Dushan-Wegner

09.11.2023

Stein der Deutschen

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten
AfD in Sachsen-Anhalt hat 33 Prozent bei Umfragen – und sie wurde für »gesichert rechtsextremistisch« erklärt. Zufälle gibt’s! – Es ist überhaupt bemerkenswert, wie viele Dinge gerade »zufällig« passieren. (Neues Video und Essay dazu!)
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Rätselfrage: Warum haben so viele Leute in der österreichischen Steiermark am 1. Januar Geburtstag? – Wir werden das Rätsel gleich auflösen.

Und dann wird uns ein Schock ereilen: Die AfD in Sachsen-Anhalt liegt in den aktuellen Wahlumfragen bei 33 %! (Sie werden nie erraten, was dann als nächstes passierte.)

Doch es gibt auch »gute« Nachrichten: Deutsche Unternehmen investieren wieder. (Diese Meldung kommt allerdings mit einer nicht unwichtigen Fußnote – wir kommen noch dazu.)

Und schließlich werden wir klären, warum Franz Kafka uns indirekt rät, viele Steine umzudrehen.

Aber eines nach dem anderen. Wir beginnen zunächst mit Ihren Stimmen.

Drei Kommentare

Frank Esser schreibt: »Es ist eine Schande, was diese Leute aus ›unserer Demokratie‹ gemacht haben. Wo bleibt der Aufschrei, das Entsetzen über diese raffgierige Politikerkaste? Diese ganzen Respektlosigkeiten beleidigen mich!«

Ich muss zustimmen, dass der Aufschrei tatsächlich auffällig leise ist. Das wiederum könnte daran liegen, dass es bestraft oder zumindest abgestraft wird, allzu laut aufzuschreien. Und nicht jeder will ein Held sein.

Dass ein Aufschrei trotz allen Mutes nicht gehört wird, könnte auch daran liegen, dass er mit Milliardenaufwand übertönt wird – Stichwort »Propagandastaat«.

Pia von der Rise schreibt: »Herr Wegner ist unglaublich unterhaltsam. Er spielt mit Worten und leuchtet in die dunklen Ecken des Zeitgeschehens so geschickt, dass man es fast nicht merkt. Die Vergleiche sind messerscharf, kommen sie doch ganz harmlos daher.«

Ich danke natürlich recht herzlich – und ich muss etwas schmunzeln! Ich bin also so geschickt, dass man mich nicht bemerkt. Messerscharf, aber harmlos. Hach ja, die Leserin meint es anders, doch mir sei etwas kathartische Selbstironie gestattet!

Clemens Orschel schreibt: »Dushan Wegner verstärkt mit jedem Mal, wenn ich eines seiner Videos ansehe, mein ohnehin schon ausgeprägtes sympathisierendes Gefühl für die Tschechen. Ich glaube, Václav Havel hätte Freude an seinen Gedankengängen.«

Pěkně děkuji! (Das ist Tschechisch und heißt: Danke schön!)

Ich darf ein Zitat des besagten Václav Havel anbringen, zum Thema »Hoffnung«: »A až to bude nejblbější, tak najednou se to začne obracet k lepšímu.«

Das heißt auf Deutsch etwa: Wenn es am blödesten wird, wird es sich plötzlich zum Besseren zu wenden beginnen.

In diesem Sinne habe ich Hoffnung, dass es sich bald zum Besseren wenden wird!

So viel zu ihren Kommentaren, das war nur eine kleine Auswahl. Ich lese jeden einzelnen!

Das Erster-Erster-Rätsel

In Europa bringt der Osterhase Schokoeier, in anderen Teilen der Welt bringt er aber offenbar die Zeugung männlicher Kinder.

Glauben Sie nicht? Ich erkläre es gern!

Aktuell wird berichtet (apollo-news.net, 8.11.2023), dass in der österreichischen Steiermark für etwa 25 % der Asylbewerber der 1. Januar als Geburtstag eingetragen ist.

Und was liegt etwa 9 Monate vor dem 1. Januar?

Richtig!

Ostern.

Das mit dem 1. Januar liegt aber auf keinen Fall daran, dass man den Pass zerreißt und ins Meer wirft, sobald man an Bord der vielleicht deutschen Schlepperhilfe ist.

Es liegt am Frühling viele Jahre zuvor. Am Sonnenschein, an Liebe und Orangenblüte in der Luft und dem restlichen Quatsch.

Das Rätsel wäre damit gelöst – auf zum Schocker!

So ein Zufall

In jüngsten Umfragen liegt die AfD Sachsen-Anhalt bei 33% und damit auf Platz Eins – einen ganzen Prozentpunkt vor der CDU. Das ist ein Schock für viele, die von sich sagen, sie seien die einzig wahren Demokraten.

Zufälligerweise hat der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt die AfD in diesen Tagen für »gesichert rechtsextremistisch« erklärt (tagesschau.de, 7.11.2023). Natürlich hat das eine nichts mit dem anderen zu tun.

