Dushan-Wegner

14.09.2023

Vandalismus oder Sabotage? Gerangel oder Terror?

von Dushan Wegner, Lesezeit 7 Minuten, Bild: »Es fährt ein Zug (manchmal)«
Jede, wirklich jede Mainstream-Meldung sollte man erst mal untersuchen: Welche Propagandabegriffe werden eingesetzt? Wie soll das Publikum manipuliert werden? Das ist nicht nur intellektuell spannend – es kann dein Leben retten!
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Lernen, so lernte ich einst, ist wie Furchen in den Acker zu ziehen, sei es in die Erde oder in ein Stück Holz. Soll die Furche tief genug sein, die gewünschte Form sicher einnehmen und einige Zeit sichtbar bleiben, ist es notwendig, diese Furche mehr als einmal zu ziehen.

Beim Lernen aber ist der eigene Geist der Acker und manchmal auch das harte Brett, in welches man auch noch selbst eine Furche ziehen soll, wieder und wieder! Das tut weh. Und was ist schlimmer als Schmerz? Derselbe Schmerz mehrfach!

Diejenigen aber, die sich zu überwinden wissen und die notwendigen Furchen oft genug nachziehen, bis das Gelernte fürs Leben »sitzt« und die Furchen auch in die richtige Richtung verlaufen, sind entweder getrieben vom Versprechen der Freude an der Klugheit oder von der Androhung anderer »Schmerzen«, die noch ärger sind als die Schmerzen des Furchenziehens.

In anderen Kulturen können diese »ärgeren Schmerzen« etwa von der prototypischen Sandale in geübter Hand ausgelöst werden (Praxis-VideoRekord-VideoTrainings-Video).

Ein Lernender kann auch Realist genug sein, um drohende Arbeitslosigkeit mehr zu fürchten als den Schmerz des wiederholten Furchennachziehens.

Doch bisweilen lernen wir durchaus freiwillig Inhalte und Fertigkeiten, die nicht unmittelbar in bare Münze umzuwandeln sind. Was ist die Motivation für »unnötiges« und doch »freiwilliges« Lernen?

Ich wage die These: Zu verstehen, was den Menschen zum freiwilligen, nicht unmittelbar verwertbaren Lernen bewegt, gibt uns Einblicke in das »speziell Menschliche« dieses Menschen. (Testen Sie diese These: Was haben Sie zuletzt freiwillig und »einfach so« gelernt, und was war wohl Ihre Motivation? Beschreibt das nicht ein Stück davon, was und wer Sie wirklich sind?)

Manchmal jedoch könnte es durchaus helfen, dem »Lernen als Selbstzweck« mit etwas »Zweck« nachzuhelfen.

Der Selbstzweck ist nicht zwecklos

Wir, auch ich, reden gern vom »Lernen als Selbstzweck«. Wir fühlen uns ganz erhaben dabei – und es ist richtig!

Auch »Lernen als Selbstzweck« hat einen Zweck: Der Lernende strebt an, der Mensch zu sein, der man ist, wenn man sich diese Fertigkeiten und dieses Wissen angeeignet hat. (Nebenbei: Auch Wissen ist eine Fertigkeit, nämlich jene, dieses Wissen bei Bedarf abrufen zu können, diesen Bedarf überhaupt zu erkennen und dann dieses Wissen in seinem Denken zu berücksichtigen.)

Das Lernen ist sein eigener Wert und Zweck, doch bisweilen lässt sich diesem Zweck »nachhelfen«. Etwa wenn man einen sehr praktischen Nutzen aufzeigt oder eine drohende Gefahr, die durch dieses Lernen abgewendet werden könnte. Es spricht ja nichts dagegen, dass bestimmte Fertigkeiten zu erwerben einen sowohl zu einem glücklicheren Menschen macht als auch einen praktischen Vorteil verschafft und womöglich sogar vor drohenden Gefahren schützt!

Lassen Sie uns also die Furchen des Essays vom 12.9.2023 nachziehen, anhand durchaus aktueller Berichterstattung.

»Polizei vermutet politisches Motiv«

Die feine Tagesschau hat bei Instagram dieser Tage eine verräterische Kombination aus Dachzeile und Schlagzeile veröffentlicht (Original-URLarchiviert).

Die Dachzeile, also die »einordnende« Zeile über dem eigentlichen Titel, lautet: »Polizei vermutet politisches Motiv«.

Der Titel selbst lautet dann: »Zugausfälle wegen Vandalismus«.

Aha.

