01.08.2022

Die 10 Gebote der »richtigen Meinung«

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten
Wer heute nicht als »Nazi« gelten will, muss jederzeit die »richtige Meinung« an den Tag legen. Die Grundregel: Prüfe nichts und glaube alles (was das TV sagt) – und denke niemals selbst!
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Mitläufertum heißt heute »Zivilcourage«. Tausende Meldungen möglicher Impfschäden heißt »ungefährlich und nebenwirkungsfrei«. Und was die Worte »Frau« und »Mann« bedeuten, das darf man gar nicht wissen, wenn man nicht ein »Nazi« genannt werden will.

Kaum ein Wort aber hat seine Bedeutung so krass gedreht wie der Begriff »Nazi«.

Früher war ein Nazi einer, der Parteimitglied in der NSDAP war, der Andersdenkende bekämpfte, der Juden und Abweichler hasste, und ansonsten mit Lust dem Gleichschritt frönte.

Heute ist es der Abweichler und Andersdenkende, der »Nazi« genannt wird. Wenn du also das Gegenteil von dem bist, was früher ein Nazi war, könntest du heute leicht als »Nazi« gelten – wahlweise als »Rechtsextremer«, »Faschist«, et cetera.

Heute ein »Nazi« genannt zu werden, das kann deine Karriere beenden und deine Existenz ruinieren. Wenn du nicht »Nazi« genannt werden willst, darfst du auf keinen Fall an den Tag legen, was ein CDU-Politiker (siehe Essay vom 19.12.2016) eine »destabilisierende falsche Meinung« nannte.

Ich will mich jedoch nicht (nur) beklagen. Ich will konstruktiv helfen! Ich lege Ihnen hier meine Liste der 10 Gebote »richtiger« Meinung vor.

1. Gebot: Zweifele nicht an ARD und ZDF!

Dieses Gebot ist praktische Grundlage aller übrigen Gebote. Deutschland ist ein »Propagandastaat«, in dem Sinne, dass der Bürger rund um die Uhr von der Verkündigung einer Einheitsmeinung umgeben ist. Im Wirkzentrum des Propagandastaates aber steht der sogenannte »Öffentlich Rechtliche Rundfunk« (der nicht »Staatsfunk« genannt werden will).

Wenn du aber nicht »Nazi« genannt werden willst, musst du beachten: Die tiefe Verflechtung von Parteien und Politik mit dem Öffentlich Rechtlichen Rundfunk hat ausschließlich positiven Einfluss auf die Glaubwürdigkeit dieser Institution.

Was ARD und ZDF sagen, hast du als wahr zu betrachten. Wenn im TV heute das Gegenteil dessen gesagt wird, was gestern die einzige richtige Meinung war, dann ist das doch ein Beleg für deren Glaubwürdigkeit. Wenn du aber feststellst, dass die angeblich »neuen« Fakten seit Monaten bekannt sind, aber wohl noch nicht »erlaubt« waren, dann bist du wohl ein »Nazi«. (Siehe dazu auch den Essay »Corona-Virus? ›… alle erstmal durchatmen‹!« vom 13.3.2020.)

Die »Wirklichkeit« wird in ARD und ZDF »nicht verzerrt« dargestellt. Vielmehr liefern diese Sender »Orientierungshilfe« gerade in der Zeit eines »vermehrten komplexen Informationsaufkommens«, so stellte es das Bundesverfassungsgericht unter CDU-Mann Harbarth fest (siehe Essay vom 5.7.2021). Und wenn du das anders siehst, oder es gar befremdlich findest, dass diese Institution sich zu derart plumper Propagandasprache herablässt, könnte man dich bald einen »Nazi« nennen.

2. Gebot: Regierende Politiker und ihre Verbündeten sagen stets die Wahrheit!

Wer kein »Nazi« genannt werden will, der muss dem Staat und den Experten absolut glauben, im Zweifelsfall bis in den Tod.

Als aktuelles Beispiel: Die mRNA-Injektion ist »sicher und nebenwirkungsfrei«, denn die Experten in TV und Politik (siehe 1. Gebot) haben es gesagt – und wer das anders sieht, der ist wohl ein »Nazi«/»Schwurbler«/et cetera.

