12.01.2021

Der erste digitale Coup der Geschichte

von Dushan Wegner, Lesezeit 7 Minuten, Foto von Isabelle Deutsch
Trump wurde Opfer des ersten digitalen Coups der Geschichte. Ein US-Präsident wurde von Konzernen zum Schweigen gebracht, die ihren Kandidaten schnell im Amt sehen wollen. Macht wird heute von Konzernen verliehen – und das nur solange, wie man »brav« ist.
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»Dies ist keine Warnung, keine Ermahnung, kein Aufruf zur Vorsicht«, so begann mein Essay »Wegkost für den digitalen Totalitarismus« vom 9.1.2021. Nein, es war keine Warnung, zumindest keine vor etwas, das zeitlich später zu kommen droht. Es war die Feststellung einer neuen Zeit, der Machtübernahme der Konzerne und konzernartigen Staaten – das allerdings exakt so, wie wir zuvor gewarnt hatten.

Wir sind drin, doch wir sind erst am Anfang, und also gilt es, neue Karten zu zeichnen. Einige meiner Kollegen – und ich schätze sie sehr – sehen sich noch immer als Mahner, Warner und sogar Kämpfer – ich aber warne und mahne nicht (mehr), und kämpfen will ich nur noch um das, was man einst »Seelenheil« nannte, und was ich heute weit schlichter umreiße, und zwar als Wunsch für Sie, Ihre Lieben, mich und auch meine Lieben, dass wir am Wahnsinn nicht wahnsinnig werden mögen, dass wir uns im Chaos etwas Ordnung schaffen, denn Glück setzt Ordnung voraus. 

Nein, die laute politische Mahnung ist nicht mehr die große Aufgabe dieses Essayisten. Der Warnungen sind genug gesprochen, jetzt gilt es das Neue zu vermessen. 

Dies ist der neue digitale Totalitarismus, und es geht jetzt Schlag auf Schlag.

Im ersten digitalen Coup der Geschichte wurde der Präsident der USA praktisch aller Medienkanäle beraubt und also medial entmachtet. Als Begründung wurde weltweit, auch von deutschen Konzern- und Staatsmedien, die Lüge verbreitet, er habe zur Gewalt aufgerufen – er rief explizit dazu auf, friedlich nach Hause zu gehen. Ein den sogenannten »Democrats« naher Jura-Professor warnt aktuell davor, dass das entsprechende »snap impeachment« (etwa: »Schnellamtsenthebungsverfahren«) weit schädlicher für das Ansehen der Verfassung sein könnte als der Sturm. Der Grund: Das, wozu Trump aufrief, nämlich »friedlich und patriotisch eure Stimme hörbar zu machen«, und dazu an die Stätten der Regierung zu marschieren, nun wirklich durchaus üblich ist (@JonathanTurley, 9.1.2021, der gesamte Thread ist lesenswert, er beginnt mit einem überraschend gut passenden Kafka-Zitat). (Randnotiz: Mädchenschnüffler Biden hat angekündigt, zuerst jenen kleinen Unternehmen wirtschaftlich auf die Beine zu helfen, die nicht von Weißen betrieben wurden; siehe @Transition46, 10.1.2021. Es ist natürlich erstens offen rassistisch, es ist aber auch zynisch: Es waren die den sogenannten »Democrats« geistesverwandten Antifa- und BLM-Banden, die eben diese Geschäfte im Sommer 2020 plünderten und in Flammen setzten.)

Wir beginnen immer mehr Gründe zu ahnen, warum und wie das Bannen des US-Präsidenten dem Sumpf wirklich nutzt. Wer allzu laut und erfolgreich auf die Widersprüche, Lügen und moralischen Ungeheuerlichkeiten des Sumpfes hinter Biden hinweist, könnte eben diesem gefährlich werden, und Trump konnte sehr laut darauf hinweisen.

