24.06.2022

Uff, 20 Millionen Tote verhindert!

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Foto von Jamie Street
Durch die Covid-Impfung wurden im ersten Jahr fast 20 Millionen Tote verhindert, so sagen Wissenschaftler in einer aktuellen Meldung. Was nicht (immer) dabei steht: Wer die »Modellierung« finanzierte. – Raten Sie mal!
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Ich habe eine Meldung gelesen, die enthielt tatsächlich »20 Millionen Tote« in der Schlagzeile, und ich musste dabei etwas schmunzeln.

Bin ich wirklich ein solcher Zyniker?

Nun, der Zynismus mag zum Teil meiner Natur geworden sein, eine nicht zu vermeidende »Déformation professionnelle« (siehe Wikipedia) des Essayisten. Jedoch, die Millionen von Toten in jener Überschrift sind theoretisch, sind also gewissermaßen »gedacht« – um nicht »ausgedacht« zu sagen.

Die »20 Millionen Toten« habe ich in einer Schlagzeile bei welt.de entdeckt. Der ganze Satz lautet dort: »Impfen hat im ersten Jahr fast 20 Millionen Corona-Tote verhindert« (welt.de, 24.6.2022).

Zitat aus dem ersten Absatz:

Die Corona-Impfungen haben in ihrem ersten Jahr einer aktuellen Modellierung zufolge weltweit fast 20 Millionen Covid-19-Tote verhindert. (welt.de, 24.6.2022)

Berechnet haben es Forscher des Imperial College in London.

20 Millionen Tote!

Wow, das wären fast halb so viele Tote wie der Zweite Weltkrieg forderte, nur wurden diese Toten eben verhindert.

Dank und Preis dem Heiligen Sankt Fauci und der hochgepriesenen Frau von der Leyen, die leider, leider ihre privaten Kurznachrichten mit dem Pfizer-Boss löschte.

Der Artikel bei welt.de verlinkt brav die Original-Quelle der Nachricht.

Es ist eine abseitige, aber nicht irrationale Denkmöglichkeit, dass dieser Link ein stiller Akt der Rebellion eines anonymen Redakteurs ist, womöglich eine heimliche Heldentat.

Auf thelancet.com liest man nämlich etwas zur Finanzierung dieser »Modellierung«, welche die Zahl mit den fast 20 Millionen durch mRNA-Injektion verhinderten Toten fand.

Ich zitiere einfach mal das Original:

Funding: Schmidt Science Fellowship in partnership with the Rhodes Trust; WHO; UK Medical Research Council; Gavi, the Vaccine Alliance; Bill & Melinda Gates Foundation; National Institute for Health Research; and Community Jameel. (siehe thelancet.com, 23.6.2022)

Oha! Spannend. Die WHO hat die »Modellierung« mitfinanziert. Und die Bill-Gates-Stiftung auch.

Dann kann es nur seriös sein, und wir haben dankbar den Kopf zu neigen.

Dass die Finanzierung der »Modellierung« mit den Interessen des Finanzierenden zusammenfällt, bedeutet noch nicht, dass das eine auf das andere Einfluss nahm.

Man darf eine alte Denkregel zitieren, die man zuletzt häufiger hörte: Korrelation ist nicht Kausalität.

Für unsere Seelenruhe

Das Verhindern von Toten geht aber weiter, es werden noch viel mehr Millionen Tote werden (die dank Impfung eben doch nicht tot sein werden).

In den USA wurde es kürzlich erlaubt, Kinder unter 5 Jahren die mRNA-Injektion zu setzen (tagesschau.de, 17.6.2022). Gut, das wird bestimmt noch viele weitere Millionen von Toten verhindern, und eine von Bill Gates gesponserte »Modellierung« wird das bestimmt feststellen.

Leider, leider kann man nicht alle Tote verhindern. Weder bei Erwachsenen noch bei Kindern.

Deshalb ist es gut für unsere Seelenruhe, dass die Propaganda in verschiedenen Ländern in diesen Wochen darauf hinweist, dass wir schon immer im Krieg gegen Eurasien waren – pardon, ich meine natürlich: dass schon immer Menschen einfach so gestorben sind.

Wenn Erwachsene einfach so sterben, ohne irgendeinen erkennbaren Grund, dann hängt man einfach das Wort »Syndrom« an das Offensichtliche, wie etwa im Begriff »Sudden Adult Death Syndrome« (siehe dazu auch den Essay »Plötzlicher-Tod-von-Erwachsenen-Syndrom« vom 10.6.2022).

In Großbritannien wurde plötzlich die »Dringende Warnung« herausgegeben (siehe etwa mirror.co.uk, 23.6.2022), worauf Eltern achten sollen, damit ihre Kinder nicht plötzlich im Schlaf sterben. Die psychologische Implikation ist natürlich: »Wenn euer Kind plötzlich im Schlaf stirbt, ist es eure Schuld – und nicht die Schuld etwaiger Maßnahmen, die der Staat demnächst, den USA folgend, den Kindern antun wird.«

Die »American Academy of Pediatrics« forderte diese Woche amerikanische Eltern auf, ihre Kinder mit mRNA-Gentherapie injizieren zu lassen (@AmerAcadPeds, 23.6.2022). Und außerdem wiesen sie einen Tag zuvor darauf hin, dass in den USA jährlich 3.500 Säuglinge »plötzlich und unerwartet« (»suddenly and unexpectedly«) im Schlaf sterben; es heißt natürlich »Sudden Infant Death Syndrome« (@AmerAcadPeds, 22.6.2022), und auch sie versuchen, mit einem psychologischen Trick, den Eltern die Schuld zu geben (etwa wenn sie mit dem Säugling im selben Bett schlafen).

