13.06.2021

Der Mut, den Fingerzeigen zu folgen

von Dushan Wegner, Lesezeit 7 Minuten, Foto von Scott Evans
Politiker spielen Coronatheater fürs Foto – und dann legen sie die Masken ab, umarmen einander und schäkern. Es ist ein Machtbeweis. Wir sollen spüren, dass für sie, die Mächtigen, andere Regeln gelten. Was sagen sie uns NOCH alles »zwischen den Zeilen«?
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»We’ll check the hot sheets«, sagt Agent K. – Ein »hot sheet« ist eine Liste mit Stichpunkten von hohem Interesse; ins Denglische übertragen sagt er damit etwa: »Wir prüfen die ›hot sheets‹.«

Die beiden Agenten in schwarzen Anzügen stehen an einem Zeitungskiosk. Der erfahrene Agent K. (gespielt von Tommy Lee Jones) greift eine Auswahl abgedrehter Boulevard-Zeitungen, von der Art, wie es sie nur in den USA gibt.

»Das sind die ›hot sheets‹?«, fragt der junge Agent J (gespielt von Will Smith) zurück, süffisant lachend.

»Beste investigative Berichterstattung auf dem Planeten«, versichert Agent K, »lies die ›New York Times‹, wenn du willst. Die haben manchmal einen glücklichen Treffer.«

Agent J: »Ich kann nicht glauben, dass du [englisch: »you«] in ›Supermarkt-Tabloids« [Zeitungen die an der Kasse verkauft wurden] nach Tipps suchst.«

Agent K sagt: »Nicht ›suchst‹. – Findest.«, dann legt er eine dieser Zeitungen auf die Motorhaube des Autos. Die Kamera nimmt das Titelblatt in Nahaufnahme. Wir sehen eine bearbeitete Version des Gemäldes »American Gothic« (siehe Wikipedia). Die Schlagzeilen lauten: »Erschrockene Farm-Ehefrau sagt: ›Außerirdischer stahl die Haut meines Mannes‹«

Filmkenner haben die Szene längst erkannt. Es ist die Zeitungsszene aus dem Film Men in Black von 1997. Sie finden diese Szene auf YouTube, in Englisch.

Zwischen den Zeilen

Was gegen Ende des letzten Jahrhunderts ein Scherz in einem äußerst unterhaltsamen Kino-Blockbuster war, das beschreibt als Metapher recht präzise unsere Zeit. Die brisanten Wahrheiten finden sich im gärenden, immerzu überkochenden Info-Topf der kleinen, wilden Publikationen. Eine Auswahl der »zivilisierten« unter diesen findet sich auf /freie-denker/ – es gibt weitere.

Wer weiß, der weiß. Und wer weiß, der tut gut daran, nicht alles in Worte zu fassen, was er weiß.

Wer heute alles sagt, was er sagen könnte, der hat entweder heute oder morgen nichts mehr zu sagen. – Ich will damit sagen: Wer heute alles, was er denkt, öffentlich sagen kann und darf, ohne zensiert oder bestraft zu werden, dem können wir ein goldig simples Weltbild attestieren. Oder aber er sagt Dinge, die er nicht sagen darf, und zwar genau einmal (hörbar). Du darfst alles sagen, aber manche Dinge eben nur einmal. Wenn du auch morgen noch gehört werden willst, sprich heute so, dass sie dich nicht sogleich und für immer zum Schweigen bringen.

Ja, dies sind wieder Zeiten, in denen die Wahrheit zwischen den Zeilen steht – und Autoren sie zwischen die Zeilen schreiben. Psychologen hören, so höre ich, auf das Verschwiegene genauso genau wie auf das Gesagte. Es empfiehlt sich heute, dass ein jeder zum »Psychologen der Zeit« werde.

