Dushan-Wegner

19.03.2024

Wokeness und Unglücklichsein (neue Studie)

von Dushan Wegner, Lesezeit 5 Minuten, Bild: »Die richtige Strecke entlang«
Neue Studie belegt: »Wokeness«, also überall nur Benachteiligung und Diskriminierung zu sehen, ist mit Depression, Unglücklichsein und Beklemmung verbunden. Verantwortung zu übernehmen ist nicht »woke« – macht aber zufriedener mit sich und dem Leben!
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Zu meinen liebsten Meldungen gehören jene, die mit »laut einer Studie« beginnen und dann etwas vermelden, was wir eigentlich alle schon immer wussten, dass jetzt aber nun auch mit dem Stempel der wissenschaftlichen Erkenntnis verkündet werden kann.

Eine solche aktuelle Meldung lautet: »Eine Studie finnischer Wissenschaftler hat festgestellt, dass ›Woke‹ unglücklich sind.«

»Woke«, das bedeutet so viel wie »aufgewacht«, »wach«, »aufmerksam« oder »wachsam« (siehe Wikipedia). (»Woke« ist dasselbe Wort wie im englischen Satz »he just woke up«, »er ist gerade aufgewacht«. Es wird [woʊk] (etwa: »uouk«) ausgesprochen.)

»Woke« Zeitgenossen meinen, dass sie besonders sensibel gegenüber Ungerechtigkeit und Rassismus und Sexismus und anderen Arten von Diskriminierungen sind.

Und eigentlich ist es eine gute Sache, sensibel zu sein für Ungerechtigkeit und dann auch für deren Behebung zu streiten, kein Zweifel!

Das konkrete Problemchen an der »woken« Bewegung ist, dass bei deren Blick in den Abgrund dieser in die »Woken« zurückblickt.

In Regenbogenfarben geschmückt

Konzerne und Politiker stellten fest, dass sich mit der »woken« Problematisierung gut von anderen moralischen Problemen und eiskalter Geschäftemacherei ablenken ließ.

Wer sich als »woker« Konzern in Regenbogenfarben schmückt (aber nur in Ländern, in denen Homosexuelle ohnehin nicht mehr diskriminiert werden, nicht in der arabischen Welt, klar), der kann mit »woke capitalism« etwa davon ablenken, dass seine Produkte in Quasi-Sklavenarbeit hergestellt und mit absurden Gewinnmargen verhökert werden.

Doch auch für das »woke« Individuum bieten sich gewisse Vorteile durch die dauernde Sensibilisierung gegenüber allen möglichen Ungerechtigkeiten.

Da wären natürlich die wirtschaftlichen Vorteile: Einigen Individuen, die ansonsten nur wenige finanziell verwertbare Fähigkeiten haben, gelingt es, durch demonstrative »Wokeness« irgendwo als bezahltes Wokeness-Pflasterchen mit Zeitvertrag unterzukommen.

Doch auch ganz ohne finanzielle Motive hat es Vorteile, »woke« zu sein, nämlich psychologische Vorteile.

Nicht von ihm selbst

Wer eine Ungerechtigkeit in eigener Sache ausmacht, könnte darin eine Rechtfertigung suchen, auch vor sich selbst, warum sein ausbleibender Erfolg nicht von ihm selbst zu verantworten ist.

In entsprechenden Strukturen kann es zu Bevorzugung und geldwerten Vorteilen gehören, im Sinne der »wokeness« sich als benachteiligt zu deklarieren.

(In der Kurzgeschichte »Lucy, ich und unser Eskimo-Baby« habe ich letztes Jahr solche Strategien noch persifliert. In der Zwischenzeit wurde mir etwa aus Kanada berichtet, dass dort die Zugehörigkeit zu »geschützten Kategorien« etwa an Universitäten grundsätzlich Einstellungsvoraussetzung ist. Das führt dazu, dass sich in manchen Kontexten quasi alle Bewerber etwa als »bisexuell« oder »genderfluid« einsortieren – weil sie sonst schlicht keine Chance auf eine Einstellung hätten. Und ja, es gibt Berater, die Jobsuchende vorab entsprechend beraten.)

Doch das Aufzeigen von Ungerechtigkeit in der Gesellschaft kann einem vorübergehend auch ein Gefühl von Autorität oder moralischer Besserstellung bescheren, für das man sonst Jahre oder Jahrzehnte an Arbeit und Disziplin investieren müsste.

Wenn also demonstrative »Wokeness« so viele praktische Vorteile hat und »Woke« im Bewusstsein leben können, die Welt täglich besser zu machen – müssten »Woke« dann nicht besonders glückliche und zufriedene Menschen sein?

