11.05.2022

Was wären die Zeichen gewesen?

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Foto von sasha set
Nehmen wir an, die Realität erweist sich demnächst als »fake«, als Täuschung und Illusion. Was waren die Anzeichen, an denen wir es doch hätten erkennen müssen?
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Einige unserer Ängste sind wohlbegründet (etwa die Akrophobie, also die Angst vor Höhen), andere sind eher irrational (etwa die Ornithophobie, also die Angst vor Vögeln). Bei wieder anderen Ängsten hängt die Plausibilität von den Umständen ab (etwa bei der Koitophobie, Bedeutung ähnlich wie zuvor).

Einige Ängste gelten als »rassistisch« (etwa die Aichmophobie, also die Angst vor Messern). Andere Ängste sind als hochmoralisch anerkannt (etwa die Angst vor »Rechten«, im politischen Sinn von »rechts« wie auch zum Beispiel vorm »Recht auf Meinungsfreiheit«; eine Angst vor Rechts wäre auf Griechisch übrigens eine »Dextrophobie«, und ich bin genauso überrascht wie Sie, dass es so etwas wie die Angst vor der relativen Position »rechts« wirklich gibt).

Ich selbst spüre bei mir eine ganz besondere Angst, und für die habe ich keinen griechischen Namen: Mich bedrängt gelegentlich die Angst, dass ich verwechselt haben könnte, welche meiner Ängste unbegründet sind – und welche durchaus ernst genommen werden sollten.

Es gibt Angst-Wackelkandidaten, bei denen ich mir unsicher bin, ob wir nicht alle guttäten, mehr auf diese Angstsymptome zu hören. Dazu zählt meine Variante einer »amüsierten Derealisation«, also dem Gefühl, dass die Welt um einen herum nicht ganz real ist (siehe Wikipedia).

Sehr eigenes Bild

Letztens, als mich diese Frage wieder einmal quälte, beschloss ich spontan, diese Qual an meine lieben Twitter-Follower weiterzugeben:

Nehmen wir an, es stellt sich demnächst heraus, dass die Realität komplett fake ist. Was war das verräterische Zeichen, an dem wir das früher hätten erkennen müssen? (@dushanwegner, 9.5.2022)

Der Antworten kamen mehr, als ich erwartet hatte. Einige waren ganz offensichtlich im Spaß formuliert, andere waren halb ernst – und einige könnten uns in unvorsichtigen Momenten glatt noch überzeugen.

Dass die Realität »komplett fake« sei, wird in den Antworten gedeutet als die Möglichkeit, dass dem Bürger eine zum guten Teil erfundene Realität vorgespielt wird. Einige Akteure weisen Verhaltensmuster auf, die nicht im Rahmen des sogenannten »gesunden Menschenverstandes« erklärbar sind.

Einige der »Zeichen« sind zunächst einmal ein Hinweis darauf, dass die öffentliche Kommunikation – um nicht wieder »Propaganda« zu sagen – ein sehr eigenes Bild davon hat, was und wie mit dem Bürger kommuniziert werden sollte.

@RundeEcken antwortet: »Als mir Ursula gezeigt hat wie man richtig Hände wäscht.« – Gemeint ist hier die Skandalpolitikerin Ursula von der Leyen, deren schräge Handwasch-Videos noch bei YouTube zu finden sind. (Es enthält eine reichlich zynische Symbolik: Spielte Frau von der Leyen darauf an, dass sie sich immer wieder durchs Löschen von Handy-Nachrichten »die Hände reinwäscht«?)

ErnestoSW greift weiter zurück in die Vergangenheit, und merkt die merkwürdige Wandlung der Frau M. an:

Es gibt viele. Ein besonders markantes: 2002 sieht die (spätere) Bundeskanzlerin #Massenmigration als Überforderung und Gefahr für unser Land, um diese etliche Jahre später massiv zu forcieren und Kritiker als rechtsextrem zu diffamieren. #allesfliegtauf (@notice111, 10.5.2022)

Ja, die Tatsache, dass die Worte der ach-so-demokratischen Politiker genau nichts bedeuten, lassen einen schon daran zweifeln, was »Realität« hinsichtlich der Motivation von Politikern ist.

