Dushan-Wegner

13.09.2023

Und dann fror er ein

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Bild: »Kalt, zuweilen«
US-Politiker friert wiederholt ein. Andere wirken öfter geistig abwesend, inklusive des US-Präsidenten. In Deutschland wirken einige »von Natur aus« eher, äh, »schlichter«. Wenn das nicht an einem Systemfehler der Demokratie liegt, woran dann?
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Liebe Leser, mein ebenfalls heutiger Text »Die große Maschine und ihre kleinen Teile« ist eine »Groß-Metapher«, die eine große Maschine und ihre Bauteile beschreibt. Die große Maschine steht natürlich für den Staat, das organisierte Menschentum, vielleicht sogar den Hobbesschen Leviathan.

Womöglich interessiert sie aber meine Inspiration zu diesem Text!

Der US-Politiker Mitch McConnell ist laut Parteibuch ein Republikaner, doch vor allem ist er Teil der Washingtoner Netzwerke, und wenn Trump sich gegen diese stellte, stand McConnell zuverlässig auf der Seite der alten Seilschaften.

In den letzten Wochen war McConnell allerdings nicht mit politischen Positionen oder China-Geschäftemacherei in den Schlagzeilen, sondern mit seinen öffentlichen Aussetzern (siehe etwa politico.com, 12.9.2023).

Der 81-Jährige schien zweimal bei öffentlichen Auftritten vor den Mikrofonen »einzufrieren«. Sein Gehirn schien auszusetzen, und er starrte stumm in die Ferne. Seine Helfer mussten ihn wegführen.

Immerhin ist es bei McConnell noch auffällig und der Rede wert. Bei Joe Biden ist es »normal«, dass er bei öffentlichen Auftritten wirren Unsinn redet.

forbes.com, am 12.9.2023 liefert eine lange Liste der öffentlichen Biden-Fehlleistungen.

Als ein Beispiel von sehr vielen: Vor drei Tagen (am 10.9.2023) in Vietnam ließen Bidens Leute ihm während einer Pressekonferenz das Mikrofon abdrehen und Musik einspielen, als Biden nicht aufhören wollte, zusammenhangloses Zeug zu »labern« (ja, Mainstream-US-Journalisten verwenden das Wort »rambling«). Biden »scherzte« dann, er würde jetzt zu Bett gehen.

Ich verfolge diese Meldungen, und ich notiere in diesen Essays oft genug, dass es ist, wie es ist. Ich stelle fest, dass wenn so etwas in Ländern oder bei Politikern passieren würde, die von der Propagandafront der Konzerne nicht zu den »Guten« erklärt würden, man vor lauter Häme schäumen und laut kreischend lachen würde. Diese greisen Marionetten sind aber offenbar »nützlich«, also versteckt man ihre Untauglichkeit hinter der üblichen Fake-Moral.

Doch wissen Sie, wer ob dieses kuriosen Schauspiels keinesfalls bloß mit den Schultern zuckt?

Das Pentagon!

Eine vom US-Verteidigungsministerium beauftragte Studie warnt vor der Sicherheitsgefahr, die davon ausgeht, dass Leute wie McConnell Zugang zu Top-Secret-Informationen erhalten (theintercept.com, 12.9.2023).

Als weiteres Beispiel wird auch die 90-jährige Dianne Feinstein genannt, die ganz offensichtlich geistig abwesend ist.

Normal und gesund

Wir alle werden alt; das ist tatsächlich (bislang und absehbar) »alternativlos«. Ein Arzt sagte mir mal, der Mensch sei biologisch bis etwa zum Alter von 25 Jahren optimiert, und ab da sei es der profitable Job der Medizin, den Menschen möglichst lange vom Sterben abzuhalten (außer in Kanada, da empfehlen sie dir früher oder später den staatlich bezahlten Selbstmord).

Man muss nicht einmal »Verschwörungstheoretiker« sein, um zuzugeben, dass der US-Präsident allein erstaunlich wenig Macht hat (fragen Sie mal Herrn Trump). Joe Biden weiß anscheinend nicht einmal, wo er sich befindet oder wer ihm die Hosen angezogen hat. Es wäre vollständig absurd, wirklich zu glauben, dass er selbst »machtvoll« irgendetwas entscheidet.

