06.06.2021

Leben(slauf), auf Lügen gebaut

von Dushan Wegner, Lesezeit 8 Minuten, Foto von Utsman Media
Grüne (und linksgrüne Journalisten) verteidigen tapfer die Baerbock-Ehre. Man will den Ruf einer Person retten, die für so viel steht, was mit Politik nicht stimmt. Das Weltbild von Linken bleibt auf Lügen gebaut – und manchmal eben auch der Lebenslauf.
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Gehen drei Elefanten durch den Dschungel (ja, ich erzähle hier einen alten Witz aus dem Gedächtnis nach).

Sagt der erste Elefant: »Tröröö!«

Sagt der zweite Elefant: »Tröröö!«

Sagt der dritte Elefant: »Zzzzzzzzzzzzz…«

Fragt der erste Elefant den zweiten: »Was ist denn mit dem los?«

Sagt der zweite Elefant, auf den dritten deutend: »Das ist doch der Elefant, der aus einer Mücke gemacht wurde!«

Präventiv entschuldigen?

Hahaha, soviel zum Witz über den Elefanten, der »Zzzzz…« machte.

Ich habe den Eindruck, dass dieser Tage, im sprichwörtlichen Sinne, so manche Mücke zu einem Elefanten gemacht wird – und mancher Elefant zu einer Mücke!

Der Fake-Lebenslauf der selbsterklärten Völkerrechtlerin Annalena Baerbock, ist er eine Mücke oder ein Elefant? Es kommt drauf an, wen man fragt!

»Alle 90 Sekunden verliebt sich ein deutscher Journalist in Robert Habeck«, so wird Friedrich Merz zitiert.

Die ganze Wahrheit wäre hier, dass die ganze Partei der »gefühlten, also von Fakten wenig beschwerten Wahrheit« extra nah am Herzen einer gewissen Couleur deutscher Journalisten liegt.

Da wäre etwa ein Journalist namens Anton Rainer. (spiegel.de listet als erste Angabe zu ihm, dass er »Baujahr 1992« ist – und damit etwa freche 29 Jahre jung. Warum sagt man uns das? Soll es ihn gar präventiv entschuldigen?)

Dieser Herr Rainer twittert (und er klingt reichlich indigniert dabei): »Mit diesem Herumstochern in CV-Kommata offenbaren Baerbocks Kritiker in erster Linie ihre Faulheit. Diese »Recherchen« kosten nichts, bewirken nichts, bringen aber massig Likes aus der rechten Blase. Vor allem aber tun sie den Grünen nicht mal weh.« (@antonrainer, 5.6.2021/ archiviert)

Man übersetzte Herrn Rainers Missmut in die Sprache von Mücke und Elefanten: Die Recherche zum offenbar in weiten Teilen geflunkerten Lebenslauf der potentiell bald »mächtigsten Frau der Welt« (so zumindest nannte man Merkel) ist das »Herumstochern in CV-Kommata«, sprich: die Suche nach einer »Mücke«, welche von der »rechten Blase« zum Lebenslauf aufgeblasen wird. Er schreibt Recherche sogar in den Anführungszeichen des Ekels.

In seiner aufgebrachten Rage merkt Anton Rainer nicht, dass er implizit allen Wählern der Grünen moralische Verderbtheit und die Gleichgültigkeit gegenüber Lüge und Betrug diagnostiziert, indem er feststellt, dass es den Grünen »nicht mal weh« tun würde, wenn die »Völkerrechtlerin« sich als Hochstaplerin herausstellen sollte.

Es sind so viele

Das Spiegel-Magazin wird von keinem Menschen, den ich ernst nehme, noch ernst genommen. Eine andere Publikation, dann doch deutlich weniger abgedreht, titelt zur selben Causa: »Nach Vorwürfen – Baerbock präzisiert erneut Angaben in ihrem Lebenslauf« (welt.de, 6.6.2021)

Im Text selbst wird auf die Recherchen (oder, wie mancher beim Spiegel angeekelt sagt: »Recherchen«) des Journalisten Philip Plickert von der FAZ verwiesen (ja, es gibt noch kluge Köpfe hinter der FAZ, wenn auch bald auf einer Hand zählbar). Der hatte mal nachgefragt, was es etwa mit der angeblichen Mitgliedschaft Baerbocks beim »German Marshall Fund« auf sich hat.

