Dushan-Wegner

06.04.2023

Waffenverbote und Eifersucht

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Bitte keine Messer, danke.
Die Zahl der Messerattacken steigt. Der Chef des BKA fordert mehr Waffenverbotszonen. Das ist nicht konsequent genug! Es ist an der Zeit, dass Deutschland einfach ALLE Verbrechen verbietet!
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Liebe Sünder! Ich darf Sie Sünder nennen, denn Sie halten sich nicht an die Zehn Gebote. Ich wette, Sie haben schon mal an einem Samstag etwas getan, was die Überlieferer der Zehn Gebote unter »Arbeit« verstehen (etwa elektrisches Licht angemacht; siehe engl. Wikipedia) – und damit verstießen Sie gegen 2. Mose 20:8.

Oder Sie haben schon einmal ein böses Wort gegen einen Mitmenschen gesagt? Nun, in Matthäus 5:21-22 scheint Jesus das ähnlich schlimm wie Mord anzusehen!

Tja. Um den Kölner Theologen Willi Millowitsch zu zitieren: »Wir sind alle kleine Sünderlein, ’s war immer so!« (siehe YouTube)

Ein Gebot aber scheint bisweilen besonders perfide, nämlich das letzte Gebot (beziehungsweise die beiden letzten Gebote nach katholischer Zählung).

In 2. Mose 20, Vers 17 heißt es: »Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.«

Das ist doch ein unmögliches und damit sinnloses Gebot, einem Menschen anzuordnen, dass er dieses oder jenes nicht fühlen soll – oder?

»Schwere und auch tödliche Verletzungen«

Wo wir aber von unmöglichen bis sinnlosen Geboten reden: Der Präsident des Bundeskriminalamts schlägt »Waffenverbotszonen in Innenstädten und Bahnhöfen« vor (so welt.de, 4.4.2023).

Denn: »Ein Messer könne bei Angriffen schwere und auch tödliche Verletzungen herbeiführen und sei zugleich einfach verfügbar.« (ebenda)

Ich war nicht allein damit, zunächst laut zu lachen: Was nützt es, Waffen zu verbieten, wenn man es mit Leuten zu tun hat, in denen der Wille zum Töten brodelt und schnell hervorbricht, wenn sie sich auch nur provozierend angeschaut fühlen?

Tatsächlich ist es aber wohl nicht ganz so blöd: Mit einer Waffenverbotszone geht offenbar einher, dass die Polizei auch »anlasslos« kontrollieren darf. Je nach Auslegung von »anlasslos« kann das auch effektiv sein.

In Köln etwa, in der Zülpicher Straße, wo ich manche Partynacht begann und wieder ausklingen ließ, herrscht seit Dezember 2021 ein Waffenverbot (koeln.polizei.nrw). Stand Dezember 2022 hatte die Polizei knapp 8.000 Leute kontrolliert und stolze 48 Messer eingezogen (wdr.de, 21.12.2022).

Die »Ausnahmen« zum Waffenverbot in Köln sind übrigens zum Teil auf tragikomische Weise lustig: »Für die Außengastronomie ist die Benutzung von Speisemessern zulässig.« (ebenda)

Vielleicht bräuchte es tatsächlich nicht nur in Köln eine »Waffenverbotszone«. Allein im vergangenen Jahr wurden in Berlin über 3.300 Messerangriffe registriert (morgenpost.de, 17.3.2023). Tendenz natürlich rapide steigend.

Doch vielleicht sind Waffenverbotszonen tatsächlich so sinnlos wie das Verbot, neidisch oder eifersüchtig zu sein, wenn man nicht wagt, das Denken der Menschen, die es betrifft, zum Thema zu machen.

Nehmen wir an, dass die Polizei sich tatsächlich traut, jene Gruppe von Leuten zu kontrollieren, bei der nach ihrer beruflichen Erfahrung häufiger böse Messer zu finden sind. Und nehmen wir weiter an, dass die Polizei dafür in Kauf nimmt, als »Nazi« oder als »Rassist« tituliert zu werden. Was ist denn die Strafe, wenn man mit Waffe erwischt wird?

