Dushan-Wegner

03.11.2023

Nicht des Weltglücks Schmied

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten
Jeder ist seines Glückes Schmied, so sagt die Redensart. Man beachte das Wort »seines«. Der deutsche Versuch, der Schmied des »Weltglücks« zu sein, ist geradezu tragisch – und kann einfach nicht funktionieren. (Video und Essay)
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Ich habe den folgenden abgedrehten Gedanken gehört, inzwischen sogar mehrfach, und zwar: »Wir sollten ausländische Kriminelle nicht abschieben«, so dieser Gedanke, »denn wenn sie im Ausland sind, sind sie dort ja weiterhin kriminell.«

Wahlweise hört man das Gleiche mit Islamisten oder Antisemiten, und die Implikation ist: »Deutsche sind Deutschland gegenüber nicht in höherem Maße verantwortlich als anderen Ländern gegenüber.«

Kriminelle dorthin zurückzuschicken, wo sie herkommen, gilt gewissen linken Denkern als geradezu böse.

Ich habe es von Feuilletonisten gehört, von Akademikern, von »Geisteswissenschaftlern«. Eigentlich möchte man das ja gar nicht ernst nehmen – natürlich nicht. Aber diese verrückten Ideen, sie beeinflussen die Politik.

Wir unterschätzen manchmal, wie sehr Politiker mit ihren halbstabilen Doktorarbeiten sich nach akademischer Autorität sehnen. Und wenn diese akademische Autorität ihnen zudem noch bestätigt, was auch gewisse andere Interessen sich wünschen, dann wird das schon mal umgesetzt.

Glück für alle …

Es ist offensichtlich falsch.

Aber warum genau? Ich würde die Art und Weise, wie die darauf kommen, erklären als einen »primitiven Utilitarismus«.

Utilitarismus ist eine ethische Theorie, nach welcher das Gute das ist, was das größte Glück für die größte Zahl von Leuten bewirkt. Und im Umkehrschluss: Das Gute versucht, für möglichst viele Menschen Unglück zu vermeiden. In diesem Fall aber wird die Zahl der Leute, die es betrifft, global gesehen.

Damit ist es völlig egal, ob man einem Menschen bei uns oder am anderen Ende der Welt etwas Gutes tut. Das generelle Problem aller ethischen Theorien ist, dass sie versuchen, etwas zu systematisieren, was nicht immer systematisch ist. Gut und Böse sind emotionale Bewertungen.

Philosophen nennen es Intuition. Sie erheben ein Gefühl zu einem Wert und damit zu einer Wahrheit mit oft universellem globalen Anspruch. In diesem Fall aber, mit diesen ganz speziellen abgedrehten Thesen, haben wir das Problem, dass sie nicht einmal dann plausibel wären, wenn man einen globalen Anspruch für ethische Handlungen betrachten würde. Ich tue das nicht – nicht, dass wir uns missverstehen.

Ich denke nicht, dass der Mensch seinem Nächsten gegenüber dieselbe Verantwortung hat wie gegenüber den Menschen auf der anderen Seite der Erdkugel. Aber nehmen wir mal an, man täte es. Selbst dann würden diese Thesen nicht funktionieren.

… made in Germany?

Gesetzt den Fall, Deutschland folgt diesen Feuilletonisten und Akademikern und gibt allen kriminellen Islamisten und Antisemiten der Welt ein Zuhause. Dadurch wird es keinen einzigen kriminellen Antisemiten oder Islamisten weniger geben, weltweit. Im Gegenteil.

Auch wenn wir die Antisemiten oder Kriminellen von dort nach Deutschland bringen und vollversorgen, gibt es dort dasselbe Problem ja weiterhin. Aber jetzt helfen wir, ein Netzwerk zu bauen. Wir stärken die Netzwerke der Kriminellen.

