24.10.2021

Wie Bambus

von Dushan Wegner, Lesezeit 2 Minuten
Sei wie der Bambus, so heißt es, er biegt sich im Wind und bricht doch nicht. Es ist aber nicht das Verbiegen allein, das ihm seinen Wert gibt. Der Bambus kehrt immer wieder zu seiner Form zurück, er erinnert sich also, was gerade zu sein bedeutet.
green bamboo shoots
Telegram
Facebook
Twitter
WhatsApp

ESSAY HÖREN

Klicken Sie auf den Button, um die Hördatei von Buzzsprout zu laden. Mit dem Laden des Audios akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Buzzsprout.

Audio laden

Sei wie der Bambus, so hat man uns gelehrt. Sei wie der Bambus, er biegt sich im Wind, doch er bricht nicht.

Ich hörte einmal einen sagen, er wolle nicht wie der Bambus sein, er wolle stark und hart sein, und fest stehen wie die deutsche Eiche. Sich zu verbiegen, so behauptete er, das liege ihm überhaupt nicht.

Was ist nun richtig, was ist ratsam?

Es wäre unvollständig, in dieser Spruchweisheit vom Bambus nur das Verbiegen im Wind zu betrachten!

Auch manche andere Substanz verbiegt sich, wenn Bambus sich auch besonders anmutig verbiegt, doch da ist noch etwas mehr, eine weitere Eigenschaft! Nachdem der Bambus vom Wind verbogen wurde, schnellt er auf elegante Weise wieder zurück. Der Bambus wird wieder gerade.

Dass er ohne zu klagen, ganz selbstverständlich wieder in seine erste Form zurückkehrt, das ist, wofür wir den Bambus besonders bewundern!

Sei wie der Bambus. Sei nicht hart wie das Brett, welches den Menschen weh tut. Sei nicht spröde wie das Glas, welches allzu schnell splittert. Sei wie der Bambus, der sich für den Moment zwar dem Wind beugt, der sicherlich ausweicht, der aber weder zerbricht noch verbogen bleibt, sondern wieder in seine Form zurückkehrt.

Sei wie der Bambus, der wieder gerade zu werden weiß.

Damit ich aber in meine Form zurückkehren kann, muss ich zunächst eine Form haben.

Um erneut gerade werden zu können, muss ich zunächst überhaupt irgendwann gerade gewesen sein.

Was bedeutet gerade zu sein für mich? Welchen Zustand meines Geistes nenne ich den richtigen, den geraden Zustand?

Ein anderes Sprichwort lehrt uns, die Kunst des Lebens bestehe darin, immer wieder aufzustehen, und immer einmal öfter aufzustehen, als man hingefallen ist.

Damit ich aber nach dem Hinfallen wieder aufstehen kann, muss ich zunächst wissen, wo unten ist, und, vor allem, wo oben.

Mancher Bruchpilot hat erst durch schmerzhafte Erfahrung gelernt, dass oben und unten in der praktischen Durchführung durchaus durcheinander geraten können.

Wenn du nicht weißt, wo für dich oben und unten ist, was richtig ist und was falsch, was wichtig und was unwichtig, dann kannst du nach dem Hinfallen auch genauso gut liegen bleiben.

Ähnlich auch für den Bambus: Sei nicht nur darin wie der Bambus, dass du dem Wind ausweichst. Der Bambus weiß, was gerade zu sein bedeutet, und wenn er verbogen wird, dann biegt er sich ohne zu klagen auch wieder gerade.

Sei wie der Bambus, und wenn die Zeiten dich verbiegen sollten, dann biege dich bald wieder gerade.

Immer wieder gerade zu werden, und das auf elegante Weise, das gibt dem Bambus seinen Wert.

Weiterschreiben, Wegner!

Diese Arbeit – bei /liste/ finden Sie alle (bislang) 1,259 Essays! – ist nur mit Ihrer Unterstützung möglich. Einfach und schnell, via Kreditkarte oder Paypal – schon jetzt: Dankeschön!

Jahresbeitrag(entspricht 1€ pro Woche) 52€

Essay im Podcast

Mit Freunden teilen

Telegram
Reddit
Facebook
WhatsApp
Twitter
E-Mail

Wegner verstehen

Alles, was ich schreibe, basiert auf einer bestimmten Philosophie, den Relevanten Strukturen. In diesem Buch erkläre ich Ihnen, wie ich denke.

alle Bücher /buecher/ →

Wie Bambus

Darf ich Ihnen mailen, wenn es einen neuen Text hier gibt?
(Via Mailchimp, gratis und jederzeit mit 1 Klick abbestellbar – probieren Sie es einfach aus!)