4.11.2020

Der Sumpf vs. Trump

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Foto von Caleb Fisher
Donald J. Trump lag bei den US-Wahlen 2020 in wichtigen Staaten vorne – und dann wurde plötzlich die Auszählung unterbrochen. Es riecht, als hätte der Sumpf aus seiner Niederlage von 2016 gelernt.
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Wahlen und Wahldebatten in den USA, das bedeutet für Europäer auch, viel zu früh am Morgen wach zu sein. Als ich zuletzt gefühlt so häufig mitten in der Nacht wach wurde wie in diesen Wahlkampf-Wochen, waren es die Babyjahre erst des einen Kindes und dann des anderen.

Nun, heute am 3. November 2020 (und während ich diese ersten Zeile schreibe!) schlafen unsere Kinder noch wie kleine Braunbären im Winterschlaf, und wenn wir sie wecken müssen sollten, auf dass sie in die Schule gehen, um viel zu lernen und recht bald ihren Nobelpreis zu gewinnen, wäre fürs Wecken das Dynamit des Herrn Nobel recht hilfreich.

Ich wollte schlafen

Ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen, in der Nacht vom 3. zum 4. November 2020 zu schlafen, mindestens bis fünf Uhr, wenn nicht sogar auszuschlafen bis sechs. Nein, es klappte nicht – wie sollte es auch?!

Kurz nach zwei Uhr war ich wach, die innere Essayisten-Uhr weckte mich, und wie der Rest des Planeten verfolgte ich die ersten Hochzählungen aus den USA.

Es ist kein Geheimnis, dass ich auf die Wiederwahl des Donald J. Trump hoffte. Es ist kein Geheimnis, dass ich es für den Anfang des praktischen Endes der Demokratie-Idee weltweit halte, wenn Joe Biden zum Präsidenten der USA erklärt würde. Innerlich hatte ich mich mit beiden Möglichkeiten abgefunden, gemäß des alten Gebets: »Gott gebe mir die Kraft, hinzunehmen was ich nicht ändern kann«.

Die Gründe, warum ich heute Trump für die letzte Hoffnung der Demokratie halte, habe ich in den vergangenen vier Jahren oft genug dargelegt – beginnend mit dem Artikel vom Tag vor der US-Wahl 2016: »Warum ich Trump wählen würde«

Der greise Joe Biden wirkt (nicht nur gesundheitlich…) wie ein Zombie aus dem undemokratischen Sumpf, den es in jeder Demokratie gibt/gab. Und doch hatte ich mich auch mit seinem möglichen sogenannten »Sieg« abgefunden.

Vorm Maul des Esels

Ich erschrak gestern schon über mich selbst, dass ich auf gewisse Weise auch eine Erleichterung spüren würde, wenn Biden zum Sieger erklärt würde – jedoch aus ganz anderen Gründen als Politiker, Presse und Propaganda es sich (offiziell) wünschen.

Trump steht für das Volk, für Politiker als Stellvertreter des »einfachen Mannes«, für Demokratie (siehe auch: »Gegen Trump, gegen die Demokratie selbst«). Für mich bedeutet das Wort »Demokratie« etwas anderes, als wie es im Mündlein eines Groko-Politikers oder eines Staatsfunkers klingt: »Demokratie« bedeutet für mich, dass wichtige Entscheidungen von Vertretern des Volkes im Parlament getroffen werden (das sehen Merkel und ihre Helfer scheinbar immer wieder anders), nachdem sie in der öffentlichen, (halbwegs) fairen und offenen Debatte erörtert wurden (das sehen »erfolgreiche« Journalisten sehr anders).

Warum ich »Erleichterung« spürte? Nun, Demokratie ist anstrengend, sehr anstrengend. Demokratie ist kräftezehrend und nicht selten frustrierend. Doch, wie die Karotte, die vorm Maul des Esels baumelt und ihn nach vorn treibt, so hofft der Argumentierende in der Demokratie immerzu, sich mit seinem Argument – von dem er ehrlich glaubt, dass es besser ist – doch noch durchzusetzen.

Der »Sieg des Sumpfes« und die Ausrufung des greisen, verwirrten Joe Biden wäre ein Ende der Demokratie in ihrer eigentlichen Bedeutung, sprich: der Demokratie, wie wir von ihr in der Schule gelernt haben. Der »Sieg« Bidens würde bedeuten, dass globale Mächte ihre leicht steuerbaren Pappfiguren bestimmen können, und dann die Wähler so lange via Propaganda zudröhnen, bis ausreichend von ihnen den Kandidaten der Globalisten wählen.

So drastisch es ist, sich vom alten Konzept der Demokratie zu verabschieden – es liegt auch etwas Erleichterndes darin: Es ergibt keinen Sinn mehr zu argumentieren – also können wir uns die Mühe sparen.

