Dushan-Wegner

29.11.2023

Der Fall Ofarim, Kapitel 1: »mit den Tränen«

von Dushan Wegner, Lesezeit 3 Minuten, Bild: »Wohin?!«
Zentralrat der Juden 2021: »Die antisemitische Anfeindung gegen Gil Ofarim ist erschreckend. So wie zu hoffen ist, dass das [Hotel] personelle Konsequenzen zieht …« – Schockierend bis heute, wie easy »Konsequenzen« gegen Unschuldigen gefordert wurden.
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Dieser Essay ist der 1. Teil einer Trilogie zum Fall Ofarim. Im Schluss finden Sie den Link zum nächsten Text!

Spät im Jahr 2021 titelte focus.de: »Der Fall Ofarim zeigt, wie gewaltig das deutsche Antisemitismus-Problem ist.« (focus.de, 25.10.2021)

Schon die Einleitung schäumt vor gerechter Wut: »Der deutsche Sänger Gil Ofarim erfährt derzeit einen Shit-Storm der übelsten Art: Tausende Judenhasser versammeln sich im Internet und beschimpfen Ofarim antisemitisch. Das Problem ist nicht neu. Im Gegenteil: Antisemitismus ist urdeutsch – und reicht bis in die Mitte der Gesellschaft. Es ist zum Kotzen.«

Die Bilder über dem Wutstück sind eine Collage aus dem Stehsatz deutscher Propaganda: Menschenmenge mit Reichskriegsflagge. Der »deutsche Sänger Gil Ofarim« halb nah, halb von der Seite, gewiss wichtige Dinge redend, Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln – haben die da Fotos von WDR-Nazi-Darstellern gemacht? Und interessanterweise auch eine Menschenmenge mit der Palästinenserflagge und dem Palituch, bekannt etwa von Arafat, Hamas und Greta Thunberg.

Was war passiert?

»Pack deinen Stern ein«

Lassen Sie mich NTV zitieren, denn so dramatisch wie die Qualitätsjournalisten bekomme ich es nicht hin: »›Pack deinen Stern ein‹: Gil Ofarim erlebt Antisemitismus in Leipzig« (n-tv.de, 5.10.2021).

Im Intro dann: »Gil Ofarim will am Abend in einem Leipziger Hotel einchecken. Doch dazu soll es nicht kommen, weil er eine Kette mit einem Davidstern um den Hals trägt.«

Und dann: »Der 39-Jährige ist sichtlich bewegt von den Ereignissen.« »Während des zweiminütigen Videos kämpft Ofarim immer wieder mit den Tränen.« (ebenda)

Laut Herrn Ofarim wurde er in einem bestimmten Leipziger Hotel antisemitisch angegangen. Er und die deutsche Journaille nennen das Hotel gern beim Namen. Andere Gäste seien ihm in der Warteschlange vorgezogen worden, und ihm sei gesagt worden, er solle seinen Davidstern ablegen. Irgendwer soll gerufen haben. »Pack deinen Stern ein«!

Ofarim schreibt zu seinem Schluchz-Video: »Warum? Haben wir denn nichts aus der Vergangenheit gelernt? Bin sprachlos! Es ist nicht das erste Mal, aber irgendwann reicht es …«

Und es war nicht das erste Mal, dass Ofarim derart angegangen wurde in dem Deutschland, das, wie bei Focus gehetzt wird, urdeutschen Antisemitismus pflegt und also »zum Kotzen« ist.

Schon in der Schulzeit haben sie ihm, so berichtete Ofarim bereits 2018 bei »Hart aber fair« laut focus.de, Hakenkreuze auf die Schulbank geritzt und Tüten mit Hundekacke in den Briefkasten gestopft. Man habe ihm gedroht: »Weißt du, dass Dachau nicht weit weg von hier ist?«

Und jetzt das mit dem Hotel und dem Davidstern. Kein Wunder, dass Herr Ofarim davon nur unter Tränen zu berichten weiß.

Der Zentralrat der Juden ignorierte lässig die Prinzipien von Rechtsstaat und Demokratie und ging sofort zum medialen Angriff über.

Deren Chef, Dr. Josef Schuster, wurde auf Twitter zitiert: »›Die antisemitische Anfeindung gegen @GilOfarim ist erschreckend. So wie zu hoffen ist, dass das [Hotel] personelle Konsequenzen zieht, hoffe ich ebenso, dass wir künftig auf Solidarität treffen, wenn wir angegriffen werden.‹ #Antisemitismus« (@ZentralratJuden, 5.10.2023;archiviert, und während ich diese Zeilen schreibe noch online. Andere Instituionen löschen Ihre Tweets von damals aktuell; für einige Screenshots siehe @CK13TheTruth, 29.11.2023.)

Man beachte, dass der Zentralrat der Juden in Deutschland sich anzumaßen scheint, de facto die Kündigung und damit die wirtschaftliche und soziale Vernichtung des von Gil Ofarim beschuldigten Hotelmitarbeiters zu fordern.

Und das Hotel, offensichtlich eingeschüchtert, schien dem nachzukommen. Der betreffende Mitarbeiter wurde erst einmal »freigestellt«.

Jedoch, diese Angelegenheit sollte sich sehr anders entwickeln, und davon schreibe ich im nächsten Teil.

Weiterschreiben, Wegner!

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