18.9.2020

Hört auf, die Chilischoten zu fressen!

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Foto von Elle Hughes
Deutschland ist wie ein Schäferhund, dem befohlen wurde, Chilischoten zu fressen. Es brennt höllisch, er weint vor Schmerzen, doch er frisst brav weiter – weil er hofft, dafür von der Propaganda über den Kopf gestreichelt zu bekommen.
red chili peppers
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Stellen wir uns einen Schäferhund vor, ein liebes, anhängliches Tier. Stellen wir uns vor, dass das Herrchen dieses Hundes ein grausamer Kerl ist. Stellen wir uns weiter vor – wenn eine solche Vorstellung nicht allzu quälend ist, dass das unsympathische Herrchen dem gehorsamen Tier befiehlt, scharfe, brennende Chili-Paprika zu fressen.

Das brave Tier frisst das scharfe Zeug, ganz wie ihm befohlen wurde. Das Tier leidet Schmerzen, und doch frisst es weiter. Es ist ja ein braves Tier. Das Tier weint, buchstäblich, und frisst weiter.

Diese einleitendende Metapher entspringt nicht einem sadistischen Essayisten-Gehirn – es ist eine aktuelle Meldung, aus China (dailymail.co.uk, 17.9.2020).

Man fragt sich natürlich, was in dem bösen Herrchen vorgeht. Wir denken an ähnlich gelagerte Fälle von Tier- und Menschenquälerei in Deutschland, und wir fürchten die Antwort, und wir lassen diese Frage lieber offen.

Ich frage mich heute jedoch auch: Was geht in dem Hund vor? Warum lässt er sich quälen, obwohl er sich der Qual entziehen könnte? Warum gehorcht er?

Intermezzo

Nach dieser drastischen Einleitung, hier zwischendurch, als YouTube-Link, ein Video mit lustigen Katzen!

Mit der Gabel ins Auge

Genug Katzenvideos geguckt? Soooo niedlich, nicht wahr? Gut, zurück zu den Nachrichten des Tages.

Sie kennen ja die Meldungen, ich will es kurz anreißen, ein Abhaken und Nicken, ein Vergewissern, dass wir ans dasselbe denken.

Wir lasen vor einigen Tagen von der Erpressung durch die Schlepper und ihre Kunden (siehe Essay vom 9.9.2020), sinngemäß: »Gebt uns, was wir wollen, nämlich lebenslanges Gratis-Ein- und Auskommen, sonst tun wir uns etwas an«. – Und wir lasen, wie die Zerstörerin Angela M. dieser Erpressung schnell nachkam (Essay vom 16.9.2020).

Journalisten gelang es tatsächlich, im Lager der Schlepperkunden ein photogenes kleines, blondes Mädchen zu finden (siehe bild.de, 18.9.2020) – wobei die Schlagzeile darüber, »Um dieses Mädchen streitet Europa«, natürlich Ochsendreck im Propaganda-Stil ist – nein, »Europa« streitet nicht um »dieses Mädchen« – wenn man die Konflikte überhaupt an Personentypen festmachen will, dann vielleicht eher an den jungen Männern mit Kriegserklärungen auf dem T-Shirt (siehe Essay vom 19.4.2020), die von der Politik und ihren bezahlten Lügnern dann tatsächlich als »Minderjährige« deklariert werden (an offiziell Minderjährigen verdienen Wohlfahrtskonzerne noch mehr Geld).

Merkels »ewiges 2015« ist auch heute nicht die einzige relevante Meldung. Man könnte das Sterben der deutschen Autoindustrie notieren (welt.de, 16.9.2020, eingesperrt hinter Bezahlmauer, vielleicht um arme Leser abzuwehren).

Man könnte auch die geradezu irren Energiepläne der Regierung erwähnen. Die CSU verkündet, ganz im DDR-Propagandastil: »Deutschland geht weltweit voran! Als einziges Industrieland steigen wir aus Kohle und Kernenergie aus!« (Bild-Kachel unter @csu_bt, 18.9.2020) – Sogar im  Haus, das Relotius berühmt werden ließ, merkt man an (ob verärgert oder zufrieden, das wäre zu erörtern): »In Deutschland ist Strom inzwischen teurer als in den meisten anderen Staaten der Welt. Höhere Preise gibt es fast nur noch in krisengeplagten Entwicklungsländern.« (spiegel.de, 18.9.2020)

Ein Verrückter, der sich mit der Gabel ins Auge sticht und dabei stolz ausruft: »Seht her, ich steche mir als einziger ins eigene Auge!« – Wie redet man mit so einem auf vernünftige Weise?

