dass nicht nur die Politik viel Geld in deutsche Propaganda pumpt, sondern auch ausländische Akteure über Stiftungen und Vereine die öffentliche Meinung in Deutschland beeinflussen. Und zusätzlich lesen wir, wie der Staatsapparat sich quasi unendlich selbst aufbläht. Die Arbeitenden, die noch Wert schaffen und davon Steuern zahlen, sind die Dummen der Nation.

Nur Propaganda und Bürokratie (und Staatsschulden) wachsen von Jahr zu Jahr. Unbegrenztes Wachstum nennt man Krebs. Gesunde Natur wie auch gesunde Wirtschaft leben und wachsen in Zyklen und Phasen. Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich im besten Fall »gesund« – wie gesagt: im besten denkbaren Fall.

Der Zuwachs an deutscher Bürokratie erinnert an das Wachstum von Krebs: unbegrenzt und auf Kosten anderer Zellen. Wir wissen aber, wie Organismen enden, in denen endlos Krebs wächst.

Ein Unterschied zwischen Bürokratie und tatsächlichem Krebs besteht darin, dass beim tatsächlichen Krebs die Ärzte versuchen, ihn zu bekämpfen. Bei der Bürokratie aber müsste die Bürokratie sich selbst einschränken.

Der Comedian Norm Macdonald hat einmal gescherzt, die Redeweise, ein Mensch »verliere den Kampf gegen Krebs«, sei unpräzise. Tatsächlich sei es mehr ein Unentschieden. (Sein eigenes Unentschieden gegen Blutkrebs ergab sich am 14.9.2021.)

Ich weiß nicht, welches Wachstum am Ende in Deutschland gewinnen wird. Ich weiß, dass Deutschland mit Propaganda-Milliarden und staatsnahem Journalismus künstlich dumm und folgsam gehalten wird.

Ich weiß nicht, ob zuletzt die Bürokratie oder die Bürger gewinnen werden – oder ob es irgendwann unentschieden ausgeht. So oder so wünsche ich uns gute Besserung.

Den Karstadt-Mitarbeiter, die ihren Job verlieren, wünsche ich, bald wieder eine neue Einkommensquelle zu finden, vielleicht sogar die Freude am Alltag neu zu entdecken. Den neuen Bürokraten im aufgeblähten Apparat wünsche ich etwas anderes. Und uns allen wünsche ich, dass unser privater Kampf gegen den täglichen Wahnsinn weit besser als nur unentschieden ausgeht!

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