Dushan-Wegner

01.09.2023

Seine Feinde und deren Mangel an Scham

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Bild: »Schlangen sind absurd.«
Im Fall Aiwanger geht es nur an der Oberfläche um ein 35 Jahre altes Schriftstück. Im Kern geht es um schamlose politische Akteure, die davon überzeugt sind, dass zwecks Vernichtung ihrer Gegner keine moralischen Grenzen existieren.
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Eva sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre. Der Baum war hübsch und verlockend und machte den, der von ihm aß, klug. Doch es war verboten, von ihm zu essen.

Eva nahm, aß und gab auch ihrem Mann Adam, der gerade bei ihr war. Adam aß ebenfalls von der Frucht des Baumes. Liebe geht durch den Magen (und manchmal auch die bald folgende Verbannung aus dem Paradies).

Und was passierte dann, nachdem Adam und Eva von der verbotenen Frucht gegessen hatten?

Wir lesen es in 1. Mose 3:7: »Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.«

Falls Sie nicht wussten, woher der Ausdruck »Feigenblatt« kommt, mit welchem man eine beschämende Angelegenheit notdürftig zu bedecken versucht – jetzt wissen Sie es!

Für gewisse Sachverhalte aber würden nicht einmal die Blätter eines ganzen Feigenbaumes genügen, so beschämend sind sie – womit wir natürlich bei der Tagespolitik wären.

Ein ehemaliger Lehrer

Wir lesen dieser Tage täglich die Nachrichten, wir ärgern uns, und ich zumindest frage mich: Schämen sich diese Leute denn gar nicht?

Die Affäre mit Herrn Aiwanger klärt sich aktuell ein wenig – immerhin steht wohl fest, wer ihn 35 Jahre später denunzierte. Es ist ein ehemaliger Lehrer, der schon mal für die SPD kandidiert hatte (apollo-news.net, 31.8.2023).

Man findet im Internet ältere Berichte, die seinen idyllischen Garten beschreiben und seine älteren Kommentare zur bayerischen politischen Großwetterlage.

Die politische Hetzjagd der Zeitung, deren Kürzel nicht für »Stasi-Zentralorgan« steht, baut wohl auf 35 Jahre alten Dokumenten auf, welche jener Deutschlehrer beiseite schaffte und nun – gegen alle Datenschutz-, Jugendschutz- und Anstandsprinzipien – im Wahlkampf platzierte.

Dass er alte Dokumente sammelte, ist kein Geheimnis. Blogger wie Alexander Wallasch tragen die Internet-Fundstücke zum Ex-Lehrer zusammen (alexander-wallasch.de, 31.8.2023). Es ergibt sich das Bild eines Mannes, der über Jahre kistenweise Dokumente hortete, die eigentlich vernichtet werden sollten – und der auch noch darauf stolz war.

Laut aktuellen Berichten von Aiwanger-Mitschülern schien der ehemalige Lehrer wohl Aiwanger politisch erpressen zu wollen. Laut focus.de, 30.8.2023 hatte er bei Aiwanger-Mitschülern quasi nach Mitverschwörern gesucht, weil er befand, es sei »an der Zeit, die braune Socke Aiwanger zu stürzen«.

Demokratische Debatte? Geltendes Recht? Jugendschutz? Datenschutz? Blanker Anstand?

Das alles interessiert den brettharten Ideologen mit den Feigenbäumen am akkuraten Einfamilienhaus nicht.

Er versteht sich mit der SPD.

Und er schämt sich nicht.

Für nichts.

Das sollen die Guten sein?

2017 schrieb ich einen Vierteiler über die SPD, dessen Titel eine verwunderte Frage war: »Das sollen die Guten sein?« (Teil 1Teil 2Teil 3Teil 4)

Bei aller machtpolitischen Gewieftheit ist die SPD intellektuell eigentlich nur in einem Punkt interessant, nämlich der vollständigen moralischen Verwahrlosung, die man denkbar fadenscheinig hinter moralischen Forderungen zu verstecken sucht.

Seit jenen Texten ist die SPD moralisch ja eher tiefer abgerutscht! Man denke nur an Namen wie »Scholz«, »Steinmeier« oder »Chebli«. Man denke auch an die Beziehungen zu den Wohlfahrtskonzernen, für deren Profite an den »jungen Männern« man bereit ist, ein ganzes Land sozial und geselllschaftlich zu zerstören. Man denke an den riesigen Propaganda-Apparat, der die SPD über der 5-Prozent-Hürde hält. Und so weiter.

Auch nach Jahren essayistischer Tätigkeit schockiert mich die Schamlosigkeit der SPD-Politiker und ihrer »parteilosen Genossen« immer wieder.

Sogar Mafiabosse gehen, wenn die Bücher und Filme stimmen, regelmäßig zur Beichte, weil sie sich dann doch ein wenig ob ihrer Taten schämten.

Was ein richtiger Genosse ist, für den sind er und die Moral derart verschmolzen, dass kein Schamgefühl möglich ist. Auf eine gewisse Art sind Genossen wie Säuglinge: Neben der ihnen relevanten Struktur können sie sich keine weiteren relevanten Strukturen vorstellen, insofern wähnen sie sich immer gerechtfertigt, weshalb sie sich auch nie schämen.

Und doch (nicht)

Nachdem Adam und Eva die verbotene Frucht gegessen hatten, wurden sie klug. Deshalb merkten sie, dass sie nackt waren. Und weil sie klug waren und ihre Nacktheit bemerkten, schämten sie sich.

Die SPD ist und bleibt »intellektuell unwichtig«. Bei aller Perfidie und Abgezocktheit bleibt das Denken der Genossen eher schlicht gestrickt.

Die SPD ist zuallererst als Lehrstück brauchbar; zur Anschauung, wie ein Mensch nicht denken und handeln sollte.

Moralisch nackter als Scholz & Co. kann man kaum sein. Und doch schämen sich diese Leute nicht.

Wir haben verschiedene Begriffe für Menschen, die sich ihrer Nacktheit nicht schämen – Verrückte, Betrunkene, Triebtäter. Man sollte sich bemühen, nicht zu sein wie die. Wie sollen wir die politisch Schamlosen nennen?

Wir werden Leute wie den denunzierenden Ex-Lehrer nicht zur Scham »bekehren«. Seine Schamlosigkeit nützt den regierenden Politikern. Die Staatsanwaltschaft wird nicht gegen ihn ermitteln (dürfen?). Als SPD-Freund wähnte er wahrscheinlich ohnehin, dass er und das Gute zusammenfallen.

Werkzeug und Freund

Wer klug ist, so sagt die Bibel, der erkennt seine Blöße, schämt sich ihrer und bedeckt sie. Wer seine Blöße schamlos auf den Straßen und Plätzen zeigt, ist blind für die eigene Nacktheit, und diese geistige Blindheit ist kaum »klug« zu nennen.

Auch heute bleibt die Lehre: Seid nicht wie die Politiker, die moralisch nackt sind, doch ihre moralische Blöße ohne Scham zur Schau tragen.

Ordnet eure Kreise, und was noch nicht geordnet ist, darüber hängt ein paar Feigenblätter, bis es geordnet ist.

Eure Scham sei euch Werkzeug und Freund! Lasst eure Scham nicht abstumpfen, tötet sie nicht ab. Werdet nicht wie die Schamlosen, die ihre Blöße zur Schau tragen, auf dass andere sich für sie schämen.

Werdet besser, arbeitet an euch, auf dass ihr euch zumindest vor euch selbst wirklich nicht mehr schämen müsst.

Weiterschreiben, Wegner!

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