Warum es wichtig und richtig sei

Man fragt sich ja durchaus, warum ein Volk und ein Land, vor wenigen Jahrzehnten noch klug und auf guten Gleisen fahrend, sich von seiner Regierung so kaputtmachen lässt.

Die naheliegende Antwort lautet natürlich: Propaganda. In kaum einem Land außer vielleicht Nordkorea, und gewiss keinem, das gemeinhin als demokratisch bezeichnet wird, sind Bürger in einer derart allumfassenden, totalen Propaganda-Umgebung eingebettet wie in Deutschland. Vom Aufstehen zum morgendlichen Staatsfunk-Radio, über die Indoktrination in den Schulen, über die erzwungene politische Korrektheit an der Arbeitsstelle, übers »tolerante Wegschauen« im Straßenalltag (»wer hinschaut, ist Rassist«) und die Propaganda-Podcasts auf Spotify bis hin zur Propaganda im Abend-Fernsehprogramm vorm Einschlafen.

Wohl weil noch immer etwas Realität die Propaganda durchdringt, redet die Staatsministerin Dorothee Bär von etwas, das recht unverhohlen wie eine direkte Umsetzung des »Ministeriums für Wahrheit« aus Orwells 1984 klingt – sie nennt es »zentrale Informationsplattform« (@wiwo.de, 18.9.2020 – der Beitrag einer steuerfinanzierten Ministerin ist hinter Bezahlstacheldraht). Motivation sei, dass »Fake News« die »Demokratie« gefährden sollen – wenn man bedenkt, dass »Fake News« neu-orwellscher Code ist für »Nachrichten, die das globalistische Narrativ als Lüge enttarnen« und »Demokratie« neu-orwellscher Code ist für »Macht der Etablierten«, dann ergeben Gesagtes und Geplantes tatsächlich einen Sinn.

Das neu-orwellsche Wahrheitsministerium solle »alles andere als eine Propaganda-Maschine der öffentlichen Hand« werden, sagt sie laut Staatsfunk (deutschlandfunk.de, 18.9.2020) – wir dürfen also davon ausgehen, dass es eben eine weitere »Propaganda-Maschine der öffentlichen Hand« wird – und mit »öffentliche Hand« ist wohl gemeint: Das Merkel-System. – Niemand hat die Absicht…

Ich bin guter Dinge, dass die »alles-andere-als-eine-Propaganda-Maschine« uns erklären wird, warum es wichtig und richtig sei, dass der deutsche Schäferhund brav seine Chilischoten frisst.

Jedes andere Verhalten

Die Deutschen lassen sich Dinge antun, für die würden andere Völker ihre Regierung erst auslachen und dann aus dem Amt jagen. (Randnotiz: Einige dieser anderen Völker würden ihre Regierung ebenfalls auslachen, wenn diese sie zu Arbeit und Fleiß nach deutschem Vorbild auffordern sollte, aber das ist wieder ein anderes Thema.)

Es ist fürwahr ein »Experiment«, das an Deutschland durchgeführt wird, wie ein Herr aus Harvard es im deutschen Staatsfunk formulierte, und ein grausames und zugleich bemerkenswertes Experiment dazu.

Der deutsche Schäferhund isst brav die Chillishoten, weil Regierung und Propaganda es so von ihm wollen. Tränen rollen aus den Hundeaugen, sein Inneres brennt, doch der deutsche Schäferhund frisst brav weiter.

Deutschland lässt sich nicht nur von den Autoritäten zum Galgen hochschicken, es zahlt auch noch das Holz, den Strick und den Henker – und wenn die Propaganda es sagt, legt es sich auch noch selbst die Schlinge um den Hals, und betätigt den Hebel, auf dass sich die Klappe unter ihm öffnet – jedes andere Verhalten wäre ja »rechts« und »nazi«, und so will sich kein anständiger Schäferhund nennen lassen.

Hört auf!

Man ist versucht, mit den Schultern zu zucken: Wer scharfe Schoten frisst, dem brennt halt das Maul. Und wer zu viele Chilischoten frisst, dem brennt es eben die Organe weg – und dann ist der Hund tot.

Was soll man den Deutschen raten? Was können und sollen wir uns selbst raten?

Wenn die euch zu Ende missbraucht haben, setzen die sich in die Schweiz oder ganz nach Übersee ab, und ihr werdet zum Verrecken zurückgelassen. Spott werdet ihr ernten, nicht Dank, nicht Anerkennung, nicht einmal Mitleid.

Hört auf, von denen-da-oben über den Kopf gestreichelt werden zu wollen!

Und also: Hört auf, die scharfen Schoten zu fressen!

»Weiterschreiben, Wegner!«

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