Dushan-Wegner

19.09.2023

Wozu das alles?

von Dushan Wegner, Lesezeit 7 Minuten, Bild: »Was für ein Ausblick!«
Innenministerin will Wahlrecht für die »jungen Männer« – Zehntausende davon warten in Lampedusa auf die Weiterreise nach All-inclusive-Germany. Wie kann man das anders erklären, als dass Deutschland aktiv kaputtgemacht wird?
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Du verstehst diesen Satz, der mit den Worten »Du verstehst diesen Satz« beginnt, weil wir dieselbe Sprache sprechen und unsere Worte dieselben Eigenschaften der Welt herausgreifen.

Alles, was Menschen sagen, hat einen Kontext. Jeder Gedanke ist in Prämissen und Verständnisvoraussetzungen eingebettet.

I could also start a sentence in English, doch das Wort »I« ist derart typisch fürs Englische, dass du die Sprache sofort als solche erkannt hättest. Und das Wort »doch« ist derart typisch deutsch, dass du dann wieder gemerkt hast, dass die Sprache nach dem Komma wechselte.

»Das Bier ist alle«

Der Sinn des Wortes »Sprache«, den wir hier anwenden, ist übrigens die Bedeutung 4 a) im Duden: »(historisch entstandenes und sich entwickelndes) System von Zeichen und Regeln, das einer Sprachgemeinschaft als Verständigungsmittel dient; Sprachsystem«.

Doch Sprache in diesem Sinn ist wahrlich nicht der einzige notwendige Deutungsschlüssel für eine Äußerung – es braucht immer Kontext und unausgesprochene Notizen.

Da wären etwa die Homonyme, die sind eher trivial. Der Satz »Ich gehe zur Bank« bedeutet am Sonntag im Park etwas anderes als Montag früh im Geschäftsviertel der Stadt.

Komplizierter und doch intuitiv eingängig sind die Deutung und Ableitung notwendiger Handlungen bei Sätzen, deren Begriffe tatsächlich dieselbe Kategorie von Dingen meinen, für welche aber erst die Umstände des Sprechakts bestimmen, welche Rolle sie in diesem Fall spielen.

Da wäre einmal der Klassiker: »Das Bier ist alle.«

Die Dramatik dieses Satzes unterscheidet sich erheblich, ob er zu Beginn oder gegen Ende eines Fußballspiels ausgesprochen wird. Und stellen Sie sich vor, Sie hören den Satz »Das Bier ist alle« auf der gemeinsamen Krisen-Pressekonferenz der Regierung, der Kirchen und der Vertreter der deutschen Brauwirtschaft!

Nicht dasselbe

Menschliche Kommunikation geht immer von Prämissen aus, also Annahmen und Wissen um den Kontext, innerhalb dessen ein Satz erst seine volle Bedeutung erhält.

Eine der wirkmächtigsten Prämissen schwingt bei vielen unserer politischen und auch persönlichen Aussagen mit, ohne dass wir uns dessen bewusst werden: die angenommene Absicht der relevanten Akteure.

Die Frage »Bist du auf den Kopf gefallen?« klingt sehr anders, je nachdem, ob das gefragte Kind heulend vom Spielplatz kommt oder gerade eine Mathe-Aufgabe zu lösen versucht.

Der Satz »Das ist sehr interessant« bedeutet etwas anderes, wenn Ihr Kind das über eine vorgelesene Geschichte sagt oder Ihr Arzt über Ihre Leberwerte. Und es müssen nicht einmal Worte enthalten sein! Wenn der Chirurg Ihnen den Bauch aufschneidet, hat er bei vergleichbarer Handlung völlig andere Absichten als der »junge Mann«, der das Gleiche tut. – Die richtige Deutung hängt von den passenden Prämissen und dem tatsächlichen Kontext ab.

Welche Prämissen setzen wir ganz grundlegend an, wenn wir die Nachrichten lesen und deuten? Welche Absicht nehmen wir bei den Handelnden an, bei den Betroffenen und den Hörern?

Und, super wichtig, aber oft übersehen: Jede Nachricht, die wir hören, hat Einfluss auf unsere Pläne, die wir mit jeder neuen Erkenntnis prüfen und anpassen (sollten) – was aber war unsere Absicht to start with? (Da habe ich glatt wieder im Satz die Sprache gewechselt! Doch »to start with« ist in dieser Präzision unübersetzbar.)

Zunächst den Staat

Wenn Ihnen alle Nachrichten heute wie irre oder offen unsinnig vorkommen, könnte das daran liegen, dass Ihre Deutung auf falschen Prämissen beruht – und Sie deshalb falsche Absichten ableiten.

Die alte Grundprämisse besagt ja, dass Politik und Behörden den Staat erhalten und die Bürger schützen wollen – und dass keine Autorität über der vom Bürger legitimierten Politik erlaubt ist.

Mit dieser »alten Prämisse« aber rutschen wir schnell in das Problem, dass die Hälfte der Nachrichten keinen Sinn ergibt!