Es stellte sich heraus, dass die Mitgliedschaft dort zwischen Hunderten und Tausenden von Euro im Jahr kostet, was sich Frau Baerbock offenbar auch trotz ihrer üppigen Coronazahlungen und sonstigen Einnahmen nicht leisten wollte (@PhilipPlickert, 4.6.2021). Nur kurz zuvor war ans Licht der Wahrheit gelangt, dass die von Frau Baerbock wahrheitswidrig behauptete UNHCR-Mitgliedschaft überhaupt nicht existiert. Im Thread (also den Tweets unter jenem Tweet), stellt sich heraus, dass es auch zu diversen weiteren Angaben in Frau Baerbocks Lebenslauf fragwürdige Stellen gibt – es sind so viele, dass es bald müßig wäre, sie einzeln aufzuzählen. (Bei tichyseinblick.de, 4.6.2021 werden 10 gelistet. Charmant ist etwa, wenn die angebliche Position als »Büroleiterin« zu »Gestaltung einer Homepage« schrumpft, also etwas, das meine 14-jährige Tochter just in diesem Moment, während ich dies schreibe, in eigener Sache tut.)

LL.M. vs. L.L.L.

Es gilt zu unterscheiden: »LL.M.« ist der Titel, den Frau Baerbock in London erwarb, bei einer Schule, die von Gates und Soros gesponsert wird (lse.ac.uk). Einer Schule, wo auch etwa eine Frau Jolie unterrichtet (lse.ac.uk; man kennt sie etwa aus »Tomb Raider« und ihrer Ehe mit Brad Pitt). Einer Schule, die sich vorwerfen lassen muss, »reputation laundering« für den chinesischen Konzern Huawei zu betreiben (opendemocracy.net, 13.2.2020). Eine Schule, wo Frau Baerbock nach einem Jahr (Kosten: 11.300 Euro, so focus.de, 29.5.2021) gewiss sehr intensiven Studiums im Fach Irgendwas-mit-Völkerrecht eine Masterarbeit ablegte, die leider, leider nicht mehr auffindbar ist (ich erinnere mich nicht so genau, was sie studierte – sie vermutlich auch nicht). Diesen Titel »LL.M.« hat Frau Baerbock bis jüngst auf eine in Deutschland nicht zulässige Weise geführt, nämlich ohne den Zusatz »London« (so plagiatsgutachten.com, 1.6.2021).

Der Titel »LL.M. (London)« der Frau Baerbock ist nicht zu verwechseln mit »L.L.L. (Berlin)«, denn der steht schlicht für »Lügen-Lebens-Lauf, mit dem man in Berlin offenbar gut Karriere und Kasse machen kann«.

Würden Sie, wenn sie Unternehmer wären, oder wenn Sie Angestellter wären und es um einen neuen Kollegen ginge, einen Menschen einstellen oder als neuen Kollegen haben wollen, der in seinem Lebenslauf an zehn Stellen blank die Unwahrheit sagt und mit Angaben flunkerte, die leicht prüfbar unwahr waren? Wie sollten sich die Kollegen einander vorstellen? »Susanne, die Ingenieurin. Max, der Verkäufer. Annalena, die notorische Lügnerin?«

Wenn und dass ihr Kanzler

Die Lügner und ihre Söldner in den Redaktionen bestreiten nicht mehr, dass die Lügner lügen, nein – es ist viel, viel schlimmer.

Ich habe in der Vergangenheit postuliert: Das Weltbild von Linken ist auf Lügen gebaut. – Es ist und bleibt faktisch korrekt. Man muss aber heute erweitern: Das Weltbild von Linken ist auf Lügen gebaut, wie auch mancher linke Lebenslauf.

Sogenannte »Verschwörungstheoretiker« beklagen sich heute, nur noch höchstens halb im Scherz, dass sie neue »Verschwörungstheorien« brauchen, weil die alten alle wahr wurden. Ich als Essayist könnte in ähnlicher Linienführung darüber klagen, dass manche meiner künstlerisch-polemischen Übertreibungen sich erschreckend bald als eine banal-präzise Beschreibung der Realität erwiesen.

