Ihr kennt bestimmt den Film: »Und täglich grüßt das Murmeltier«. Im Englischen heißt er: »Groundhog Day«.
Es geht um einen TV-Moderator – genial gespielt von Bill Murray! –, der einen bestimmten Tag wieder und wieder und wieder durchleben muss. Und indem er diesen einen Tag wiederholt durchlebt, indem er Fehler zu vermeiden und Chancen zu nutzen lernt, wird er zu einem besseren Menschen.
Es hat seinen Grund, warum gleich mehrere Religionen diesen Film als Parabel für ihre Lehre beanspruchen, wobei es bei asiatischen Religionen mit ihrem Samsara natürlich offensichtlicher ist.
Samsara ist der Kreislauf mit den Wiedergeburten. Man muss allerdings wissen: Selbst wenn asiatische Theologie von einer »Hölle« berichten sollte – theoretisch braucht sie keine. Samsara, das hier, der Kreislauf, ist die Hölle – und die Erleuchtung bedeutet auch, dieser »Hölle« zu entkommen.
Brandstifter des Systems
Ich gab im Essay und Video von gestern zu Protokoll, dass ich eigentlich lieber andere Dinge diskutieren würde. Zum Beispiel asiatische Philosophie und was wir Westler davon lernen könnten. Doch, so meine Metapher: Wenn das Haus brennt, musst du die Flammen löschen, nicht die Farbe der Tapeten diskutieren.
Und ein »Brandherd« in diesem Sinne ist die kognitive Dissonanz der sogenannten Journalisten in Deutschland.
Gestern betrachtete ich bild.de als Beispiel. Heute drängt sich dasselbe mit focus.de auf.
Auf focus.de finde ich aktuell eine Meldung darüber, dass an einer Schule in Neuss, also im »toleranten« Nordrhein-Westfalen, von den Schülern eine »Scharia-Polizei« etabliert wurde, welche die Schule nach islamischem Gesetz organisiert: »Geschlechtertrennung, Gebetsräume, Kopfbedeckung für alle Frauen an der Schule und Ablehnung der Demokratie« (focus.de, 12.1.2023).
Der Innenminister von NRW wird dazu zitiert, wie er hilflos linksgrünes Blablabla daherschwätzt: »Wir müssen junge Menschen als Gesellschaft besser mitnehmen.«
Und zur gleichen Zeit wird bei focus.de gehetzt, dass man die AfD verbieten solle (focus.de, 13.1.2023), weil einige von ihnen mit Martin Sellner gesprochen haben sollen, der angeblich »nicht assimilierte Staatsbürger« durch Schikanen loswerden will.
Der Kampf wird brutaler
In Deutschland ist derzeit jeder Tag ein Murmeltiertag. Nur ohne Klavierlektionen wie im Film. Dafür, metaphorisch und ebenfalls wie im Film, mit Autos, welche die Klippen hinuntergesteuert werden, um mal herauszufinden, wie sich Sterben anfühlt.
Die Nachrichtenlage wird täglich übler. Leider wird mit jedem Tag, den Deutschland in Richtung Selbstzerstörung geht, der theoretische Weg zurück weiter und schmerzhafter. Doch zugleich wird der Kampf des Establishments gegen die, die ihn gehen wollen, brutaler.
Einer der Unterschiede zwischen Film und Realität: Am deutschen Murmeltiertag lernen die TV-Moderatoren nichts dazu – ganz im Gegenteil!
Deutsche Journalisten sind das paradigmatische Beispiel für jenen Aphorismus, wonach du einen Menschen nicht dazu bringen kannst, etwas zu verstehen, wenn sein Gehalt davon abhängt, es nicht zu verstehen.
Und deutsche Politik samt Staatsfunk und Propaganda erscheinen mir wie ein paradigmatisches Beispiel für die Brechtsche Weisheit: »Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher.« (Statt »Dummkopf« würden wir heute vielleicht »non player character« sagen.)
Oder, Freunde, um Bill Murray als Reporter Phil aus dem Murmeltiertag-Film zu zitieren: »Ich würde gern hierbleiben und mit euch reden … aber ich werd nicht.«
So viel für heute … morgen ist ein neuer Murmeltiertag, eine neue Runde in unserem deutschen Samsara.