Ein nicht-gelogenes Bild

Ich tue mir schwer, einen möglichen Wahlsieg des greisen Joe Biden demokratisch im traditionellen Sinne zu nennen. Selbst wenn jede einzelne Stimme korrekt abgegeben wurde und keine einzelne Pro-Biden-Stimme »magischerweise« auftauchte, selbst wenn man annimmt, dass jede Stimme frei abgegeben und ausgezählt wurde, muss man fragen, ob eine Wahl wirklich vollständig »demokratisch« zu nennen ist, wenn die Bürger täglich von Konzernmedien beschallt wurden, statt ein halbwegs objektives oder auch nur nicht-gelogenes Bild der Kandidaten vorgestellt zu bekommen.

»L’État, c’est moi«, wird Louis XIV. zitiert, »der Staat, das bin ich.« – Wenn Donald J. Trump sagen würde, er »sei« Amerika, es wäre nicht ganz falsch. Trump ist nicht »nur« US-Präsident, in den Jahrzehnten zuvor galt Trump als Paradigma des »American Dream«. Bevor er gegen sie antrat, liebten Democrats ihn noch mehr als die Republikaner es jemals taten. Erst als er sich aufmachte, ein Politiker zu sein, der zuerst Mensch und dann Politiker (und sich noch dazu gut mit Israel verstand und Frieden brachte), entflammte die Wut des Sumpfes. Es geht nicht um Trump vs. Biden (bzw. Harris, die ihn wohl noch vor Januar ersetzen würde), es geht um Demokratie vs. der Sumpf, um das Volk vs. die Superreichen und ihre Laufburschen.

Globale Akteure und ihre Helfer in Politik und Redaktion bevorzugen eine Welt ohne Grenzen um Demokratien herum (denn Demokratie kann nur innerhalb von Grenzen existieren), und sie wollen Machtfragen in ihren geschlossenen Fluren klären – ein demokratisch gewählter Mann des Volkes muss »Postdemokraten« als fleischgewordener Beelzebub erscheinen.

»No more presidents«

In Washington D.C. marschierten, wie erwartet, am Wahlabend die Truppen der Antifa auf (@ElijahSchaffer, 4.11.2020). Noch bevor das Wahlergebnis feststand, liefen die vermummten Schläger sich warm und bedrohten jeden, dem sie begegneten, ob Journalist oder Polizei.

Die Antifa-Schläger riefen etwas, wovon es ein Fehler wäre, es nur als linksextreme Folklore abzutun: »Fuck Trump. Fuck Biden. No more presidents« (@ElijahSchaffer, 4.11.2020) – Ja, Harris/Biden wäre die perfekte Zwischenlösung, wenn man eigentlich die Idee des demokratisch bestimmten Stellvertreters ganz aufgeben möchte.

Aus der europäischen Nacht ist inzwischen Morgen geworden. Unsere Kinder sind wach, ganz ohne Dynamit. Seit wir ihm einen »Geigen-Dämpfer« aus Gummi geholt haben, kann der Sohn sein tägliches Geigenspiel noch vor der Schule erledigen, was er nun auch tut. Er wird immer besser, was mein Vaterherz wärmt. Die Tochter bespricht zwischendurch mit mir die App, an der sie und ich derzeit arbeiten (mehr dazu an anderer Stelle). Elli hat mir wunderbaren Kaffee und uns allen Frühstück bereitet (ich hatte die bisherige Nacht mit englischem Tee bestritten). Sobald die Kinder in der Schule sind, werde ich diesen Text mit Elli besprechen, korrigieren und Ihnen vorlegen.

Nach allen Besprechungen, Formatierungen und Korrekturen werde ich diesen Text für abgeschlossen erklären und Ihnen, liebe Leser, vorlegen. – Anders als dieser Text werden die US-Wahlen 2020 wohl nicht heute abgeschlossen sein.

In einigen Staaten, die Trump für den Wahlsieg braucht und in denen er auch vorne lag – besonders Pennsylvania, siehe etwa nytimes.com, Stand 4.11.2020 – wurde die Auszählung der Stimmen unterbrochen und soll morgen fortgesetzt werden, wird noch lange nicht fertig sein (siehe etwa abcnews.go.com, 4.11.2020). Mal heißt es, die Auszähler seien müde und müssten schlafen – wer’s glaubt. Wer bitteschön kann schlafen, wenn buchstäblich der gesamte Globus auf das Ergebnis wartet?!

Pennsylvania ist der Staat, dessen Generalstaatsanwalt Josh Shapiro, ein US-Democrat, bereits im Oktober in einer rätselhaften Ankündigung erklärt hatte, dass Trump verlieren würde, »nachdem die Stimmen addiert wurden« (»If all the votes are added up in PA, Trump is going to lose«, siehe dailymail.co.uk, 3.11.2020, Original: @JoshShapiroPA, 31.10.2020) – misstrauische Wähler sagen jetzt: »Ah, wir ahnen nun, was er meinte!«

Trump-Anhänger befürchten, dass plötzlich kistenweise rätselhafte Pro-Biden-Stimmen auftauchen. Sogar im deutschen Staatsfunk wurde im Vorfeld berichtet, dass merkwürdigerweise etwa in New York rätselhaft viele Briefwahlunterlagen kursierten (siehe tagesschau.de, 6.10.2020).