Ich bin mir ganz sicher, dass da alles unparteiisch und neutral verläuft. Die CDU-Innenministerin von Sachsen-Anhalt hat da bestimmt ein rechtsstaatliches Auge drauf.

Doch es gibt auch Meldungen, die erst mal rundherum gut klingen … erst mal.

Weniger Bürokratie wagen

Viele deutsche Unternehmen planen in den kommenden Monaten höhere Investitionen, so berichtet tagesschau.de, 7.11.2023.

Ein kleiner Haken ist dabei: Es handelt sich um Investitionen im Ausland. In den USA etwa, oder in Indien.

Einer der Gründe: Indien ist weniger bürokratisch als Deutschland. – Oha!

Parallel meldet tagesschau.de, 7.11.2023: »Industrie fährt Produktion weiter runter. Die Produktion der deutschen Unternehmen ist im September zum vierten Mal in Folge gesunken.«

Und zwar: »deutlicher als erwartet«. (Von wem? Von der Kanzleramt-Pressestelle?)

Einige Volkswirte, so heißt es, sprechen von einer erneuten Enttäuschung und rechnen mit einer Rezession.

Ich bin so alt, ich kann mich an eine Zeit erinnern, als es noch ein Schock gewesen wäre, das Wort Rezession im Zusammenhang mit Deutschland benutzt zu sehen. (Heute ist man dafür über AfD-Umfragewerte »geschockt«.)

Es ist ganz natürlich, dass deutsche Unternehmen das tun, was für ihren Erfolg wichtig ist.

Das schulden sie ihren Gesellschaftern rechtlich auch. Moralisch finde ich es dennoch ein wenig problematisch, wenn Unternehmen im Ausland investieren, aber in Deutschland an Parteien und Politiker spenden, deren Politik dafür verantwortlich ist, dass die Unternehmen woanders investieren und in Deutschland die Produktion zurückfahren.

Aber gut, ebenfalls am selben Tag meldet tagesschau.de, 7.11.2023, dass die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland gestiegen ist. Ich konnte es kaum glauben, als ich es dort las, aber: Eine mögliche Erklärung könne sein, dass mehr Geflüchtete Wohnungen beziehen.

War das nicht bis eben noch »rechte Hetze«, dass in Wohnungen, in welche die einen Leute einziehen, die anderen Leute nicht einziehen können?

War das nicht bis eben noch faschistische Verschwörungstheorie, dass der Wohnungsmarkt gründlich aus dem Gleichgewicht gerät, wenn die eine Gruppe ihre Miete vom Staat finanziert bekommt, die andere Gruppe ihre Miete aber selbst erarbeiten muss?

Und nun erfahren wir es ganz selbstverständlich auf tagesschau.de. So ändern sich die Zeiten.

Nein, nicht alles!

Nun könnte man fragen: Herr Wegner, ist nun wirklich alles Mist? Nein, es ist definitiv nicht alles Mist.

Es gibt sehr viel Schönes. Ich höre jeden Tag von Lesern, von Menschen, die schöne Dinge aufziehen, sei es einfach nur im Familienkreis, sei es als Projekt. Es ist allerdings im Kleinen.

Ich meine, auch auf einem sinkenden Schiff lassen sich viele schöne Momente erleben. Und Deutschland wird nicht aufhören zu existieren.

Deutschland wird »nur« ärmer werden, mit sehr viel mehr Schulden auf dem Buckel.

Es wird nicht untergehen wie ein Schiff. Es wird höchstens ein klein wenig gekapert werden, möglicherweise. Deutschland hat schon viel von seiner Identität verloren und wird womöglich noch mehr verlieren.

Deutschland löst schon jetzt im Ausland eher Verwunderung als Bewunderung aus. Aber in irgendeiner Form wird es immer weiter existieren. Werft also eure Pässe noch nicht weg. (Wer will schon Geburtstag haben, wenn der Rest der Welt den Silvesterkater ausschläft?)

Alle Steine umdrehen

Am 12. Januar 1914 schrieb Franz Kafka in sein Tagebuch: »Es gibt Möglichkeiten für mich, gewiss, aber unter welchem Stein liegen sie?«

Ich weigere mich stur, mir (und uns) in die Tasche zu lügen. Und ich weigere mich, die Hoffnung aufzugeben. Also mache ich Kafkas Spruch zu meinem Leitspruch: Es gibt Möglichkeiten für uns, gewiss, wir müssen nur genug Steine umdrehen!

Unsere Möglichkeiten sind nicht offensichtlich, sonst hätten wir sie schon entdeckt. Die Steine mit neuen, guten Möglichkeiten darunter sind wahrscheinlich spitz, schwer und schmutzig.

Doch besser die Fingernägel zerbrechen beim Umdrehen spitzer Steine und vielleicht sogar den Rücken verheben, als aufgeben.

Wann auch immer unser Geburtstag ist und welche Schimpfwörter die Behörden sich für uns ausdenken, wir können gewiss sein: Wenn es am blödesten wird, wird sich bald der richtige Stein finden – also muss der Stein mit der richtigen Möglichkeit in Griffweite sein!

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