Wer jemals »woke« Menschen persönlich erlebt hat, der spürt, dass diese Menschen unzufrieden sind, gehetzt und unglücklich.

Schon noch glücklich

»Wokeness« wirkt wie eine jener Sekten, deren Jünger zwar unglücklich sind, sich aber überzeugt haben, dass sie schon noch glücklich würden, wenn sie nur genug weitere Jünger für ihre Sache rekrutieren.

Und nun haben Psychologen in Finnland in großen Studien ganz offiziell herausgefunden, was wir alle irgendwie wussten: »Wokeness« macht unglücklich.

Oder genauer: »Wokeness« und Unglücklichsein gehen Hand in Hand.

Bei wiley.com, 14.3.2024 finden sich die ausführlichen Ergebnisse der Studie, bei nypost.com, 17.3.2024 eine einfach gehaltene englischsprachige Zusammenfassung.

Für diese komplexe Studie wurden Tausende Freiwillige zu klassischen »woken« Thesen befragt. Und es wurden auch ihre Status bezüglich Glück, Depression und »Anxiety« (etwa: Beklemmung, Ängstlichkeit) nach bewährten psychologischen Methoden festgestellt.

Und siehe da: Die klarsten Ergebnisse ließen sich bei einer extrem »woken« These ablesen, nämlich: »Wenn weiße Menschen durchschnittlich ein höheres Einkommen haben, dann liegt das an Rassismus.«

Die hohe Zustimmung zu dieser Frage ging erkennbar mit weniger Glücklichsein, mehr Anxiety und mehr Depression einher. (Ähnlich übrigens wie wenn Befragte sich selbst als »woke« kategorisierten.)

Soweit die Wissenschaft.

Erlaubt mir bitte eine Deutung!

Nicht zu viel Realismus

Man könnte als »philosophische« These vermuten, dass »woke« Menschen die Welt eben realistischer sehen. Und dass, wer die Welt realistischer sieht, bisweilen schlechter drauf ist, wer wollte das bestreiten?

Doch aus persönlicher Erfahrung wissen wir, dass »Woke« sich nicht selten eine ganz eigene Welt erfinden, die wenig Entsprechung in der Realität findet (mit Dutzenden von Geschlechtern und so weiter).

Das Unglücklichsein der »Woken« liegt also nicht an zu viel Realismus.

Zuerst ausgeliefert?

Es ist bekannt, dass sogenannte Agency (auf Deutsch etwa: »Handlungsfähigkeit«) ein wesentlicher Glücksfaktor ist.

Ein Mensch, der nicht das Gefühl hat, selbst Herr seines Schicksals zu sein, wird daran unglücklich werden.

Freiheit bedeutet, mit seinen Handlungsmöglichkeiten zufrieden zu sein.

Der linke Wettbewerb um den ärgsten Opferstatus setzt voraus, dass der Einzelne nicht für seinen Erfolg und Misserfolg verantwortlich, sondern grundsätzlich zuerst seiner jeweiligen Opferkategorie ausgeliefert ist.

Tatsächlich benachteiligte Individuen suchen und finden oft genug für sich einen Weg, Widerstände und Hindernisse zu überwinden. Auf diese Weise können tatsächlich benachteiligte Menschen sich frei und stark fühlen, oft freier und stärker als mancher, der mit dem berühmten »goldenen Löffel im Mund« geboren wurde.

Der »woke« Wettbewerb um die ärgere Benachteiligung hingegen bewirkt das Gegenteil: Statt Verantwortung zu übernehmen, suchen »Woke« nach Ausreden, nach Opferkategorien. Im »woken Idealfall« gehört ein Mensch gleich mehreren Opferkategorien an. Beispiel: lesbische, depressive Transgender-Person-of-Color. Das nennt man dann »Intersektionalität«.

Ein jeder von uns

Wer anderen die Verantwortung für seine eigenen Handlungen und Erfolge aufbürdet, wird darin nicht glücklich werden.

Ein jeder Mensch ist irgendwie benachteiligt, und sei es zuletzt durch die »conditio humana« – durch unsere Sterblichkeit.

»Wokeness« macht unglücklich, das wissen wir jetzt auch mit wissenschaftlicher Bestätigung. Ausredensuchen macht depressiv und ängstlich.

Für uns aber ist die Lehre aus der Geschichte: Seid nicht wie die »Woken«, die Linken, die Ausredensucher: Übernehmt Verantwortung, handelt selbst – und handelt mutig!

Weiterschreiben, Wegner!

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