Manche Gründe sind schlicht praktischer Natur: Andrew Cuomo, Bruder des CNN-Einheizers Chris Cuomo und Gouverneur von New York, verkündet aktuell, dass »wir« einfach nicht mehr geschlossen bleiben können, bis die Impfung die kritische Masse erreicht hat; die Kosten seien zu hoch und es würde nichts mehr bleiben, was man noch öffnen könne; man müsse die Wirtschaft auf kluge und vorsichtige Weise wieder öffnen (@NYGovCuomo, 11.1.2021). Es ist beinahe wörtlich dasselbe wie das, was eben noch, vor dem Medien-Coup, von Trump gesagt wurde – aber damals noch von »den Guten« zerrissen wurde. Ich würde Ihnen es ja gern verlinken, wo Trump es sagte, aber… es ist verschwunden. Die Geschichte wird vor unseren Augen ausradiert und neu geschrieben.

Einige der Entwicklungen, die wir heute in Aktion erleben, ließen sich tatsächlich vorhersehen. 2018 hat Facebook etwa zugegeben, dass während Facebook und Twitter in China offiziell verboten und gesperrt sind (man hört aber von digitalen Umwegen…), chinesische Firmen wie Huawei auf Facebook-Daten zugreifen können (bbc.com, 6.6.2018). Zur Firma Huawei aber sagt etwa Joachim Steinhöfel aktuell: »Huawei ist keine Firma, sondern eine Abteilung des chinesischen Geheimdienstes.« (@Steinhoefel, 10.1.2021)

Einige Aspekte dieser neuen Zeit sind überraschend – man hätte von den Strippenziehern dann doch etwas mehr Weitsicht erwartet. Ausgerechnet »Jungkommunistin« Merkel, unter welcher das Zensurgesetz »NetzDG« die Aufsicht über das Grundrecht auf Meinungsfreiheit de facto privatisierte und in die Hand undurchsichtiger Konzerne legte, sieht jene »Twitter-Sperre kritisch« (tagesschau.de, 11.1.2021). Es ist zweifellos Verlogenheit und Heuchelei, doch es schwingt noch etwas anderes mit: Merkel verfügt über praktisch keine einzige bemerkenswerte Eigenschaft außer einem genialischen Machtinstinkt – sie kann ja nicht einmal richtig reden – und endlich hat ihr Machtinstinkt angeschlagen, und sie ahnt, dass wenn die digitalen Medien den Präsidenten der USA entmachten können, es ihr bei einem Windwechsel auch so gehen könnte. Wir vermessen die neue Zeit, wie man eine neue Welt vermisst. Wir stellen fest, dass einige der alten Häuptlinge plötzlich fürchten, von eben jenen entmachtet zu werden, die sie eben noch als ihre Diener und Hilfspropagandisten betrachteten.

(Randnotiz: Bezüglich der Corona-Toten in den USA hieß es vielfach, dass es Trumps Tote seien – wir werden im Propagandastaat Deutschland gewiss nicht von irgendwem, dem sein Steuer- oder GEZ-finanziertes Journalistengehalt lieb ist, allzu bald hören, dass nun, wo Deutschland nach einigen Berechnungen mehr Corona-Tote pro Einwohner meldet als die USA (so bild.de, 11.1.2021 (€), und zum Selbst-Vergleich ohne Bezahlschranke via ourworldindata.org), diese alle »Merkels Tote« zu nennen seien.)

Ich bin 46 Jahre alt, in weniger als vier Jahren werde ich 50 Jahre alt werden – inshallah. Ich habe nicht den Zweiten Weltkrieg erlebt, und ich war fünf Jahre alt, als meine Familie den Fängen des Kommunismus entkam. Ich kenne beide Regime aus den Erzählungen meiner Familie, und natürlich aus dem Unterricht an deutschen Schulen (der klaffendste Unterschied zwischen den Berichten erster Hand und der »offiziellen« Geschichte wie sie von Propaganda und Schulen kolportiert werden, ist die Beschreibung des Totalitären als eines Fremden und Fernen; nach den Berichten derer, die dort waren, sind die Bösen von damals den »Guten« von heute im Geiste sehr ähnlich; was sie unterscheidet, scheint zuerst die Möglichkeit zur Durchsetzung zu sein, was sie eint ist die Lust am Gleichschritt und an der Ausgrenzung des Abweichlers). 