Zwischen den Bildern

In Cornwall treffen sich aktuell einige »Eliten« zum »G7-Gipfel«. Was die dort sagen oder nicht sagen – wer hat noch Lust, es zu verfolgen? Die Zukunft wird in Laboren und Serverfarmen entwickelt. Die wirklich handfesten Aussagen aus Cornwall wurden eher in den Videos und Fotos transportiert.

Wir sehen einen einsamen, verwirrten Joe Biden hinter den richtigen Politikern – und der Queen – hinterher schlurfen (@RaheemKassam, 12.6.2021). Wir lesen zwischen den Bildern (und wir sind nicht überrascht von dem, was wir lesen).

Wir sehen Regierungschefs, die fürs Foto etwas »Coronatheater« (Essay 23.8.2020) spielen. Fake-vorsichtig führt man den Ellenbogenstoß und hält Abstand (siehe etwa spiegel.de, 12.6.2021). Nach dem offiziellen Foto aber kommt man sich schnell nah. Man weiß, dass weiterhin viele Kameras knipsen. Kurz nachdem man in Deutschland eine auf Lügen und autoritärer Lust »Epidemische ›Lüge‹ von nationaler Tragweite« beschloss, kuscheln die sogenannten »Eliten« ohne Masken miteinander. Es ist ein Machtbeweis. Es wird, unter anderem, vom deutschen Staatsfunk verbreitet (tagesschau.de, 12.6.2021).

Man lässt das Volk spüren, dass die Regeln, die dem Pöbel von der Polizei eingeprügelt werden, für »die da oben« naturgemäß nicht gelten. Man spielt nicht nur Coronatheater – man betont, dass man Coronatheater spielt. Es ist, als wollte man das Fundament legen, um später sagen zu können: »Warum habt ihr denn nicht zwischen den Zeilen gelesen? Wir haben es doch deutlich genug dahin geschrieben!«

Am Rande, eine weitere Notiz, andere Zeilen aus anderen Zeiten: 1976 wurde die Panik um die »Schweinegrippe« geschürt. In den USA wurde eine nationale Impfkampagne angefahren. 12 gesunde Geimpfte starben, alle 12 an Herzinfarkt, so TV-Berichte von damals. Die Impfungen wurden schnell abgebrochen. Der Grund für den Abbruch könnte recht simpel zu erklären sein: Damals konnten die Impfhersteller für die Folgen der Impfung haftbar gemacht werden. Heute könnten jeden Tag hundert Leute plötzlich an Herzinfarkt oder Thrombosen im Körper umkippen, die aufgedreht (und maskenlos) feiernden Eliten und die Milliardäre in den Pharmafirmen würden schlicht die Berichterstattung dazu tabuisieren. Noch (Stand 13.6.2021) findet man dazu ein Archiv-Video auf YouTube.

Die dunklen Ecken

Was man bei YouTube – zumindest nach dem offenbaren Willen der Zensoren dieses Unternehmens – nicht mehr finden soll, sind Berichte und Thesen zu Methoden, Covid-19 zu heilen. Sogar Biologen und Ärzte, die möglicherweise erfolgreich Medikamente diskutieren, werden auf Sozialen Medien »gecancelt«, wenn ihre Aussagen nicht der offiziellen Wahrheit der YouTube-Zensoren entsprechen. YouTube, Twitter und Facebook sind schon lange nicht mehr offene Plattformen, sondern politisch handelnde Medienfirmen mit scharf umrissenen Botschaften. Wohl dem, der zwischen den Zeilen lesen kann – und andere Medien kennt.

Die dunklen Ecken des Internets, gewisse Skandalblogs und auf Radau ausgelegte Videochannels, sie sind zum Teil zuerst Lärmschleudern. Einiges, das man im Internet findet, ist himmelschreiender Blödsinn – einiges im Abendprogramm des Staatsfunks ebenso. (Man stellt aber erstaunt fest, dass es vorgeblich »seriöse« Medien sind, die so lustlos wie stur recht lächerliche Ufo-Geschichten populär zu machen versuchen.)