»An Joe Biden«, merkt @Erik_Gieske an. Ich vermute, er will vermutlich sagen: Joe Biden muss vom Osterhasen eingefangen werden, weil er verwirrt Selfies macht, über Afghanistan und Geheimnisse ausplaudern könnte – dass so einer der mächtigste Mann der Welt ist, das soll die Realität sein?

Ja, immer wieder genügt es, einfach nur den Namen dieses oder jenes Politikers zu nennen – etwa Nancy Faesar, die aktuelle Spitze des Innenministeriums und ein weiterer Totalausfall in Scholzens Gruselkabinett.

Die Antworten präsentieren viele weitere Hinweise auf die Möglichkeit, dass unsere sogenannte Realität womöglich gar keine ist. Man schaue es sich selbst an, und dann frage man sich: Kann das alles »die Realität« sein?!

Darf das die Realität sein?

Alles wirklich

Ach, die Meldungen reißen ja nicht ab, bei denen ich mich frage: Kann das wirklich Realität sein?

Okay, nehmen wir nur ein Beispiel, eine Meldung mit einem Herrn, der mit einigem Erfolg der Welt seine Version der »Realität« aufpresste. –  Bill Gates gibt mal eben lapidar zu, dass sie nicht wussten, wie niedrig die Sterberate von Covid-19 ist (via Twitter). Aha.

Nein, seine Freunde in den Pharmafirmen werden nicht die Milliarden zurückgeben. Kann das alles wirklich die Realität sein?

Gates hat(te) übrigens selbst Covid-19 (npr.org, 10.5.2022), und ja, er hat »den Satz« gesagt: Er sei zum Glück total geimpft, deshalb seien die Symptome nicht so schlimm.

Apropos: In meiner Bekanntschaft gab es schon einige Covid-19-Fälle. Bislang alle Fälle relativ harmlos, geimpft wie ungeimpft. Jetzt aber hat es den ersten so richtig erwischt. Der Mensch liegt aktuell auf der Intensivstation. Natürlich ist er geimpft und geboostert. Wir alle haben uns schon in erschreckendem Maß daran gewöhnt, dass diese angebliche Realität nicht so wirklich real ist. Es wird heute niemanden wundern, wenn ich zusätzlich notiere, dass genau diesem Menschen bislang unser alle Impf- und Booster-Status besonders am Herzen lag (um es freundlich zu formulieren). Mir ist nicht bekannt, ob er schon »den Satz« sagte.

Die Realität fühlt sich surreal an. Die von Politik und Propaganda formulierte Realität ist zur Simulation mutiert – und die Risse und Fehler werden täglich irritierender.

Nothing to fear?

Die Angst aber, vor der wir uns am meisten fürchten sollten, sollte doch die Pantophobia sein – die Angst vor allem.

Wir hätten nichts zu fürchten, als die Furcht selbst, so sagte Roosevelt einst (»nothing to fear but fear itself«). Nein, so radikal stimmt das natürlich nicht. Es gibt genug echte Gründe, heute extra vorsichtig zu sein.

Doch wirklich alles zu fürchten, das wäre, frei nach Kafka, wie Selbstmord aus Angst vor dem Tode.

Wir leben in einer Zeit, in der manches ganz offensichtlich nicht dem traditionellen Begriff von Realität entspricht.

Ich wünsche uns also aufmerksame Vorsicht, wo tatsächlich etwas Angst angebracht ist – und Unbesorgtheit, wo Angst uns mehr lähmt als schützt.

Ich wünsche uns Klugheit, Mut und Kraft.

Klugheit, um zu erkennen, was real ist und was nicht.

Mut, die Dinge, die nicht wirklich real sind, loszulassen.

Und die Kraft, die wirklich relevanten Strukturen, die reale Realität um uns her, jeden Tag ein klein wenig zum Besseren zu ändern.

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