Doch die Alterssymptome der amerikanischen Politgreise sind nicht wirklich das, was mich stutzen und diesen Text samt Begleit-Metapher schreiben lässt.

Die öffentlichen Fehlleistungen aufgrund des Alters sind auffällig, deshalb reden wir über sie.

Mich besorgen aber weit mehr all die Fehlleistungen von Verantwortlichen, die als »normal und gesund« gelten.

Hervor und an die Macht

Okay, ich weiß nicht, ob die »Erinnerungslücken« eines Herrn Scholz dem Mangel an geistiger Fitness oder an Moral geschuldet sind – eigentlich macht ihn beides ungeeignet für eine Position mit Verantwortung.

Doch all diese auffälligen Fälle sind eben das: auffällig.

Was, wenn die politischen Systeme, die wir im Westen geschaffen haben, schlicht »zu effizient« für uns sind?

Eigentlich sollte Demokratie die gemeinsame Klugheit fördern und an die Macht bringen. Ich betrachte das deutsche Regierungskabinett und ahne, dass dieses System etwas anderes hervor- und an die Macht bringt.

Das eigentliche Problem sind nicht Figuren wie Scholz, Steinmeier, Faeser, Baerbock, Hayali, Restle oder Böhmermann.

Das eigentliche Problem ist ein System, das diesen Figuren den Weg zur politischen und medialen Macht erlaubt oder sie sogar dorthin trägt.

Dieses »System« besteht aus Bauteilen, die so gut sind wie ihre Bildung, ihre Denkkultur, ihre seelische Stabilität.

Man sagt gelegentlich, dass eine zufällig aus dem Telefonbuch ausgewählte Gruppe von Leuten noch immer deutlich besser für das Land wäre als die aktuellen Gestalten in Regierung und Parlament.

Wir finden das lustig und auch gruselig, weil wir meinen, dass es stimmen könnte.

Mich gruselt die gegenteilige Vorstellung: dass es nicht stimmt.

Die Vorstellung, dass eine rein zufällige Auswahl von Gestalten das Land besser lenken könnte, enthält eine gewisse Hoffnung. Wenn wir die Leute nur irgendwie austauschen, kann es besser werden.

Doch wenn auch ein zufälliges Austauschen nicht helfen würde, dann muss das bedeuten, dass entweder die »große Maschine« komplett falsch gebaut ist, oder dass es schlicht nicht genug »funktionierende Bauteile« gibt. Das Ergebnis wäre dasselbe, und wir besichtigen es täglich in Politik und Propaganda.

Das profitable Bauteil

Diese »große Maschine« wird, wenn sie mit diesen Bauteilen auf die aktuelle Weise weiterbetrieben wird, absehbar auseinanderfliegen.

Vielleicht findet sich doch noch ein Weg, die Maschine rechtzeitig zu reparieren (allerdings »kämpfen« gewisse Bauteile sehr aggressiv gegen die Reparatur an – sie werden ihre Motivationen haben).

Vielleicht wird eine größere Maschine uns auseinanderbauen und die (dann nützlichen!) Bauteile sich selbst einbauen. (Darauf, so scheint es manchmal, könnten gewisse »Eliten« schon länger hinarbeiten. Prüfen Sie mal die Auslandskontakte ihrer »Lieblingspolitiker«.)

Für uns, die »Bauteile«, bleibt aber die Lehre: Kümmere dich um deine Fähigkeiten! Du willst eine glückliche, an Leib und Seele gesunde Einheit sein. Für dich bist du ja deine eigene, private »kleine große Maschine«. Jede »wirklich« große Maschine aber will, dass du ein nützliches, profitabel einsetzbares Bauteil bist. Diese Interessenlagen (auch »relevante Strukturen« genannt) gilt es unbedingt beide zu bedienen – so realistisch sollten wir sein.

Wenn du früh und klug genug handelst, ist beides möglich, sowohl für dich glücklich als auch für die »große Maschine« nützlich zu sein. Einsicht und Wille aber genügen nicht – es braucht die Handlung, die wirksame Tat.

Ja, die Lage ist vertrackt und manches macht Angst. Doch plötzlich einzufrieren ist keine Lösung!

Handle, handle klug und handle rechtzeitig, bevor diese große Maschine auseinanderfliegt (oder die Helfer dich abführen).

Weiterschreiben, Wegner!

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