So viele Fingerzeige

Im Film »Die fabelhafte Welt der Amelie«, einem wunderbaren Meisterwerk aus einem märchenhaften Paris, wird der suchende Nino Quincampoix von einem Kind belehrt, dass wenn ein Finger auf den Mond zeigt, nur der Trottel den Finger studiert (die Szene auf Französisch, via YouTube). Es ist eine Weisheit aus dem Buddhismus. Ich fühle mich heute wie dieser kleine Junge.

Die Lehre des Buddha soll wie der Finger sein, der auf den Mond zeigt, sie ist nicht der Mond selbst. (Thematisch verwandt: Luther, der die Worte der Bibel selbst gegen den Papst in Anschlag brachte, wurde vorgeworfen, sich einen »papiernen Papst« zu schaffen. Ach, hätten wir doch heute mehr Christen, denen sich in Angelegenheiten des Glaubens mehr als Beliebigkeit und Heuchelei vorwerfen ließe!)

Im Film »Bruce Almighty« zieht der mit »göttlichen« Fähigkeiten ausgestattete Bruce den Mond näher an die Erde heran, um den Nachthimmel romantischer zu machen (auch diese Szene ist bei YouTube.). Die unbeabsichtigte Folge sind Sturmfluten, von denen er erst am nächsten Tag erfährt. Es kann gefährlich sein, unbedacht den Mond quasi auf dem Tablet(t) liefern zu wollen (oder auf dem Smartphone, oder auf dem Desktop).

Es ist klüger, nur mit dem Finger auf den Mond zu zeigen. Und doch gilt: Du zeigst gern mit dem Finger auf die Lügen der Mächtigen? Die werden nicht aufhören zu lügen – die werden dir den Finger abhacken!

Alle zeigenden Finger aber nutzen wenig, wenn die Bürger sich nicht einmal trauen, mit ihrem Blick dem Fingerzeig zu folgen! Wir haben es mit Bürgern zu tun, die könnten mit eigenen Augen sehen, wie ihre Mitmenschen auf der Straße kollabieren (oder ermordet werden), und sie würden doch keine kritischen Fragen zu den Ursachen stellen, wenn die Medien solche Fragen nicht gestatten.

Man möge mir auch nur einen einzigen neuen Skandal zeigen, zu dem es nicht vorab Dutzende Fingerzeige gegeben hätte. Ich sehe heute keinen Mangel an Fingerzeigen. Wer Fingerzeige zu erkennen bereit ist, der wird mehr finden als ihm lieb ist! Ich sehe lähmenden Unwillen, tief Luft zu holen und dann dahin zu schauen, wohin der Finger zeigt!

Wir haben es mit Lügnern und Lügen zu tun. Mancher ermüdet beinahe, und ich kann das verstehen. (Ein moderner Zungenbrecher, um den Geist frisch zu halten: »Linke Lügner lügen lauthals lauter linke Lügen.« – Wie oft können Sie das schnell sagen ohne sich zu verhaspeln?)

Westerwelle, einer der letzten Großen der deutschen Politik, zitierte einst auf English: »The published opinion ist not always the public opinion« (faz.net, 15.3.2010), zu Deutsch: »Die veröffentlichte Meinung ist nicht immer die öffentliche Meinung!«

Wir können heute ähnlich formulieren: Die veröffentlichte Wahrheit ist nicht immer die tatsächliche Wahrheit!

Es gibt Fingerzeige genug! Einige finden sich bei den freien Denkern, einige finden sich nochmal woanders. Ich will heute der kleine Junge sein, der sich und seinen Mitmenschen den Mut zuspricht, den Fingerzeigen zu folgen.

Der Fingerzeige sind wahrlich genug, liebe Freunde. Lasst uns einander Mut zusprechen, täglich neu dahin zu schauen, wohin die Finger zeigen!

»Weiterschreiben, Wegner!«

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