Dushan-Wegner

20.07.2023

Ausreiseverbot für Hänsel und Gretel

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Bild: »Was tust du allein im Wald, mein Freund?«
Deutschland marschiert immer weiter in Richtung Open-Air-Gefängnis. Nächster Schritt: Ausreiseverbote. – Immer wieder schockierend, wie skandallos das alles vor sich geht.
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Warum haben Hänsel und Gretel die Spur aus Brotkrümeln hinterlassen? Für wen? Sahen sie denn die Vögel nicht, die ihnen folgten und die Krümel aufpickten?

Früher haben Eltern den Kindern noch abends Märchen vorgelesen, und wir wissen, dass in den Märchen wichtige psychologische Botschaften codiert sind.

Die Geschichten wurden über Generationen tradiert und weitererzählt, bis sie schließlich schriftlich fixiert wurden, etwa durch die Gebrüder Grimm. Wir können also davon ausgehen, dass jedes Detail, das es über die Zeiten geschafft hat, auch eine Bedeutung und Funktion hat.

Umso bemerkenswerter ist es also, wenn ein Detail in einem Märchen erzählerisch wenig Sinn zu ergeben scheint!

Die Brotkrumen, die Hänsel ausstreut, werden von den Vögeln weggepickt, und daraufhin verirren sich die beiden. Punkt. Die Krümel führen nirgends hin, werden nicht wieder aufgegriffen. Warum lässt der Erzähler die beiden Helden sich nicht einfach so verirren? Warum extra die Brotkrumen? Ein guter Lektor müsste so ein Detail, das buchstäblich nirgendwo hinführt, als überflüssig aus dem Text streichen.

Außer natürlich, es erfüllt doch eine wichtige Funktion, auf symbolischer Ebene! Was bedeuten die Krümel?

Ich will Ihnen sogleich eine mögliche Deutung vorlegen. Doch zunächst darf ich, zur Erklärung von Inspiration und Motivation dieser Deutung, eine aktuelle Nachricht zitieren!

Kein Pass für dich!

Im Essay »Was wird deine Gefängniswährung sein?« beschrieb ich, wie die EU und Deutschland schrittweise zum »digitalen Gefängnis« werden. EU-Kommission und Bundesregierung betreiben es längst nicht mehr versteckt. Jener Essay ist nun auch schon wieder 3 Wochen alt, hier also ein Update!

Bei vielen Freien Denkern liest man dieser Tage von einem Vorhaben von SPD, Grünen und »Liberalen«, es den Behörden einfacher zu machen, missliebigen Personen die Ausreise (!) via Passentzug unmöglich zu machen (bundestag.de, 7.6.2023 (PDF)).

Das war auch bislang möglich, doch Gerichte pflegten die Verbote einzukassieren, und es wurde eher im Kontext von Terror-Touristen versucht. Gleich im ersten Satz aber scheint die vermutlich wahre Absicht der Regierung durch. Es fällt die politische Kampfvokabel »rechtsextremistisch«, was heute ein Code für »Abweichler« und »Andersdenkende« ist.

Mit anderen Worten: Während junge Männer aus rustikaleren Kulturkreisen unbegrenzt und ungeprüft nach Deutschland einreisen dürfen, gibt die Regierung den Behörden das juristische Werkzeug, Abweichler und Andersdenkende im Land eingesperrt zu halten. Wer hätte gedacht, dass Jahrzehnte nach dem angeblichen Fall des europäischen Kommunismus die Bürger sich wieder Gedanken über Ausreiseverbote machen müssen!

Ein Beispiel-Szenario: Bill Gates verkündet die nächste Pandemie, Ursula von der Leyen hat bei ihrem Pfizer-Freund neue Genplörre bestellt, die Regierung führt nun doch die totale Impfpflicht ein, und du willst dich und deine Familie im Ausland in Sicherheit bringen? Nix da! Grenzen zu und mRNA in den Arm! Keine Freiheit ohne Impfung, und nur Rechtsextreme würden sich der Freiheit entziehen wollen.

Genau diese Frage!

Sicher, ich kann meine Stimme erheben, so wie es andere Bürger auch tun, doch wird es wirklich etwas bewirken? Wie aussichtsreich ist der Protest gegen eine Maßnahme, deren Zweck es ist, Protest zum Verstummen zu bringen?

Genau diese Frage war es, die mich an Hänsel und Gretel und die Brotkrumen erinnerte!

Die Krumen, die Hänsel streut, stammen von der einen Brotscheibe, die sie als Wegkost dabeihatten.

Brot ist nicht erst seit biblischen Zeiten ein Symbol für das Leben selbst. (Nahrung spielt in Hänsel und Gretel ohnehin eine zentrale Rolle, sei es die Verführung durch ein Hexenhaus, das aus süßer Nahrung besteht, oder die Bestimmung der Geschwister als Nahrung für die Hexe.)

Wenn Hänsel und Gretel ihr Brot hinter sich lassen, so meine Deutung, lassen sie ihr Leben selbst zurück – allerdings in der Hoffnung, später zu ebendiesem zurückkehren zu können!

Doch die Vögel, symbolische Helfer des Schicksals und der Zeit, picken auf, was wir zurückließen.

Wie Sie wollen

Ich notiere heute unseren Weg in die Gefangenschaft, und in diesem Essay lasse ich »Brotkrumen« zurück. Doch gestehen wir es uns ein: Wir werden nicht zu den Brotkrumen zurückkehren, nicht zur Unschuld von gestern, so wenig wie wir nach der Covid-Panik zum »Normal davor« zurückgekehrt sind.

Ja, jeder, der einem Freund schreibt oder sich mit einer Freundin bespricht, hält doch heute in einem guten Teil des Gesprächs fest, wie sich die Zeiten ändern. Jedes Gespräch ist eine Brotkrume. Doch mit jedem Tag, jedem Gespräch und auch jedem geschriebenen oder gelesenen Essay lassen wir auch ein Stück unseres Lebens zurück.

Erwachsen zu werden bedeutet, einzusehen, dass es keine Rückkehr gibt, dass das Leben immer nur nach vorn eilt – und dass mehr, als wir uns eingestehen, in unserer eigenen Hand und Verantwortung liegt.

Das Märchen von Hänsel und Gretel endet übrigens damit, dass die Geschwister die böse Hexe in den Ofen schubsen. Dann klauen sie Schätze aus dem Hexenhaus und kehren doch noch nach Hause zum alten Vater zurück, wo sie glücklich und satt leben (auch weil die böse Stiefmutter inzwischen gestorben ist).

Deuten Sie das, wie Sie wollen.

Weiterschreiben, Wegner!

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