21.10.2022

Haben Sie von Stuttgart gehört?

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Foto von Johny Goerend
In Stuttgart haben sie eine Waffenverbotszone, und ja, die Zahl der Messerdelikte steigt dort. Keine Woche vergeht ohne Meldung über Messergewalt und Schlimmeres in Stuttgart. Und womit beschäftigt sich die Politik? Richtig. Mit Tampons auf Männerklos.
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Stuttgart ist eine schöne, schwäbische Stadt. Stuttgart ist auch eine kluge Stadt. Die Politiker in Stuttgart sind tagaus, tagein mit den wirklich wichtigen und also auch dringenden Dingen beschäftigt – womit auch sonst?

Und, in Stuttgart hat man zu alldem auch noch relativ großes Geld für relativ kleine Sanitärartikel übrig.

Auf den Toiletten im Rathaus wollten sie Tampons bereitstellen, weil das für menstruierende Personen in entsprechenden Notlagen das Leben sehr erleichtert.

So weit, so sympathisch.

Beinahe hätte ich aber im vorigen Satz statt »Personen« noch immer wie früher »Frauen« gesagt. Damit hätte ich mich aber als Ewiggestriger ge-outet!

Heute sagt man nicht »Frauen«, sondern »menstruierende Personen«. Und weil dies begriffslogisch offenbar auch Männer umfassen kann, hat man im Männerklo des Stuttgarter Rathauses nun einen Tamponspender installiert (rnd.de, 20.10.2022).

Die erste Frage ist, warum man das tat – siehe oben. Die zweite Frage aber könnte sein, warum das bitteschön stolze 10.000 Euro kostete (so dasding.de, 20.10.2022). Ich vermute ja – ohne jede Grundlage außer meines Zynismus – dass man 80 Euro für die Automaten samt Anbringung zahlte, 20 Euro für die Befüllung, und 9.900 Euro für Diversity-und-Gender-Beratung an eine »Agentur« mit guten Kontakten zu den Grünen. Aber, ach, 10.000 Euro für zwei Gender-Tampon-Verteiler wären noch ein Schnäppchen – in Karlsruhe und Heidelberg werden offenbar 20.000 Euro für die Tamponverteilung bereitgestellt (rnd.de, 1.9.2022).

Es gibt aber noch eine dritte Frage (die ich ähnlich auch in Essays wie »Abstieg und Ablenkung« vom 6.7.2022 stellte), und die eigentliche Frage hinter so mancher Meldung heute ist: Wovon lenkt das gerade nützlicherweise ab?

Wir sprachen von Gegensätzen

Natürlich wissen die Politiker, die zigtausende Euro Steuergeld für Männertampons ausgeben, dass es zu Widerspruch und kontroversen Debatten führen wird.

Stören die Politiker sich an den Debatten?

Versuchen sie, die Kontroversen zu vermeiden?

Ach nein – ich bitte Sie!

Tamponautomaten in Männerklos, vom Steuergeld absurd teuer finanziert, sind der Politik durchaus nützlich: Kontroverse Debatten ziehen die Aufmerksamkeit auf sich – und damit ziehen die Debatten von anderen Angelegenheiten ab.

Ein paar Meldungen

Von welchen Angelegenheiten könnte man in Stuttgart ablenken wollen?

Hmm, lassen Sie mich schnell mal gucken.

Oh, da sind ja ein paar Meldungen, die gewisse Kreise ganz schön das Heile-Welt-Narrativ verderben könnten.