Probieren wir also das Gegenteil der alten Prämisse als neue und thesenhafte Prämisse: »Politik und Behörden wollen nicht zunächst den Staat erhalten und die Bürger schützen«, so die neue, alternative These, »sondern werden für höhere Ziele eingesetzt, und für deren Erreichen nehmen sie das Leid der Bürger und irreparable Schäden an Land und Gesellschaft in Kauf.«

»Tatsächlich existieren über der offiziellen Politik«, so ginge die neue Prämisse weiter, »höhere Kräfte, welche die westliche Zivilisation schwächen und aushöhlen.«

Zur geistigen Stärkung: Wer dir sagen will, dass deine Prämissen böse sind, der soll zumindest bessere anbieten. Die Drohung, dass für die erfolgreiche Anwendung bestimmter Prämissen die Polizei einem die Haustür eintritt und die Behörden dem Selbstdenker die Existenz zerstören, ist kein Argument gegen die mögliche Wahrheit dieser Prämissen – im Gegenteil.

Wenn die Prämisse grundsätzlich falsch wäre, wonach über unseren Politikern höhere, böse Mächte herrschen, bliebe nur noch die Erklärung, dass die einflussreichen Politiker allesamt Bösewichte oder Vollidioten sind, und davon sollten wir zunächst noch nicht ausgehen (bis auf einige Ausnahmen).

Probieren Sie beide

Die Polizei in Schleswig-Holstein will die Verbreitung von Bildern der brutalen Realität in deutschen Innenstädten verbieten (focus.de, 19.9.2023). Sie müsste aber doch ein Interesse daran haben, dass Bürger erfahren, was passiert! So können Bürger sich schützen, so können sie Druck auf die Politik ausüben, damit etwas besser wird – warum will also die Polizei die Wahrheit verbieten? Nun, probieren Sie beide Thesen aus.

Die Skandalpolitikerin Nancy Faeser, die selbst mancher sprichwörtlichen Bananenrepublik als Innenministerin zu peinlich wäre, möchte jetzt den illegal nach Deutschland eingedrungenen »jungen Männern« nach einem halben Jahr Aufenthalt das kommunale Wahlrecht schenken (bild.de, 19.9.2023). (Wer wohl beim Ausfüllen der Wahlzettel im Asylheim hilft?) Ach, probieren Sie einfach beide Prämissen aus und sagen Sie ehrlich, mit welcher das einen Sinn ergibt.

Wenn in Italiens Lampedusa Zigtausende dieser jungen Männer anlanden (n-tv.de, 17.9.2023) – teils seit Jahren mit Hilfe der bekannten globalen Akteure und explizit mit dem Ziel der Weiterreise nach All-inclusive-Deutschland –, dann sagen Sie mir, welche der beiden Prämissen einen Sinn ergibt: dass die Politik es im Prinzip gut mit uns meint – oder dass höhere Mächte unsere Gesellschaft von innen her zerstören?

Sie und ich ahnen, dass nicht nur die drei erwähnten Nachrichten unter der zweiten Prämisse mehr Sinn ergeben.

Affen oder Spatzen

Wir verfolgen die Nachrichten, weil es uns von der Evolution einprogrammiert wurde, zu verfolgen, was sich um uns her verändert. Wir wollen Gefahren abwehren. Wir wollen uns und unseren Nachwuchs schützen – darin unterscheiden wir uns nicht von Affen oder Ameisen.

Doch so wie sich Füchse oder Vögel von gewieften Jägern durch inszenierten Lärm in tödliche Fallen jagen lassen, so könnten auch uns falsche Prämissen dazu verleiten, eine falsche und damit potenziell tödliche Konsequenz zu ziehen.

Über Jahrzehnte gingen wir davon aus, dass wenn die Nachrichten von einem Missstand berichten, dieser behoben werden würde, wenn wir nur dagegen protestierten.

Wenn ein Politiker früher groben Unfug anrichtete, dann schimpfte man über ihn und er trat zurück, aus Anstand und Respekt vor der Demokratie.

Und heute? Heute haben wir Scholz, Steinmeier, Faeser und wie die Lupenreinen alle heißen. Haben Sie den Eindruck, dass Protest und die Anrufung des Rechtsstaats diese Leute auch nur im Geringsten kümmern?

Wir sind damit beschäftigt, hilf- und sinnlos die Faust gen Berlin zu schütteln – und derweil geht unser Land verloren.

Wenn deine Prämissen und die Realität kombiniert keinen Sinn zu ergeben scheinen und du dir deiner Logik einigermaßen sicher bist, dann prüfe dringend deine Prämissen, sonst wirst du auch in bester Absicht keine sinnvolle Handlung ableiten können.

Und ich hoffe

Wenn du das Haus verlässt und dein Mitbewohner sagt, dass »kein Bier mehr da« ist, dann weißt du, was zu tun ist: Bier kaufen und mitbringen. Das ergibt sich aus der Bedeutung der Worte, dem Kontext und den aus der Erfahrung gespeisten Annahmen über die Absichten des jeweils anderen.

Du weißt, was die Sätze und Worte der Propaganda wirklich bedeuten – selten das, was sie vor zwanzig Jahren bedeuteten. Du brauchst neue, stimmige Prämissen. Und dann musst du aus der neuen Bedeutung und den funktionierenden Prämissen ableiten, was du tun wirst. Und Bier zu kaufen wird nicht genügen (außer du kaufst sehr viel davon – und auch das »hilft« nur vorübergehend).

Der Mensch fragt sich heute: »Was soll ich tun?«

Ich antworte ihm, und ich hoffe, dass er auch diesen Satz versteht: Sage mir die Prämissen, unter denen die Nachrichten heute für dich einen Sinn ergeben, und dann wird dir plötzlich selbst viel klarer sein, was du tun kannst – und tun sollst.

Weiterschreiben, Wegner!

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