Selbst wenn man die Besonderheit etwa Pennsylvanias in Betracht zieht, dass dort Briefwahlen erst am Wahltag ausgezählt werden und also länger brauchen, wirkt es sehr fragwürdig, warum bei der wichtigsten Wahl des Planeten die Auszähler sich plötzlich schlafen legen müssen und es niemanden gibt, der an ihrer Stelle weiterzählen kann. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die sogenannten »Democrats« wenig demokratische Hemmungen kennen.

Das Biden-Lager bereitet sich darauf vor, dass die Entscheidung noch länger dauern wird (Biden siehe youtube.com). Trump hat erklärt, dass soweit er persönlich betroffen ist, sein Lager gewonnen hat (Trump via YouTube) – und dass er im Übrigen das Oberste Gericht anrufen wird. Trump fordert, dass die Abgabe von Stimmen mit dem Ende des Wahltags enden muss (wie es eigentlich selbstverständlich sein sollte), dass also die bereits abgegebenen Stimmen z.B. versiegelt werden, damit nicht plötzlich Kisten voller Biden-Wahlzettel auftauchen; diverse Aktivisten/Journalisten wie etwa die beim deutschen Staatsfunk (vergleiche tagesschau.de, 4.11.2020) verdrehen es dahingehend, dass Trump die Auszählung stoppen wolle – der Sumpf hat noch lange nicht aufgegeben (einfach selbst das Video anschauen: Trump via YouTube).

Teils sehr alte, teils recht neue

Ich versuche, mich mit beiden Möglichkeiten abzufinden. Wenn Trump sich nicht nur in den Wahllokalen, sondern auch im brutalen Kampf gegen den »Sumpf« durchsetzt, dann haben der Westen und die Demokratie nochmal vier Jahre eine Chance, zu zeigen, dass sie allen übrigen Alternativen von Gottesstaat über Merkelkratie (wo störende Wahlergebnisse schon mal für »unverzeihlich« erklärt und rückgängig gemacht werden) bis Parteidiktatur überlegen sind. Vier weitere Jahre Demokratie bedeutet aber auch: Vier weitere Jahre weltweites Streiten und anstrengendes Ringen ums bessere Argument, um die Wahrheit – und immer mehr auch um Recht und Möglichkeit, abweichende Argumente, Meinungen und schlicht die Wahrheit auch aussprechen zu dürfen.

Sollte sich aber der Sumpf durchsetzen, sollten sie erst den Zombie Biden und bald danach die Schlange Harris zum Präsidenten erklären, auch dann hätte es etwas Positives: Wenn der Sumpf gewinnt, können wir uns alles politische Argumentieren sparen – weltweit. »Losing all hope is freedom«, heißt es in Fight Club – und die Hoffnung zu verlieren, durch Argumente politisch etwas zu bewegen, könnte uns auch vom Drang befreien, es gegen alle Vernunft immer wieder zu versuchen.

Wenn der Sumpf gewinnt, würden/werden wir in eine neue Weltordnung gleiten, in der teils sehr alte, teils recht neue Faktoren die Entscheidungen treffen – und keiner dieser Faktoren wird die Meinung oder Stimme des einzelnen Wählers sein. Die Frage ist nicht, ob Sie und ich es gut finden würden/werden, wenn politische Meinung und Wählerstimmen des Einzelnen so wenig eine Rolle spielen wie etwa in China – die Frage ist, wie wir neu lernen, unser Leben in der »neuen Ordnung« zu organisieren – unsere Kreise (neu) zu ordnen.

Das Ergebnis der US-Wahl ist knapp – Trump kämpfte gegen die zynische, gewissenlose 24h-Propaganda der Konzernmedien; in einer auch nur halb fairen Wahlatmosphäre wäre Trump jetzt eindeutiger Sieger mit 80 Prozent der Wahlmänner – so aber steht noch eine Schlacht gegen den Sumpf an. – Ihr und mein Leben kann gut werden, für uns und unsere Familien, wenn es auch sehr anders werden kann, je nachdem, ob sich die Demokratie oder der Sumpf durchsetzen.

Unsere Kinder sind inzwischen in der Schule (natürlich mit Masken). Das Geigespiel des Sohnes fehlt mir plötzlich, ich mache mir Musik an.

Es kann gut werden – und ob wir weiter (sinnvoll) um politische Standpunkte streiten oder ob es sich erledigt haben wird und im Januar 2021 »das chinesische Jahrtausend« beginnt – Ihre und meine erste Aufgabe ist es, unsere relevanten Strukturen zu kennen und zu verteidigen.

Ob wir nun weltweit durch den postdemokratischen Sumpf waten werden oder uns in der Demokratie weiter den Verstand blutig streiten, ob das chinesische Jahrtausend anbricht oder ob uns noch vier weitere amerikanische Jahre vergönnt sind, auch und gerade in diesen aufwühlenden, unsicheren Tagen gilt es, darauf zu achten, was wirklich wichtig ist.

Ich sage: Beschützt und verteidigt, was euch wirklich wichtig ist und was euch nah ist, egal in was für einem System ihr euch wiederfindet. Beschützt das, was – anders als irgendwelche Systeme und Parteien – nicht ohne euch überleben wird.

»Weiterschreiben, Wegner!«

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