  • »Stuttgart: 24-Jährige von zwei Männern vergewaltigt(t-online.de, 19.10.2022)
  • »Stuttgart: Zwei Messer-Attacken nach Club-Besuch« (bild.de, 16.10.2022)
  • »Waffenverbotszone in Stuttgart – Polizei: Zahl der Messerdelikte steigt stetig« (stuttgarter-nachrichten.de, 10.10.2022) (Es bleibt auch weiter geradezu niedlich, wie Stuttgart die Messerdelikte in den Griff bekommen will, indem sie die Messer einfach verbieten. Vielleicht sollten sie die Kriminalität allgemein, dazu das Sterben und die schlechte Laune verbieten, dann ist Stuttgart von jetzt auf gleich ein wahres Paradies!)
  • Stuttgart-Feuerbach: »Prozess um Messerstiche in Feuerbach: Vier Männer sollen 22-Jährigen ermordet haben« (swr.de, 2.6.2022)
  • »Prozess vor dem Landgericht Stuttgart: Mit dem Messer bedroht und zum Sex gezwungen« (krzbb.de, 18.10.2022)
  • Stuttgart: »Mann sticht Ehefrau mit Messer nieder – Zeugin verhindert Schlimmeres« (t-online.de, 22.9.2022)
  • »Vorfall in Stuttgarter S-Bahn – Reisende beleidigt und mit Messer bedroht« (stuttgarter-nachrichten.de, 17.10.2022)
  • »Mann bedroht Frau mit Messer: Zwei Polizisten verletzt« (zvw.de, 20.9.2022)

Ich unterbreche die Liste hier. Man könnte buchstäblich Seiten füllen mit Meldungen von Messergewalt in Stuttgart und Umgebung.

»Teile der Kommunalpolitik«

Wie schräg ist die Lage? Sogar der Oberbürgermeister von Stuttgart (CDU) kommentiert die Männertampons eher kritisch: »Die aktuelle Debatte in den Medien zeigt, wie weit sich Teile der Kommunalpolitik von den wirklichen Sorgen und Nöten der großen Mehrheit der Menschen entfernt haben.« (rnd.de, 20.10.2022)

Die Grünen, die treibende Kraft hinter den Stuttgarter Männertampons, sind auch die treibende gesellschaftliche Kraft hinter bestimmten deutschen Lebenslügen, die zu täglichen Messerattacken und Gewalt gegen Frauen und die Schwächsten der Gesellschaft führen.

Charles Dickens erzählte einst eine »Geschichte aus zwei Städten«. Über Deutschland zu sprechen, etwa über Stuttgart, bedeutet heute immer auch, über zwei Realitäten zu sprechen.

Die eine Realität ist die auf den Straßen, die andere Realität ist die in den örtlichen und geistigen Enklaven gewisser kulturell einflussreicher Kreise.

Die reale Realität der (nicht ganz so reichen) Bürger versus die abgedrehte Realität der (zuverlässig wohlbetuchten) linksgrünen Politiker, deren Konsequenzen so schön kontrovers sind und von echten, tödlichen Problemen ablenken.

Die Realität, anhand derer Entscheidungen von Tampons auf Männerklos bis zur De-Industrialisierung für den Umweltschutz getroffen werden, ist eben nicht im konventionellen Sinne unumstritten real – doch die realen Folgen von Handlungen, die auf irrealen Prämissen basierten, können verheerend sein – und immer mehr Bürger spüren es schon heute.

Deutschland ist ein Land der zwei Realitäten, von denen eine eben mehr real ist und die andere nicht ganz so.

Die Realität räuspert sich

Wer im Sozialismus lebt, der weiß, dass man sich nur so und so lange mit einer Fake-Realität beschäftigt halten kann, bis die reale Realität sich räuspert und sich doch wieder zu Wort meldet.

Eine Zeitlang können Teile von Deutschland noch das Spiel spielen, das Grüne für »Realität« halten, mit Unterstützung von Journalisten auf grüner Parteilinie und dazu gewisser, teils aus dem Ausland finanzierter »Aktivisten«.

Doch dann wird früher oder später die andere, reale Realität reingrätschen. Manche heutigen Opfer sagen, sofern sie noch am Leben sind, dass die reale Realität längst begonnen hat, aber eben noch nicht überall – nicht einmal überall in Stuttgart.

Ob in Stuttgart oder dem Rest der Republik, gesunder Menschenverstand ist heute stellenweise Bückware, also ein Luxusgut, und in diesem Sinne rufe ich uns Mut zu: Gönnt euch was!

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