Ach, wir müssen es nicht debattieren, wir ahnen es.

Und, so nebenbei: Wenn man etwa in Köln am Südbahnhof einsteigen will, tut man gut daran, mindestens Pfefferspray dabei zu haben. Doch der direkte Weg von den Ringen zum Südbahnhof führt eben durch eine Waffenverbotszone. Lisa Müller (16 Jahre, 60 Kilo, schmächtig, allein) will am Südbahnhof vermutlich Pfefferspray dabei haben – doch streng genommen ist das Hinkommen für sie genauso verboten wie das Springmesser für den 130-Kilo-Kampfsportler und seine sechs Vereinskollegen.

Man kann nicht – und will auch nicht! – hinter jeden Bürger einen kontrollierenden Polizisten stellen. (Und wer kontrolliert den Polizisten?)

Gesetze formalisieren im Idealfall ein ohnehin in der Gesellschaft vorherrschendes moralisches Gefühl. Und soweit sie das Verhalten des Bürgers aktiv beeinflussen, sollen Gesetze verinnerlicht werden.

Wie hoch aber schätzen wir die Erfolgsaussichten dafür ein, dass die Zielgruppe der Waffenverbote diese auch verinnerlicht?

Schwuppdiwupp!

Das Gefühl, dass das 10. Gebot ein »Trick« ist, ist eher christlich. Man meint: »Der Gott will uns reinlegen! Erst werden wir mit diesem Begehren erschaffen. Dann wird uns das, womit wir geboren wurden, verboten. Und wenn wir dagegen verstoßen, kommen wir schwuppdiwupp in die Hölle!«

Das Problem ist, dass die Zehn Gebote nicht für ein solch christlich-simples Verständnis geschrieben wurden.

Das zehnte Gebot ist auf gewisse Weise eine Krönung der Gebote davor. Und es ist das schwierigste der Gebote!

Nicht zu morden, also buchstäblich nicht, im alttestamentlichen Sinne, das ist einfach. Es ist mir bislang jeden Tag meines Lebens gelungen. Viele meiner Leser haben bestimmt auch nicht gemordet. Easy-peasy.

Nicht zu morden bedeutet »nur«, seine Hände zu kontrollieren.

Nicht neidisch zu sein und auch nicht eifersüchtig, das bedeutet, seinen Geist im Griff zu haben.

Deshalb bewundern wir niemanden dafür, dass er nicht gemordet hat. Wir bewundern die Menschen, die ihren Geist im Griff haben, die ihren Gefühlen und Gedanken befehlen können, wie ein fähiger Kutscher seine Pferde dirigiert. Jesu »Verschärfung« des Du-sollst-nicht-töten-Gebotes verlangt zur Kontrolle der Hände zusätzlich die Kontrolle über die Worte. Ähnlich wie bei seiner Verschärfung des Ehebruchs vom Verbot der Tat hin zur Forderung, seine diesbezüglichen Gedanken zu beherrschen (Matthäus 5:27f).

Von Gewissensbanden

Eine Waffenverbotszone ist ein hilfloses Herumdoktern an Symptomen – und selbst dabei traut man sich weder Ehrlichkeit noch Konsequenz.

Liebe Sünder, die wirkliche Debatte ist nicht, ob Waffen verboten sein müssen oder ob ein Taschenmesser als Waffe gelten sollte. Die wahre Debatte ist, wenn wir sie denn ehrlich führen wollen, wie eine Gesellschaft funktionieren soll, wenn eine Gruppe sich selbst täglich strengere Gewissensbande auferlegt, während die andere eher rustikaler drauf ist und auch definitiv so zu bleiben beabsichtigt.

Ja, es wäre viel gewonnen, wenn wir die Debatte ehrlich führen wollten, nicht das eine sagen und das andere meinen. Wenn wir kein »falsch Zeugnis« (2. Mose 20:16) abgeben würden, nur um die Gefühligkeit der professionell Beleidigten zu schützen.

Oder wie Jesus es später in Matthäus 5:37 sagt: »Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen.«

Weiterschreiben, Wegner!

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