Die Faktenlage ist, wie sich auch aus der Berichterstattung der Tagesschau ergibt: Dieser »Vandalismus« besteht in gefährlichen Brandanschlägen mit vielen Litern Benzin auf Einrichtungen der Bahn. Laut Duden ist »Terror« die »Verbreitung von Angst und Schrecken durch Gewaltaktionen«, »besonders zur Erreichung politischer Ziele«.

Auf einer bekannten linksextremistischen Plattform wurde ein glaubwürdiges Bekennerschreiben veröffentlicht, wonach »Verkehrsadern der kapitalistischen Infrastruktur sabotiert« werden sollten.

»Vandalismus« klingt verharmlosend nach Kindern, die nur spielen wollen. 16-Jährige, die ihren Schriftzug auf eine Wand oder sogar einen Zug sprayen.

»Vandalismus« bedeutet laut Duden »blinde Zerstörungswut«. Und als Beispiel wählt man: »Die Polizei nahm mehrere Fans wegen Vandalismus fest«.

Diese Anschläge sind keine »blinde Zerstörungswut«, sondern geplant. Und sie geschahen nicht, wie bei Fußballfans, im spontanen Überschwang der Gefühle. Es war gefährliche und teure Sabotage, darauf ausgerichtet, politische und wirtschaftliche Ziele abseits des demokratischen Wegs zu erzwingen.

Wir kennen das Spiel

Wie würde die Tagesschau wohl titeln, wenn die Täter nicht »Linke« sondern »Rechte« gewesen wären?

Wir ahnen es: Dann würde es überall »Terror« rufen, Staats- und Verfassungsschutz würden Einsatzgruppen bilden, Sondersendungen im TV auf allen Kanälen. Kahane würde feststellen, dass Anschläge auf die Bahn als antisemitisch zu bewerten seien. Hayali und Restle wären rund um die Uhr betroffen und so weiter, wir kennen das Spiel.

Doch es waren Linksextreme. Also wird es verniedlicht.

»Vandalismus«, heißt es. Politisch motiviert, klar, aber haben die nicht das Herz am, äh, rechten Fleck? Also dem linken Fleck, sie wissen schon.

(Übrigens: Sucht man bei X (gemeint: Ex-Twitter) aktuell nach »Vandalismus«, finden sich viele Screenshots von Artikeln verschiedener Mainstream-Medien zu diesen Anschlägen. Die Screenshots legen nahe, dass es Mainstream-Konsens war, die Sabotage und Brandanschläge als »Vandalismus« herunterzuspielen. Später, vermutlich nach Leserprotesten, wurden die Überschriften geändert, doch das Original ist noch oft in der Internet-Adresse zu erkennen. Wen interessiert aber, was online steht, wenn die erste psychologische Wirkung erreicht ist? Abhaken, ändern, wiederholen.)

Erstmal »stoppen«

Was wir hier erlernen, ist nicht neu. Es ist das Nachziehen von Furchen. Im erwähnten Essay vom 12.9.2023 habe ich es im Detail beschrieben: Wir wollen uns täglich weiter darin üben, Propaganda-Wörter immer erst als solche zu betrachten.

Wenn die ARD »Vandalismus« sagt, dann will sie damit etwas erreichen. Es liegt an uns, zu entscheiden, ob ihr dies gelingt.

Wir haben ja Erfahrung! Man sagte etwa »Gerangel«, weil man in uns die Assoziation »ganz natürlich spielender Jungs« aktivieren will. Tatsächlich handelt es sich womöglich um eine gezielte Attacke, allerdings ausgeführt von Vertretern einer Gruppe, die man aus politischen Gründen nicht als Täter und Aggressoren zu erkennen geben will.

Man könnte und sollte jedes Wort des Propagandastaates erstmal »stoppen«, bevor man es »an sich heranlässt«.

Von »Wissenschaftsleugnern«

Um dies zu demonstrieren, habe ich just jetzt, während ich diese Zeilen schreibe, bewusst tagesschau.de aufgerufen, mit der These, dass wahrscheinlich der oberste Artikel eine Manipulation enthalten wird – was auch immer dieser Artikel ist.

Und siehe da: »Wettermoderatoren als neue Zielscheibe«, lautet der aktuelle Top-Artikel. Und der jammert bereits im Intro-Text: »Fernseh-Meteorologen kämpfen um die Wahrheit: Weil sie über die Zusammenhänge von Wetter und Klimakrise aufklären, sehen sie sich immer häufiger Angriffen von Wissenschaftsleugnern ausgesetzt.«

Man muss ja geradezu lachen, doch es ist konsistent. Natürlich müssen im Propagandastaat alle Akteure zuverlässig gleichschalten, also auch die Wettervorhersage. Und Leute, die sich nicht einmal festlegen können, ob es heute einen Schirm braucht oder nicht, »kämpfen« jetzt also »um die Wahrheit« (die natürlich für jene Kreise mit den Villen direkt am Meer maximal profitabel ist).

