Dushan-Wegner

05.02.2024

Wenn Lügen (nicht) wehtun

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten
Ja, wir Deutschen sind gespalten, unter anderem in die Leute, welche die Lügen des Tages ohne größere Schmerzen »glauben«, und die, denen Lügen brutal wehtun. Und beide Seiten wollen (und können) nicht zur anderen wechseln.
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Der Mensch spürt Radioaktivität nicht. Niemand von uns spürt sie. Wir haben keine Sinne, die unmittelbar auf Radioaktivität anschlagen, wie etwa auf Licht oder Schall.

Du spürst erst die Folgen und die Zerstörung deines Körpers durch Radioaktivität. Vor allem, wenn du zu viel davon abbekommen hast. (Und nicht immer weißt du gleich, dass es Radioaktivität war, die diese Schäden und Beschwerden verursacht hat.)

Dir wird, so habe ich gehört, erst übel. Du erbrichst dich und fühlst dich schwach. Dein Körper entwickelt die sogenannte Strahlenkrankheit, bei welcher der Körper dir einfach auf Kanälen sagt: »Ich mag nicht mehr.«

Irgendwann folgt der Krebs, und dann folgt, was eben auf Krebs folgt und was Norm McDonald das große »Unentschieden« nannte.

Aber nie, zu keinem Zeitpunkt, hast du die Radioaktivität selbst gespürt.

Die Geschichte vom Bösewicht

Stellen wir uns jedoch eine Welt vor, in welcher manche Menschen die Radioaktivität spüren und manche nicht. Ja, eine Welt, in welcher den meisten Menschen überhaupt nicht bewusst ist, dass dieser Unterschied existiert!

Eine Welt, in welcher einigen Menschen der Unterschied sehr wohl bewusst ist. Und unter diesen Menschen wiederum finden sich ein paar wenige, denen die unterschiedliche Wahrnehmung von Radioaktivität nicht nur bewusst ist, sondern die auch bereit sind, diesen Unterschied zynisch zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen.

Ein fiktives Szenario in dieser Welt: Ein Bösewicht verbreitet radioaktives Material in der Kanalisation einer Stadt, vielleicht weil er die Grundstücke der daran bald Verstorbenen billig aufkaufen will.

Einige der Menschen spüren die plötzlich allgegenwärtige Radioaktivität – und sie warnen davor. 

Doch der Bösewicht bezahlt daraufhin die »Journalisten« dieser Stadt, gegen die Empfindlichen (die »Mimosen«) zu agitieren.

Proteste werden organisiert, bei denen man auf die Leute schimpft, welche die Radioaktivität spüren, und wer auf diesen Protesten laut genug gegen die Warnenden anbrüllt, kriegt dafür eine radioaktive Bratwurst (gratis).

Lieber verstrahlt als verfemt?

Einigen derer, welche die Radioaktivität spüren, gelingt es, diese Wahrnehmung in sich zu unterdrücken und auf die Seite der »Guten« zu wechseln. Mehr noch als die Folgen der Radioaktivität fürchten sie nämlich, was man ihnen antun wird, wenn sie die Radioaktivität benennen. Bisweilen mutieren genau diese Selbstbelüger zu den aggressivsten Feinden derer, die die Radioaktivität wahrnehmen und auch benennen.

Doch die Folgen der Radioaktivität werden beide Gruppen treffen – die, die sie spürten, wie auch die, die sie nicht spürten.

Verschont bleiben wird einzig der Bösewicht, denn der wusste, was er tat, und also war er selbst zu allen Zeiten in Sicherheit.

Am ganzen Körper

Ich werde bald 50 Jahre alt sein. In einer Hinsicht aber bin ich noch immer wie ein ratloses, naives Kind: Ich kann zwar rational, aber nicht emotional verstehen, dass es Menschen gibt, denen die Lüge nicht wehtut.

Ich habe mir mal mit dem Brotmesser in die Hand geschnitten und erst mal interessiert zugeschaut, wie das Blut floss (bis sich dann natürlich der Schmerz doch noch einstellte). Wenn aber ein Mensch mir ins Gesicht lügt (ähnlich wie in jenem Solschenizyn zugeschriebenen Zitat: »Wir wissen, dass sie wissen, dass wir wissen, sie lügen, und trotzdem lügen sie weiter«), dann tut nicht nur eine Hand weh – das spüre ich im ganzen Körper!

Da draußen gibt es Menschen, Mitbürger – und nicht wenige! –, die spüren keinen Schmerz der Lüge.

Es gibt Menschen, denen kannst du sachlich vorführen, dass sie die Unwahrheit sagten oder dass sie Lügen aufgesessen sind, doch sie werden dir erwidern, dass in ihren Augen du der Böse bist – als ob das ihre Lüge weniger zu einer solchen machte.

Solche Menschen sind mir fremd.

Und doch leben wir mit ihnen zusammen.

Hunderttausende davon, vielleicht sogar Millionen, über die man sagen könnte: »Boah, der ist aber schmerzbefreit!«

Verheerende Folgen für alle

Die Drahtzieher hinter der Propaganda, die Chefs der Journalisten, die Finanziers der NGOs, die, sagen wir mal: »Mentoren« unserer hochintelligenten Politiker, die wissen genau, was die Folgen der Lügen sein werden. Und sie hetzen jene, welche die Lüge nicht schmerzt, welche die überhaupt nicht als solche wahrnehmen, gegen die von uns auf, für die jede Lüge ein Stich ist, eine Wunde schlägt und eine Narbe hinterlässt.

Wenn ich zu viele Lügen höre, etwa wenn ich mir eine Talkshow im Staatsfunk angucke, fürchte ich jedes Mal, ähnliche Symptome wie Strahlenopfer zu entwickeln: Übelkeit, Erbrechen und Krebs … mindestens an der Seele.

Doch die verheerenden Folgen der Lügen werden für alle und für beide Gruppen die gleichen bleiben. Außer natürlich für die Strippenzieher. Die haben ihre Schäfchen im Trockenen.

Am Ende werden wir alle verstrahlt, nicht nur die »Verstrahlten«.

Näher an die Realität

Ich sage euch eines: Ich will gar nicht wie die werden, denen die Lüge nicht weh tut.

Sicher, der Vorteil wäre weniger unmittelbarer Schmerz. Wie die vielen »schmerzbefreiten« Mitbürger könnte ich jeden Tag wieder all die Lügen hören und nachplappern, ohne dass mir jedes Mal ein Schmerz durch den Körper schießt.

Schmerz ist dazu da, uns vor Gefahren (etwa durch Wunden) zu schützen. Doch das ist »nur« ein praktischer Grund, warum ich gar nicht »Lügen-unempfindlich« werden wollte, wie offenbar mancher meiner Mitbürger, selbst wenn ich könnte. 

Speziell der Schmerz, den die Lügen in mir auslösen, hilft mir dabei, mein Denken näher an die Realität zu bringen. 

Das Denken näher an die Realität zu bringen, das nennt man auch »klüger werden«. Ich versuche, so gut ich kann, jeden Tag etwas klüger schlafen zu gehen, als ich aufgewacht bin. Und wenn das bedeutet, dass mir dafür die Lügen wehtun müssen, dann will ich diesen Schmerz nicht verlieren.

Aber, ganz offen und ehrlich: So klug will ja keiner werden, wie man heutzutage täglich in diesem Sinne klüger wird!

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