Wir reduzieren nicht die Zahl der Antisemiten, wir verstärken aber deren globales Netzwerk. Ich habe von deutschen Intellektuellen sogar schon gehört, besser diese Leute verüben ihre Verbrechen in Deutschland als im Ausland. Warum soll das besser sein? Ist die deutsche Polizei wirklich härter gegenüber diesen Verbrechern als die Polizei in ihrem Heimatland? Ich habe Zweifel.

Es ist linker Hass auf das Land, von dessen Steuern und Institutionen sie leben.

Volksweisheit schlägt Elfenbeinturm

Es gibt durchaus ethische Konzepte, die sich näher am realen Ethikbegriff realer Menschen orientieren. Da wäre etwa das Prinzip der Ethics of Proximity.

Da wären die Expanding Circles des für andere Thesen bekannten Peter Singer. Da wären Aristoteles, Hume, Nagel, welche alle ihre Ethikphilosophien unter Berücksichtigung der menschlichen Beziehungen zu den Nächsten und den Nahen aufsetzen. Doch es braucht gar nicht hohe Theorie.

Die einfache Volksweisheit schlägt auch hier alle weltfremden Elfenbeinturm-Theorien. Wir haben ja diese Redensarten, z. B.: Jeder soll zuerst vor der eigenen Haustür kehren.

Die Redensart sagt nicht, die Deutschen sollen die Haustüren der gesamten Welt kehren, und wenn sie das nicht können, sollen sie die Haustüren nach Deutschland holen, was auch immer das bedeutet. Wir sagen, das Hemd ist näher als der Rock. Das Hemd war früher das am Leib Getragene und der Rock die Außenkleidung.

Der Mensch muss sich zuerst um das kümmern, was ihm nahe ist; was weiter fort ist, muss er auch mal loslassen. Jeder ist seines Glückes Schmied, sagen wir. Nicht die Deutschen sind des Weltglücks Schmied.

Am Ende schlimmer

Im Buch »Relevante Strukturen« beschreibe ich, dass uns manche Strukturen relevanter sind als andere. Und für genau die sind wir ethisch zuerst verantwortlich. Das ist das Wesen der Ethik, darin besteht sie.

Wir leben in Zeiten, in denen von sogenannten Ethikern und Intellektuellen der übelste ethische Unfug erdacht wird. Ich denke etwa an die Ethiker im Kontext des legalen Unrechts während der Corona-Panik. Wenn Ethiker und Intellektuelle sagen, was die Regierung hören will, werden sie in Deutschland wahrscheinlich Karriere machen.

Wenn Globalisten hören wollen, dass Deutschland die eine All-inclusive-Heimat für die Kriminellen der Welt sein soll, wird man von diesen Thesen leben können. Machen wir uns da nichts vor. Das Problem mit den ethischen Konzepten der Weltrettung durch Selbstopfer ist aber, dass sie die Welt tatsächlich am Ende schlimmer machen.

Selbst wenn man sagt, es geht um die gesamte Welt, wir müssen Deutschland vergessen – es würde nicht funktionieren. Wenn man radikale Netzwerke global ausbaut und stärkt, wie kann das ethisch gerechtfertigt sein? Egal, unter welchen Prämissen.

Jeder hindurchtrampeln

Ich sage metaphorisch, poetisch, ein jeder grabe seinen eigenen Garten um. Wer einen eigenen Garten hat, macht das ja auch tatsächlich. Und dann hat jeder das Recht, alle aus seinem Garten herauszuhalten, die vielleicht ein paar Blumen klauen wollen, die vielleicht woanders ihren eigenen Garten haben, die hinein wollen in den Garten, ohne hereingebeten worden zu sein.

Lasst uns das probieren: offene Gärten, durch die jeder hindurchtrampeln kann – oder geschlossene Gärten, für die jeder selbst verantwortlich ist. Und dann lasst uns schauen, was besser funktioniert.

Nur wenn jeder seinen eigenen Garten bestellt, können wir voneinander über die Gartenkunst lernen. Lasst uns viele Blumen in vielen Gärten sprießen lassen. Und dann lasst uns der Blumen wegen einen schönen, starken Zaun um die Gärten bauen.

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