Dushan-Wegner

15.01.2024

Unwort des Jahres, 2013 bis 2023 – verräterisch!

von Dushan Wegner, Lesezeit 8 Minuten
These: Das »Unwort des Jahres« ist ein genialer, subversiver Akt, der ein wichtiges Thema einer breiten Öffentlichkeit näherbringt. Man kämpft mit Mitteln der Propaganda gegen diese. Und für 2023 will man eben »Remigration« bekannt machen.
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In Deutschland findet jährlich ein lustiges Mini-Theater rund um das »Unwort des Jahres« statt – und ich habe eine steile Theorie dazu, was der wahre Motivator dieser Propaganda-Posse ist!

Eine kleine, stramm linke und also weltfremde Akademiker-Clique legt fest, was angeblich das »Unwort des Jahres« zu sein hat. Staatsfunk und regierungsnahe Medien verbreiten dies dann, als sei es eine echte Nachricht, ein Erdbeben etwa, ein Krieg oder die neueste WHO-Planung.

Dass irgendein Altlinken-Stammtisch ein »Unwort des Jahres« bestimmt, ist an sich etwa so bedeutsam, wie wenn du und ich und der Nachbar Hans-Peter dies beim Bier in der Kneipe täten.

Eine Nachricht wird das »Unwort des Jahres« erst und nur dadurch, dass vor allem der Staatsfunk es eben zur Nachricht aufbläst.

Am »Unwort des Jahres« können wir seit mindestens einem Jahrzehnt zuverlässig ablesen, von welchen Wahrheiten die deutsche Propaganda nicht will, dass über sie gesprochen wird.

Lasst uns kurz die »Unworte« der letzten zehn Jahre abgehen – es ist durchaus lustig!

2013: »Sozialtourismus«

Man will nicht, dass die Deutschen sich dessen bewusst sind, dass viele angeblich Hilfsbedürftige nur nach Deutschland kommen, um Gratis-Geld zu kassieren.

Wenn es aber ein »Unwort« ist, es »Sozialtourismus« zu nennen, wenn etwa Ukrainer sich eine Gratis-Wohnung in Deutschland nehmen, diese nur wenige Tage im Monat bewohnen (während derer es Gratis-Geld gibt), und dann wieder nach Hause fahren – wie sonst soll man es nennen als »Sozialtourismus«?

2014: »Lügenpresse«

Zur Absurdität unserer Zeit zählt auch, dass bereits in der Begründung für dieses »Unwort« halb gelogen wurde.

Es wurde die obligatorische Verbindung zur NS-Zeit gezogen. Dabei ist »Lügenpresse«, ähnlich wie »Altparteien«, ein stramm linkes Wort!

1924 titelte etwa die kommunistische »Neue Zeitung«: Hinaus mit der bürgerlich-kapitalistischen Lügenpresse!

Sogar zuvor beim Gründungsparteitag der Kommunistischen-Partei-Deutschlands wurde gegen die »Lügenpresse der Bourgeoisie« gewettert.

Wenn die Jury des »Unworts des Jahres« also »Lügenpresse« als rechts verortet, dürfen wir ihr dafür danken! Damit segnen sie quasi akademisch ab, dass »rechts« und »links« die Bedeutung getauscht haben.

Im selben Jahr, für welches »Lügenpresse« zum »Unwort des Jahres« deklariert wurde, wurde übrigens ein gewisser Claas Relotius ausgerechnet von CNN zum »Journalisten des Jahres« erkoren – einer seiner vielen Journalistenpreise, und mehr muss man zum Unwort »Lügenpresse« hier nicht sagen.

2015: »Gutmensch«

Im Unrechtsjahr 2015 wählte man ausgerechnet das Unwort »Gutmensch«.

Eigentlich ist »Gutmensch« ein relatives modernes Wort für »Heuchler« und »Pharisäer«, wie Jesus es schon verwendete. Die derart Bezeichneten bestehen aber darauf, dass es »guter Mensch« bedeutet (und dass Zitronenfalter tatsächlich Zitronen falten).

Im folgenden Jahr dann erklärte ein Kardinal Woelki sich sehr öffentlich zum »Gutmenschen«. Er sprühte das Wort »Gutmensch« auf die Bodenfliesen im ummauerten, gesicherten Park der kirchlichen Residenz.

Mehr muss man auch zum Unwort »Gutmensch« hier nicht sagen – außer vielleicht: Womit war Kardinal Woelki zuletzt sonst noch in den Nachrichten?

2016: »Volksverräter«

Ähnlich wie bei »Lügenpresse« und »Gutmensch« könnten wir auch bei »Volksverräter« den Verdacht hegen, dass sich das Establishment von diesem Wort ertappt fühlt.

