Dushan-Wegner

27.12.2023

Wie viel Häme »darf« es sein?

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten
Diese Zeiten stellen uns vor echte moralische Dilemmata! Etwa: Darf man hämisch sein, wenn ein »Guter« zum Opfer eben der Sache wird, gegen deren bloße Erwähnung er agitierte?
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Mögest du in interessanten Zeiten leben, so lautet ein Fluch, der so weise klingt, dass man ihn den alten Chinesen zuschreibt.

Es ist ein Fluch, denn »interessante Zeiten« beutet: komplizierte Zeiten. Gefährliche Zeiten.

Und: Zeiten, die uns vor moralische Dilemmata stellen.

Einige Dilemmata sind relativ alt, etwa ob man bleiben soll oder auswandern, ob man Kinder in die Welt bringen soll oder eben nicht.

(Nebenbei, ein alter Scherz, nicht von mir: »Meine Frau und ich haben uns gegen Kinder entschieden, und morgen sagen wir das denen.«)

Einige Dilemmata sind neu und wirklich unerwartet: Soll man in Deutschland arbeiten gehen oder einfach Bürgergeld kassieren und seinen Hobbys nachgehen?

(Nebenbei: Dieses »Hobby« ist heute nicht selten ein Computerspiel, wo der Spieler virtuell arbeitet, etwa eine Farm betreibt oder nächtelang virtuell LKW fährt.)

Und dann gibt es Dilemmata, da fühlen wir förmlich, wie zwei Instanzen in uns um die innere Vorherrschaft ringen.

Auf aggressiv dumme Weise

Ich hörte letztens vom Fall einer Migrations-Aktivistin, die gegen jede Beschränkung von Einwanderung agitierte, die gegen »Rechte« hetzte und für die jeder junge Mann ein Heiliger war – außer er hatte weiße Hautfarbe.

Sie können sich den Rest denken, die bittere »Pointe«.

Die moralische Frage aber lautet, ganz generell: Ist Häme erlaubt, wenn ein Unglück den Menschen trifft, der aggressiv und auf aggressiv dumme Weise die Möglichkeit dieses Unglücks geleugnet hat?

In der Corona-Panik mussten wir erschüttert erleben, wie Impffaschisten öffentlich dazu aufriefen, Ungeimpfte im Fall einer Infektion sterben zu lassen. Für die solle man keine Ressourcen verschwenden.

Sogar heute, wo sich praktisch jede bekanntere Verschwörungstheorie als richtig erwies, will man stellenweise Ungeimpfte dafür strafen, dass sie abzuweichen wagten.

Wenn ein Ungeimpfter sich auch nur einen Schnupfen einfing, schütteten die »Guten« über ihn öffentlich Hass und Häme aus, wünschten ihm einen qualvollen Tod … vielleicht durchs Beatmetwerden?

Doch wie verhält es sich andersherum?

Weniger einfač

Ich kenne mehrere Durchgeboosterte, die alle paar Monate, oder vielleicht nur Wochen, mit Corona darniederliegen. Mindestens einer davon macht sich lustig über sich selbst und ist doch mit der Gesamtsituation unzufrieden.

(Nebenbei: Ich vermisse Bully und außerdem meine persönlichen intellektuellen Vorbilder Pavel Pipovič und Bronco Kulička. Nächsten Sommer gehe ič in die Tschechische Stuntschule – und ihr ahnt gar nicht, wie tschechič die ist. Aber zurück zum Thema, lassen Sie mič hier die modernen moralischen Fragen anschaulič machen.)

Wenn aber die Geboosterten nicht nur regelmäßig an Corona erkranken, sondern plötzlich und unerwartet an Herzversagen sterben, dann ist es mit der Häme weniger einfač, pardon: einfach.

Und nicht jeder Fall ist gleich. Wenn ein aggressiver Offene-Grenzen-Aktivist zum Opfer offener Grenzen wird, ist der Fall sehr anders gelagert, als wenn es das unschuldige Kind wird.

(Nebenbei: Ich kenne nicht einen, sondern mehrere Fälle, wo ein Kind zum Opfer von Toleranz und offenen Grenzen wird, und die Eltern sind derart fanatisiert, dass sie das nur noch aggressiver schönreden mit linken Lebenslügen. Komplett gehirngewaschen, gruselig. Nebenbei zum nebenbei: Wie sehr ihr auch den Staatsfunk verachtet, ihr verachtet ihn nicht genug.)

Ich spüre Wut

Meine moralische Frage ist ja gar nicht so sehr, was man öffentlich dazu sagt. Man deutet an, wie ein abstrakter Künstler malt man einen Rahmen und der Hörer pinselt sich das Bild selbst. Eleganz ist ein eigener Wert.

Meine moralische Frage ist, wie ich damit umgehe, dass ich förmlich in mir selbst spüre, wie Häme und Erschütterung miteinander ringen.

Wenn es den aggressiven, lebensverlogenen Aktivisten trifft, spüre ich womöglich etwas Häme – und gestehe sie mir auch ein.

Wenn es aber den Vater oder die Mutter trifft, die einfach nur taten, was sie meinten, dass getan werden muss, damit sie ihr Leben als Vater oder Mutter weiterleben können, dann ist da weniger Häme als vielmehr Traurigkeit.

Und spätestens wenn Kinder zum Opfer des elterlichen Fanatismus oder derer schlichten Müdigkeit werden, spüre ich null Häme. Ich spüre Wut. Etwas Wut auf die Eltern. Mehr Wut auf das System, mit seinen verfluchten Journalisten, mit den kalten, leeren Politikdarstellern, mit deren »Freunden in besseren Kreisen«.

Die nackten Kaiserlein taten klug daran, Gesetze dagegen zu erlassen, ihre erbärmliche Nacktheit in angemessene, deutliche Worte zu fassen.

Auf makabre Weise

»Mögest du in interessanten Zeiten leben« – das mag ein Fluch sein, doch interessante Zeiten sind eben auch das: interessant!

Nein, dankbar will und werde ich nicht sein, diesen Gestalten, die diese Zeiten so werden lassen.

Ich will aber jede Zeit, auch diese Zeit, dazu nutzen, dem Auftrag der antiken Griechen zu folgen: Erkenne dich selbst.

Und vor dir selbst, privat, darfst du auch zugeben, dass Geschehnisse bisweilen auf makabre Weise lustig sind.

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