2019 schrieb ich den Essay »Das Weltbild von Linken ist auf Lügen gebaut – doch was ist die Wahrheit?« – Darin formulierte ich: »Die Lüge muss sich nur »gut anfühlen« um geglaubt zu werden – die Wahrheit aber muss überprüfbar sein und auch überprüft werden.«

Es überrascht mich nicht, und doch ist es schockierend, wie linke Journalisten (leider völlig richtig) annehmen und radikal offen zugeben, dass es ihre Leser und grünlinke Wähler schlicht nicht interessieren würde, wenn und dass ihr Kanzler ein notorischer Dauerlügner wäre. Das Weltbild von Linken ist auf Lügen gebaut – und erschreckend viele von ihnen wissen es, und haben kein Problem damit.

Die Frage ist nicht mehr, ob die Lüge teil des »neuen Normal« ist – sie ist es. Die Frage ist, wie wir, denen die Lüge noch immer Schmerzen bereitet, damit umgehen.

Selbst um großen Preis

2017 schrieb ich den Essay »Eine Brücke über den großen Graben«, und darin dann: »Der große Debatten-Graben verläuft heute zwischen Konservativen, die ›einfach nur leben wollen«, und Linken, die empathielos ihre Ideologie durchsetzen.«

Es war richtig, es war zweifellos richtig. Und es ist stechend schmerzhaft, dass mein Wunsch von damals, diesen Graben kraft wohlgesetzter Worte bald überwinden zu können, sich nicht einmal einen Ameisenschritt weit seiner Erfüllung genähert hat.

Zu all dem aber – seien wir stets ehrlich! – war meine Beschreibung jenes Grabens geradezu naiv unvollständig. Derselbe Graben markiert einen weiteren, nicht unwichtigen Eigenschaftsunterschied: Wir sind Leute, welche die Lüge schmerzt, welche die Lüge für böse im wahrhaft biblischer Dimension halten, welche die Lüge für etwas halten, das selbst um großen Preis zu vermeiden ist, für etwas, dass jede Debatte zerstört und beendet, dass niemals nie nicht zur lapidaren Verfahrensweise der Macht werden darf. Für die aber ist die Lüge eine Lässlichkeit, ein Werkzeug, ein Mittel zum Zweck. Nein, ich will diesen Graben nicht überwinden.

Deren Begriff der Wahrheit ist, »was sich gut anfühlt«, und das ist etwas ganz anderes als das, was Sie und ich, was wir unter »wahr« und »gut« verstehen.

Ist keine Mücke

Ach, jener Witz ist so schön: Gehen drei Elefanten durch den Dschungel. – Sagt der erste Elefant: »Tröröö!« – Sagt der zweite Elefant: »Tröröö!« – Sagt der dritte Elefant: »Zzzzzzzzzzzzz…«

Nein, eine dreiste Lüge, den eigenen Lebenslauf betreffend, ist keine Mücke – erst recht nicht, wenn es um den Kanzlerkandidaten geht.

Wir werden ja schon länger regiert von Leuten, denen man kaum die Verwaltung eines Tabakladens anvertrauen würde. Das wissen wir, und wir mühen uns redlich, es zu ertragen, an diesem Irrsinn nicht selbst noch irre zu werden.

Neu ist aber, dass uns das Gehirn gewaschen wird (oder: gewaschen werden soll) dahingehend, dass nicht die Lüge uns schmerzt, sondern die Wahrheit, die den Mächtigen (und denen, die mächtig werden sollen) nicht in die Pläne passt.

Trörrörö oder Zzzzzz oder …?

So mancher Elefant, der sich heute Minister nennt, merkt doch gewiss schon länger selbst, dass er für die Gewissensgeplagten unter uns mehr so wie eine fiese Lügenmücke ist. Manches, was »Tröröö« sein soll, klingt uns mehr wie das fiese »ZZzzzzzz« der Lügenmücken.

Wenn die Lüge heute als »Mücke« gilt, und ihre Aufdeckung als das Aufblasen des Insekts zum Elefanten, dann bin ich gern im Team der »Mückenaufbläser«. (Spätestens wenn die Lügen nicht »nur« Lebensläufe grüner Funktionäre betreffen, sondern Viren und Impfungen, ist es ganz und gar nicht mehr »lustig«.)

Gehen drei Elefanten durch den Dschungel. Die einen blasen »Trörörö«, und die anderen »Zzzzzzz«.

Unsere erste Aufgabe aber, liebe Leser und Freunde auf dieser Seite jenes Grabens, unsere erste Aufgabe bleibt, dem Trampeln der Dickhäuter auszuweichen, ob sie nun »Trörrörö« blasen, oder »Zzzzzzz« oder nochmal etwas ganz anders.

»Weiterschreiben, Wegner!«

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