In der Begründung wird notiert, dass dieser Begriff häufig für demokratisch gewählte Politiker verwendet wird. Wenn die Juroren meinen, eine demokratische Wahl verleihe einem Politiker die metaphysische Unfähigkeit, das eigene Volk zu verraten, sollten wir denen dringend die Lektüre eines beliebigen Geschichtsbuchs empfehlen.

2017: »alternative Fakten«

Mit »alternative Fakten« wird die Ironie der ganzen Unwort-Aktion deutlich.

Fakten, welche belegt und dokumentiert sind, die von oben festgelegte Wahrheit jedoch hinterfragen, sind »alternative Fakten« und damit irgendwie böse.

Man muss der Jury entschuldigend zugute halten, dass der Relotius-Skandal erst im kommenden Jahr ans Licht kommen würde.

2018: »Anti-Abschiebe-Industrie«

Was genau wollte man mit der Ausrufung von »Anti-Abschiebe-Industrie« als Unwort des Jahres erreichen?

Wollte man leugnen, dass es sie gibt, dass sie zum Teil von US-Milliardären gesponsert wird?

Dass sie (mindestens unausgesprochen) mit Schleppern kooperiert?

Dass deren Akteure immer wieder offen das Ende traditioneller westlicher Gesellschaften zum Ziel erklären?

Ach ja, die Zuckerwatte-Realität des Elfenbeinturms – ein Unding, sie mit faktischen Fakten zu verunsichern.

2019: »Klimahysterie«

2019 lachte und wunderte sich die restliche Welt noch über die deutsche Klimahysterie.

Heute hat man sich mit dem wirtschaftlichen Suizid Deutschlands im Namen des Klimas weitgehend abgefunden – und verdient Geld daran, etwa indem »schmutziger« Strom teuer nach Deutschland verkauft wird. Klar, dass es gewissen Kreise unlieb ist, wenn und dass das ausgesprochen wird.

2020: »Rückführungspatenschaften« und »Corona-Diktatur«

Im Jahr 2020 rief man gleich zwei Unwörter aus: einmal »Rückführungspatenschaften« und einmal »Corona-Diktatur«.

Aus dem akademischen Elfenbeinturm (und vermutlich abbezahlten, luxusrenovierten Altbauwohnungen) schimpft es sich komfortabel über zaghafte Versuche der EU, die Migration in Deutschlands Krisenherde dann doch etwas abzubremsen – geschenkt.

»Corona-Diktatur« aber ist ein »Unwort« im klassischsten Sinne. Das Establishment markiert eine Wahrheit, von der man nicht will, dass man über diese spricht.

Immer wieder charmant auch, wenn Westler den Ossis erklären, ob und wann sie sich nicht an ihre reale Diktatur-Erfahrung zurückerinnert fühlen dürfen.

2021: »Pushback«

Ein weiteres Mal beschwert man sich aus dem akademischen Elfenbeinturm, dass die EU ein bisschen dafür tut, den Flächenbrand in Europas Krisenzonen etwas langsamer um sich greifen zu lassen.

Zerbrechende Gesellschaften, sozialer Kollaps, Gewalt und Verbrechen – das alles interessiert die Elfenbeintürmler nicht.

Wir gähnen, allerdings gähnen wir etwas genervt.

2022: »Klimaterroristen

Auch »Klimaterroristen« war wieder ein klassisches »Unwort«. Es markiert eine Wahrheit, von der bestimmte Kreise nicht wollen, dass sie ausgesprochen wird.

Wir kennen ja die Redensart: »Des einen Terrorist ist des anderen Freiheitskämpfer«.

Wir sollten also wohl nicht »Klimaterroristen« sagen, sondern: »Aus dem Ausland finanzierte, den Tod von Menschen in Kauf nehmende, demokratiefeindliche und aus irgendeinem Grund nicht selten rasend antisemitische Klima-Freiheitskämpfer«.

Besser?

2023: »Remigration«

Und nun, für 2023, wieder ein »klassisches« Unwort des Jahres. Eine Wahrheit und eine Notwendigkeit, von der die Propaganda und offenbar auch der akademische Elfenbeinturm nicht wollen, dass man sie ausspricht: »Remigration«.

In der Begründung (PDF via unwortdesjahres.net) bedient sich die Jury eines manipulativen, klassisch linken (und inzwischen etwas abgegriffenen) rhetorischen Tricks. Man unterstellt dem politischen Gegner eine böse Absicht, und dann begründet man die eigenen Entscheidungen mit dieser.

Absicht und Zuschreibung

Zitat: »Die Jury kritisiert die Verwendung des Wortes, weil es 2023 als rechter Kampfbegriff, beschönigende Tarnvokabel und ein die tatsächlichen Absichten verschleiernder Ausdruck gebraucht wurde.«

(Am Rande: Spricht deren eigene Publikation von sich selbst in der dritten Person? »Die Jury kritisiert«? Der Dushan Wegner findet das lustig. Und etwas bezeichnend.)