Ich bin mir aber sicher, dass die hektische Kampagne um den plötzlichen Kindstod nichts mit der mRNA-Injektion für Säuglinge zu tun hat. Es merkwürdige Zufall, eine Korrelation ohne Kausalität gewiss.

Warum ich mir so sicher bin? Einfach: Wenn man auf Twitter die Kindstod-Kampagne zitiert, ohne ein einziges Wort über Impfungen zu sagen (!), kann es passieren, dass Twitter automatisch den Hinweis zur angeblichen Sicherheit der mRNA-Injektion einblendet. (Wie aktuell bei @TexasLindsay, 21.6.2022/ archiviert/ Screenshot) – was will die Propaganda-Abteilung von Twitter uns damit sagen? Ist (auch?) dies vielleicht ein indirekter Hinweis? Rätsel über Rätsel.

Gesamtzahl der Beweglichkeit

Ja, ich schmunzele über die Zahl der mit dem Geld von Bill Gates errechneten »knapp 20 Millionen verhinderten Toten«.

Wenn Bill Gates sagt, dass er die Zahl der Menschen verringern will, dann meint er natürlich durch Verhütung und modernen Lebensstil (siehe etwa forbes.com, 2.11.2011), nicht durch eine Pandemie – da rettet er natürlich Menschenleben.

(Übrigens: Die sicherste Art, frühen Kindstod und zu viel Bevölkerungswachstum zu verhindern, besteht darin, die Kinder gar nicht erst zu zeugen – etwa weil nach einer mRNA-Injektion die Zahl der tauglichen Spermien für ungefähr einige Monate deutlich sinkt; siehe wiley.com, 17.5.2022: »Covid-19 vaccination BNT162b2 temporarily impairs semen concentration and total motile count among semen donors«; zu Deutsch etwa: »Die Covid-19-Impfung BNT162b2 beeinträchtigt vorübergehend die Samenkonzentration und die Spermien-Beweglichkeit bei Samenspendern«.

Ein böser und fehlgeleiteter Schelm, wer sich ausrechnet, was das in Kombination mit regelmäßigen Boostern bedeutet – oder gar welche Namen wir im Geschichtsunterricht für so etwas lernten.

Und zwar

Ja, die Häufigkeit, mit der man immer wieder hört, dass Korrelation nicht zwingend Kausalität impliziere, fällt durchaus auf.

Das bedeutet: Die zeitliche Nähe zweier Ereignisse belegt nicht, dass das eine das andere bewirkt hat.

Ein wohlwollendes Beispiel: Nur weil die Tram just in dem Moment um die Ecke fährt, in welchem die Glocke des Kirchturms zwölfmal schlägt, bedeutet es nicht, dass das Schlagen der Glocke die Ankunft der Tram verursachte, vielmehr haben die beiden Ereignisse in diesem Fall eine gemeinsame Ursache, könnten aber ganz unabhängig sein.

Ein weniger wohlwollendes Beispiel: Als 2018 ein 22-jähriger Deutscher von zwei Afghanen zusammengeschlagen wurde und starb, wurde offen gesagt, dass man kein »zweites Chemnitz« haben wolle (faz.net, 10.9.2018), sprich: dass man die Bevölkerung ruhig halten wollte. Man verbreitete also das Framing, der junge Mann sei nicht daran gestorben, dass er zusammengeschlagen wurde, sondern dass er ohnehin ein schwaches Herz hatte und einen Herzinfarkt erlitt, der nur zufällig nach dem Verprügeltwerden eintrat (zeit.de, 9.9.2022).

»Korrelation ist nicht Kausalität« wird immer mehr zur Schutzbehauptung von Institutionen (und den sie verteidigenden Journalisten), die sich von der Verantwortung für ihre Taten freisprechen wollen.

Nein, nur weil Bill Gates eine »Modellierung« sponserte (Korrelation), heißt das nicht, dass die Experten in seinem Sinne ihre Modelle errechneten (Kausalität) – aber man sollte es zumindest erwähnen. Bestimmt sind die Modelle genauso seriös und zuverlässig wie all die anderen Modelle, von denen wir hörten (welt.de, 12.5.2021: »Warum Corona-Prognosen oft danebenliegen«).

Nein, nur weil Menschen plötzlich sterben, heißt das nicht, dass sie daran gestorben sind, was man ihnen kurz zuvor injizierte – aber vielleicht will man dennoch prüfen, woran es lag, statt Fragen zu möglichen Zusammenhängen niederzubrüllen.

Ich will es also wagen, diese einst bewährte und heute oft missbrauchte Denkregel zu modernisieren.

Und zwar: Korrelation ist nicht Kausalität, doch sie ist ein guter Grund, genauer hinzusehen.

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