Sehr wohl wissend, dass es schwierigere Zeiten gab als diese, stelle ich doch fest: Dies ist die schwerste Zeit, die ich selbst bewusst erlebe.

Ich kenne Menschen, die eben erst ein Ladengeschäft eröffnet hatten, von Angespartem und Geliehenem, und die jetzt Schulden anhäufen, mit jedem Tag deutlicher ahnend, dass sie diese nie zurückzahlen können werden. Ich kenne Familien, wo beide Eltern über Nacht ihr Einkommen verloren, dem Alkohol verfielen, sich zerstritten und trennten – von einigen fröhlichen Familien von 2019 ist heute, 2021 nur noch eine Ruine übrig. Ich kenne Menschen, deren Persönlichkeit im Lockdown zerbrach, mit denen zu sprechen heute sich anfühlt, als hätte ein düsterer Alien den Körper gekapert (wir können es zu unserer Aufgabe erklären, ihnen weiter mit Liebe zu begegnen).

Nein, dies ist keine Warnung und es ist keine Mahnung. Dies ist der Versuch, die Karten der neuen Zeit zu zeichnen, die großen Karten wie die kleinen.

Die neue Welt ist digital, sprich: der Computer wird vom Werkzeug zum Formgeber unserer gesellschaftlichen und seelischen Struktur. Wohl dem, dessen Beruf auch in einer digitalen Welt benötigt wird. Ich kenne Menschen, die Computer programmieren oder anders daran arbeiten, die Welt noch digitaler zu machen – und gleich mehrere von ihnen sind dieser Tage nebenbei damit beschäftigt, neue Häuser zu bauen oder bestehende noch komfortabler (und sicherer!) zu machen.

Die Wahrheit in der digitalen Welt ist eine künstliche Wahrheit, eine von oben festgelegte »Wahrheit des Tages« (siehe auch Essay vom 11.1.2021), exakt wie Orwell es voraussagte. Wohl dem, der nicht daran irre wird, dass er zu keinem Zeitpunkt sicher weiß, was wahr ist und was falsch, und doch den Mut und die Weisheit aufbringt, in diese Unsicherheit hinein zu handeln.

Wir vermessen die Karte einer neuen Zeit, und natürlich muss die Vermessung bei uns selbst beginnen.

Im frech betitelten Essay »Eine Falle für Idioten« vom 7.11.2018 lese ich mit Ihnen das Gedicht »If–« von Rudyard Kipling. 

Darin heißt es, ins Deutsche übertragen: »Wenn du zusehen kannst, wie das, wofür du dein Leben gegeben hast, zerbrochen wird, und wenn du dich bücken kannst und es neu aufbauen, mit deinem abgenutzten Werkzeug« … »dann ist die Erde dein und alles was in ihr ist, und – was noch viel mehr ist – du wirst ein Mann sein, mein Sohn!«.

Die ist eine neue Zeit, dies ist ein neues Land, und wir vermessen sie neu, wollen sie wieder zu unserer Zeit machen, und, indem wir unsere Position darin verstehen, auch zu unserem Land.

Ich rufe mir heute selbst zu, und indem ich es notiere, rufe ich es auch Ihnen zu: Gestehe dir ein, dass du dich in einem neuen Land befindest, in einer neuen Zeit – und habe den Mut, das Land wie auch die Zeit, doch zuerst dich selbst neu zu vermessen!

»Weiterschreiben, Wegner!«

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