Diese Rhetorik ist derart übertrieben links-verlogen, dass ich schmunzeln musste.

Dann erfuhr ich, wer diesmal der »Gastjuror« war – und da musste ich buchstäblich laut lachen!

Es ist Ruprecht Polenz, jener ehemalige CDU-Generalsekretär, der auf X (ehemals »Twitter«) den Ultralinksgrünen markiert. Online pöbelnd und randalierend gelingt ihm das bemerkenswerte Kunststück, den linken Flügel der Grünen und die umbenannte SED links zu überholen und regelmäßig zu überrunden.

Auch Polenz lässt sich hier zitieren mit den »wahren Absichten« seiner Schreckgespenster.

Das »Unwort des Jahres« ist eine jener Institutionen im Propagandastaat, für die »Poes Gesetz« gilt, wonach besonders im Internet das Extreme und dessen Parodie (ohne weitere Kennzeichnung) nicht zu unterscheiden sind.

Interessant sind übrigens auch die Plätze 2 und 3 der Wahl zum »Unwort des Jahres«. Auch diese markieren, was etablierte Kreise verschweigen wollen. (Übrigens: Es ist keine Zuschreibung von Absicht, wenn ich sage, dass die es nicht wollen, dass man diese Begriffe verwendet; die Vokabel »Unwort« sagt es explizit.)

»Sozialklimbim« und »Heizungs-Stasi«

Platz 2 dieses Jahr ist »Sozialklimbim«: Im Elfenbeinturm will man nicht, dass die Sinnhaftigkeit einzelner Sozialleistungen debattiert wird. So weit, so links – geschenkt.

Aber Platz 3 ist interessant: »Heizungs-Stasi«.

Zitat: »Das Wort dient der populistischen Stimmungsmache gegen Klimaschutzmaßnahmen (Gebäudeenergiegesetz GEG). Diese werden als diktatorische Repressionen dargestellt, die gegen das Wohl der Bevölkerung durchgesetzt werden.«

Die Jury zum »Unwort des Jahres« könnte sich an diesem Punkt nicht deutlicher als politisch und parteiisch outen, selbst wenn sie einen Partei-Mitgliedsausweis auf Instagram posten würde.

Ja, das ist aber weitgehend richtig, was sie über die »Klima-Stasi« sagen.

Natürlich bis auf die »Klimaschutzmaßnahmen«. Wenn die Wände an Deutschlands Einfamilienhäusern verschimmeln oder arme Deutsche buchstäblich erfrieren, weil Stromheizen mit voller Absicht unbezahlbar gemacht wurde, hilft das dem Klima genau gar nicht.

Sehr vorsichtig

Ich weiß nicht, ob die Jury auch den »Streisand-Effekt« mal fürs »Unwort« erwogen hat. In mir wächst aber der Verdacht, dass das »Unwort des Jahres« im Kern ein genialer subversiver Akt ist.

Über den Umweg des vorgeblichen Dagegenseins wird einer unbequemen Wahrheit ein breites Publikum verschafft. Die Werkzeuge und Verbreitungswege des Propagandastaates werden gegen diesen selbst benutzt.

Freunde, ich bin kein Linker (im heutigen, umgekehrten Sinne), also bin ich sehr vorsichtig damit, dem Debattengegner eine Absicht oder Vorsatz zu unterstellen – und sei es heimlich gute, ja allerbeste und dazu schlaue Absicht.

Vielleicht ist Ruprecht Polenz ja in Wahrheit ein konservativer, rationaler Knochen, der sich einen Spaß daraus macht, linksgrüne Überdrehtheit zu parodieren. (Und vielleicht lacht Herr Polenz jeden Abend heimlich, aber laut, ähnlich wie ich über seine Rolle als Gastjuror lachte – ein wahres Schelmenstück –, und er fragt sich, wie kreischend und überdreht er denn noch auftreten muss, bevor seine politische Aktionskunst als solche auffällt.)

Ich bin dankbar

Es spielt für den Effekt (noch) keine Rolle, ob dies oder das Gegenteil deren Absicht ist. Ich bin der Jury zum »Unwort des Jahres« so oder so dankbar. Durch ihre linksgedrehte Überdrehtheit markiert die Jury auch dieses Jahr ein wichtiges Thema.

Denn: Ohne Remigration, oder wie Kanzler Erinnerungslücke sagt: »Abschiebung im großen Stil«, werden bald alle deutschen Wörter »Unwörter des Jahres« sein. (Liebe Jury, fragt euch mal, ob eine Taliban-Regierung noch akademische Germanisten finanziert.)

Danke also für die wichtigen Hinweise, liebe Akademiker, ob ihr es so oder ganz anders meintet.

Und danke für die Lacher!

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