Die Injektion der mRNA-Gentherapie (neudeutsch: »Impfung«) ist »sicher und nebenwirkungsfrei«. Menschen, die kurz nach der Impfung verstarben, sind niemals an, sondern immer nur »mit« der Impfung verstorben. Studien wie die der Berliner Charité, wonach es anders sein könnte, wurden etwa von den »Faktenfindern« der ARD widerlegt (tagesschau.de, 10.5.2022) – und werden auch zukünftig widerlegt werden.

Nur ein »Nazi« glaubt, dass es Fakten sind und nicht politische Absichten, die eine Aussage wahr machen, deshalb nennt man ihn einen »Faktennazi«.

3. Gebot: Nur Vertreter der Einheitsmeinung dürfen Parallelen zur NS-Zeit behaupten!

Selbst wenn du dich damit abgefunden haben solltest, ein »Nazi« genannt zu werden, solltest du aufpassen, bevor du das Verhalten anderer Bürger mit dem der NS-Zeit vergleichst.

Wer in Deutschland nicht »Nazi« genannt werden will, muss ein gewisses Paradoxon als nicht-paradox akzeptieren: Nur wer die Einheitsmeinung vertritt und Abweichler hasst, also zumindest darin Ähnlichkeiten zur Attitüde der echten Nazis aufweist, darf den Debatten-Gegner mit Nazis vergleichen.

Wer »links« ist und als »gut« gilt, der darf seinen politischen Gegner als »Nazi«/»Faschist« et cetera diffamieren. Wer die »falsche« Meinung vertritt, der hat es ohne »Nazi-Vergleich« hinzunehmen, wenn schwarz vermummte Schlägerbanden prügelnd auf Andersdenkende und Abweichler losziehen.

Solange du also nicht »die richtige Meinung« vertrittst, gilt ein Aufzeigen gedanklicher und methodologischer Parallelen zur NS-Zeit bei »Guten« als »Verharmlosung« jener üblen Zeit – und absurderweise würde man dich für solche Entlarvung der selbsternannten »Guten« wohl einen »Nazi« nennen.

4. Gebot: Der »Böse des Tages« ist absolut böse!

Sogenannte »Thinktanks«, zum Teil aus dem Ausland finanziert, legen in Kooperation mit der Politik fest, wer der internationale Bösewicht des Tages ist. (Die Berichterstattung einer großen deutschen Boulevard-Zeitung war zuletzt ein zuverlässiger Indikator, wer das aktuell sein soll.)

Wichtig: Ignoriere, wenn die Interessen von US-Konzernen oder den Betreibern von Währungen auffällig mit dem »Feind des Tages« übereinstimmen.

Das »Böse des Tages« hat für dich das ultimative Böse zu sein. Steigere dich emotional in tief empfunden Hass ein, jeden Zweifel und jede Nuance ignorierend – doch wenn du das nicht vermagst, könnte man dich gefährlich schnell einen »Nazi« nennen.

5. Gebot: Das Gute kann keine bösen Konsequenzen haben!

Was von oben als »gut« festgelegt wurde, kann keine bösen Konsequenzen haben, und wer diese doch sieht, gilt als »Nazi«.

Frage also beispielsweise nicht, wie viel CO₂ bei Herstellung und Betrieb von elektrischen Autos freigesetzt wird, oder wie viel Leid die Produktion der Batterien verursacht. Im Zweifelsfall wird der Staatsfunk dir im »Fake News Check« sagen, was die Wahrheit in Sachen E-Autos ist (siehe etwa swr3.de; 7.11.2021).

Was für E-Autos gilt, gilt ähnlich für jedes andere »offiziell Gute«. Ob ungeprüfte Migration aus gefährlichen Krisenzonen oder die Übernahme von Schulden für korruptionsgeplagte, unproduktive Staaten: Was als moralisch gut gilt, das »kann« keine bösen Konsequenzen haben.