Die einzig erlaubte Wahrheit und ihre Verkünder zu hinterfragen (ja, manche Hinterfragung ist durchaus derb formuliert), ist natürlich ein »Angriff«, und zwar von »Wissenschaftsleugnern«. (Es ist so lächerlich – ist Staatsfunkern tatsächlich nichts, aber auch gar nichts peinlich?)

Tausende Wissenschaftler, die der hochprofitablen Klimapanik widersprechen – allesamt »Wissenschaftsleugner«. Es muss ein sehr magischer Presseausweis sein, der Staatsfunkern die Kompetenz gibt, sogar Nobelpreisträger als »Wissenschaftsleugner« abzutun.

Übrigens: Ähnlich wie in der profitablen Coronapanik erleben wir auch in der profitablen Klimapanik, wie der »wissenschaftliche Konsens« konstruiert wird: Man »cancelt« Wissenschaftler, die zu widersprechen wagen, selbst wenn sie zuvor höchste Titel und Ehren erhielten (siehe etwa newsweek.com, 24.7.2023).

Live-Übung mit tagesschau.de

Während ich diesen Essay zu Ende schreibe, hat der Top-Artikel auf tagesschau.de gewechselt. Und natürlich trieft auch der neue von Propagandavokabular.

»Lampedusa am Limit«, heißt er, und die Dachzeile darüber: »Flucht über das Mittelmeer«.

Im Intro wird berichtet, dass die Stimmung in der Bevölkerung von Lampedusa »kippen« könnte (was impliziert, dass sie noch nicht gekippt ist).

Vor allem aber bestehen die Staatsfunker darauf, das Propagandawort »Geflüchtete« zu verwenden. Im Text liest man von einer »Mutter« und vom »Schmerz«. Und tatsächlich hat man es irgendwie geschafft, das Foto einer Mutter mit Kind aufzutreiben.

Die Gruppenaufnahme allerdings zeigt ein anderes Bild: Fast ausschließlich junge Männer im wehrfähigen Alter. Wenn sie übers Mittelmeer kamen, haben sie wahrscheinlich Schlepper bezahlt. Familien haben dieses Geld investiert, weil es sich wirtschaftlich auszahlt. Was ist das für eine »Flucht«, bei der man seine Familie zurücklässt und seinen Pass zerreißt?

Immerhin wird weiter unten im Text der italienische Politiker zitiert, der die Anlandung der jungen Männer als »Kriegsakt« beschreibt. Doch selbst wenn wir hier zustimmen, sollten wir kurz innehalten und überlegen: Wer ist es, der diesen »Krieg« antreibt und finanziert? Und wer profitiert davon?

Das Vertiefen dieser Furchen

Ich habe diesen Text geschrieben, um mich gemeinsam mit Ihnen darin zu üben, keinen Satz, den die Propaganda sagt, »einfach so« hinzunehmen.

Ich weiß nicht, was der nächste Top-Artikel auf tagesschau.de sein wird, doch die Chancen stehen gut, dass er besonders in Überschrift und Einleitung voller Propagandawörter sein wird.

Zu lernen bedeutet, die guten Furchen im harten Holz unseres Geistes nachzuziehen, wieder und wieder. Ich will mich immer weiter darin üben, kein Wort nur deshalb zu glauben, weil es im Mainstream gesagt wurde.

Die öffentlichen Wahrheiten anzuzweifeln, kann der Gesundheit förderlich sein und das Leben retten. Jedes öffentliche Wort erst mal zu hinterfragen, was damit wirklich erreicht werden soll, kann deinen Wohlstand und die Zukunft deiner Kinder retten. Insofern hat es praktische Vorteile, sich darin zu üben, alles zu hinterfragen, was Tagesschau und deren Kollegen verbreiten.

Doch ich glaube tatsächlich, dass es ein eigener Wert ist, dass das Vertiefen dieser Furchen ein eigener Wert ist.

Selbst wenn Journalisten plötzlich die Wahrheit sagen würden, würde ich ein Mensch sein wollen, der jedes Wort prüft – jedes Journalistenwort und auch jedes eigene Wort.

Oder, wie wir hier zu sagen pflegen: Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst!

Weiterschreiben, Wegner!

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