Im Text »Die Schuld der Gutmenschen« von 2017 arbeitete ich den Unterschied zwischen Gesinnungsethik und Verantwortungsethik aus.

Verantwortungsethik übernimmt Verantwortung, bedenkt Folgen und Konsequenzen. Damit ist die Verantwortungsethik potenziell die Ethik dessen, der heute als »Nazi« beschimpft wird.

Wer nicht »Nazi« genannt werden will, sollte wohl eine reine »Gesinnungsethik« annehmen und praktizieren – oder zumindest zur Schau stellen.

Als »Gut« gilt heute eine Handlung, die mit »guter« Gesinnung geschieht – und also kann sie keine bösen Konsequenzen haben (und wenn doch, waren diese »unvorhersehbar«), und wer das anders sieht, wird bald als »Nazi«/»Rechter«/»Schwurbler« etikettiert.

6. Gebot: Informiere dich, was Begriffe aktuell bedeuten – und was nicht!

Über lange Zeit galt es als zuverlässiges Zeichen von Diktaturen (etwa der echten Nazis), wenn die Bedeutung von Sprache sich nicht im realen Gebrauch bildet, sondern nach politischer Gesinnung und Absicht von oben festgelegt wird.

Das ist jetzt anders. Heute ist es moralisch gut und geboten (und »demokratisch«), dass die Regierung und von der Regierung finanzierte Vereine die Bedeutung von Wörtern neu festlegen – und wer sich daran stört, der ist es, der heute schnell als »Nazi« gilt.

Und manchmal wird die Bedeutung von Worten ganz gestrichen – und jeder Versuch, die Bedeutung auszubuchstsbieren, gilt als »Nazi«. – Als aktuelles Beispiel: Wenn du nicht »Nazi« genannt werden willst, lege dich nicht fest, was die Worte »Frau« und »Mann« bedeuten.

Sprache funktioniert ganz wesentlich durch die Einteilung der Welt anhand von Merkmalen und Eigenschaften, die alle Sprecher ähnlich erkennen und sich also auf sie einigen können. Die geradezu gewaltsame Aufhebung dieser Zuordnung etwa für die Begriffe »Frau« und »Mann« bedeutet auch Defunktionalisierung von Sprache.

Aktuell gilt es als »Nazi«, öffentlich so zu sprechen, als gäbe es übereinstimmend feststellbare Merkmale für die Worte »Frau« und »Mann«. Man hat zu tun, als ergäbe es Sinn, dass man allein durch Selbstausrufung und immer wieder neu bestimmen kann, ob man »Mann« oder »Frau« ist.

Das widerspricht direkt der Funktionsweise von Sprache. Es ist also nicht stabil. Für den Moment aber gilt einer, der die Instabilität der neuen Sprach-Vorgaben feststellt, als »Nazi«.

7. Gebot: Die Panik des Tages soll dich panisch machen – und nur die!

Menschen lassen sich einfacher beherrschen, wenn sie unentwegt in Angst gehalten werden, sei es die Angst vor einem Virus, vor dem Wetter oder vor diesem oder jenem Politiker.

Wer nicht die »Angst des Tages« akzeptiert und geradezu »fühlt« – oder zumindest die Zeichen solchen Gefühls vorspielt – und wer nicht jede beliebige praktische Schlussfolgerung als »alternativlos« hinnimmt, der gilt schnell als »Nazi«.

Zugleich sollst du nur die Angst empfinden, die dir als Angst vorgegeben wird. Wenn etwa die Grenzen offen gelassen werden, und man Menschen aus Krisengebieten ungeprüft ins Land lässt, dann darf dir das keine Angst machen – sonst bist du ein »Nazi«/»Rechter«/et cetera. Wenn aber im Sommer mal gutes Wetter ist, endlich wieder wie früher, dann hat dich das in Klimapanik zu versetzen.

»Angst ist ein schlechter Ratgeber«, so sagt die Redensart, doch das ist nicht einmal halb richtig. Wenn Angst und Panik verordnet werden, dann ist es ein guter Rat, zumindest nach außen hin die Zeichen dieser Angst zu reproduzieren, um nicht als »Nazi«/»Leugner«/et cetera zu gelten.

8. Gebot: Berufe dich nicht auf »Meinungsfreiheit«!

Mit der Meinungsfreiheit ist es in Deutschland wie mit so manchem biblischen Gebot in der Kirche: Sonntags redet man davon, doch im Alltag findet man viele Begründungen, warum es eben doch nicht gilt. (Und noch öfter ignoriert man es ganz automatisch.)

Im Essay »Deine Meinung ist Hass, und Hass ist keine Meinung« beschrieb ich einen vulgären, aber doch populären logisch-psychologischen Trick zum Aushebeln der Meinungsfreiheit, während man formell eben dies nicht tut. Man erklärt »nicht richtige« Meinung für »Hass«, dann erklärt man »Hass« für eine »Nicht-Meinung«, und über den Umweg dieser Redefinition als »Hass« lässt sich »nicht richtige« Meinung schließlich verbieten.

Wer sich auf sein »Recht auf Meinungsfreiheit« beruft, will wahrscheinlich »Hass« verbreiten, und wer »Hass« verbreiten will, der kann natürlich nur ein »Nazi« sein.

9. Gebot: Hasse, was du hassen sollst!

Während abweichende Meinung als »Hass« und »Hetze« zur Nicht-Meinung erklärt wird – und damit zum Verbot freigegeben – wird immer wieder tatsächlicher »Hass« angeordnet.

Regelmäßig werden Ideen, Gruppen und störende Menschen von oben zum Hass-Ziel erklärt. Wenn du nicht »Nazi« genannt werden willst, genügt nicht, die »richtige Meinung« an den Tag zu legen – du musst auch die »richtigen falschen« Menschen hassen.

Um nicht »Nazi« genannt zu werden, musst du heute Abweichler und Andersdenkende hassen, denn sie gelten als »Nazis«.

Sei ruchlos und gewissenlos in deinem Hass auf die, die zu hassen dir vorgegeben wird. Ja, suche geradezu Gelegenheiten, dem »Hass auf Befehl« zu folgen.

Zögere nicht, sogar deine eigenen Eltern zu hassen, wenn sie eine »falsche Meinung« vertreten (siehe dazu auch den Essay »Hast du deinem Verräter die Windeln gewechselt?«).

Und sei dankbar, wenn man dir eine Gelegenheit zum ultimativen Hassbeweis gibt, indem man dich zum Hass gegen dich selbst aufruft, etwa weil deine Haut weiß ist oder du sogar ein biologischer Mann bist. (Und nein, störe dich nicht daran, dass nur »Nazis« nach Frau und Mann unterscheiden, aber es »richtig« ist, die Schuld für alles Böse bei weißen Männern zu suchen.)

Hasse, was du hassen sollst, und sei dankbar, wenn du das ultimative Hass-Opfer leisten darfst, dich selbst zu hassen – sonst bist du ein »Nazi«.

10. Gebot: Prüfe nicht und glaube alles (was das TV sagt), und denke niemals selbst!

Wer etwas von oben Verkündetes auf Wahrhaftigkeit und Konsequenzen prüft, verstößt damit potenziell gleich gegen mehrere der Gebote zur »richtigen Meinung«.

Der Prüfende bezweifelt implizit, dass der Staat und seine Beauftragten stets die Wahrheit sagen, und so weiter.

Wer prüft, und wer nicht ohne Zweifel glaubt, wer vielleicht sogar potenziell abweichende Gedanken probiert, der zeigt damit seine Bereitschaft, ein »Nazi« genannt zu werden. Wer aber bereit ist, ein »Nazi« genannt zu werden, verdient allein dadurch, ein »Nazi« genannt zu werden.

Dieses zehnte Gebot fasst also alle Gebote einschließlich seiner selbst zusammen: Wenn du kein »Nazi« genannt werden willst, und wenn du jederzeit die »richtige Meinung« an den Tag legen willst, dann prüfe nichts (was dir von oben gesagt wird). Glaube alles (was ARD und ZDF sagen, selbst wenn sie sich widersprechen). Und, vor allem, denke niemals selbst.

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