Dushan-Wegner

02.03.2024

Geld mit Eigenschaften

von Dushan Wegner, Lesezeit 6 Minuten, Bild: Einmal geradeaus, bitte!
»Digitales Zentralbankgeld« (CBDC) ist eine dystopische Gefahr für die Freiheit. »Geld«, das man an- und abschalten kann. »Geld«, das nur für »moralische« Zwecke ausgegeben werden kann – und überhaupt nicht, wenn man »böse« war.
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In diesem Essay geht es um digitales Zentralbankgeld (CBDC) und totale Kontrolle. Doch um die Bedeutung zu erklären, will ich erst einen gedachten Chip vorstellen, einen »Schalter im Kopf«.

Stellt euch vor, man hat euch einen Schalter im Kopf installiert. »Neuralink« von Elon Musk experimentiert ja bereits mit Chips im Gehirn von Menschen.

Es gibt ein philosophisches Gedankenexperiment, und ich komme nicht darauf, von wem, da wurde den Menschen ein Chip in den Kopf installiert. Und dieser Chip überschreibt Entscheidungen. (Ich erwähnte dieses Gedankenexperiment auch schon mal im Essay vom 20.11.2020.)

In jenem gedachten Experiment steht eine Entscheidung zwischen A und B an.

Dieser hypothetische Chip »will«, dass du dich immer für A entscheidest.

Wenn du dich für A entschieden hast, greift der Chip nicht ein. Du hast dich eben für A entschieden, fertig.

Entscheidest du dich aber für B, dann greift der Chip in deine Gedanken ein. Der Chip überschreibt deine Gedanken derart, dass du dich für A »entscheidest«, und auch meinst, du hättest dich für A entschieden.

Wir werden uns alle schnell einig, dass eine Entscheidung für A nicht »frei« war, wenn der Chip eine ursprüngliche B-Entscheidung überschrieben hat. So weit, so konform.

Die spannende philosophische Frage in diesem Gedankenexperiment lautet: Können wir die Originalentscheidung für A auch dann »frei« nennen, wenn der Mensch sich zwar wirklich selbst für A entschieden hat, wir aber bedenken, dass er sich gar nicht hätte anders entscheiden können?

Ich hätte aber nie gedacht, wie aktuell diese theoretische Frage werden wird.

Vorübergehend die Konten gesperrt

»CBDC« steht für »Central Bank Digital Currency«, auf Deutsch: »Digitales Zentralbankgeld« (siehe Wikipedia).

In immer mehr Ländern der Welt wird eine einheitliche sogenannte digitale Währung vorbereitet. In der EU wird etwa der »Digital Euro« vorbereitet, siehe ecb.europa.eu. Und weil in Deutschland auch die Dystopie ihre Ordnung haben muss, hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik letztens technische Richtlinien zum »Digitalen Euro« erarbeitet und veröffentlicht (bsi.bund.de, 8.2.2024).

Auf den ersten Blick könnte man denken, dass wir doch auch bislang digital und virtuell zahlen, etwa mit EC-Karten und Überweisungen. Weit gefehlt!

Bisheriges virtuelles Geld hat keine »Eigenschaften«. Wenn es auf einem Konto herumliegt, dann ist es eben eine Zahl in einer Datenbank.

Digitales Zentralbankgeld wird dagegen zu jedem Zeitpunkt von einer Zentralbank kontrolliert und kann mit »Eigenschaften« versehen werden.

Bedingter Quasi-Gutschein

Eine solche »Eigenschaft« kann sein, dass Guthaben in dieser Währung nach einer bestimmten Zeit schlicht ihren Wert verlieren. (Erinnert ihr euch an die Vorhersage aus dem WEF-Dunstkreis, dass du »nichts besitzen« wirst. Mit digitalem Zentralbankgeld wirst du nicht einmal dein Geld wirklich besitzen.)

Eine andere »Eigenschaft« des digitalen Zentralbankgeldes kann und wird vermutlich sein, dass das Geld nur orts- oder zweckgebunden ausgegeben werden kann. Geld wird vom universellen Zahlungsmittel zum Quasi-Gutschein mit strengen Bedingungen.

Testläufe zur psychologischen Akzeptanz solcher Restriktionen finden bereits statt. In Kanada wurden 2022 etwa demonstrierenden Truckern zur Einschüchterung vorübergehend die Konten gesperrt (nytimes.com, 22.2.2022).

Es wäre vermutlich erschreckend einfach, die »Eigenschaft« der digitalen Zentralbankwährung mit Hilfe künstlicher Intelligenz derart zu programmieren, dass wer sich online allzu kritisch über die Regierung auslässt, aus »erzieherischen« Gründen eine Ausgabensperre erhält. (Mit einem Slogan wie »Kaufpause für Nazis« werden ausreichend Trottel solche Maßnahmen auch noch bejubeln – wetten?)

In Deutschland hat sich die Regierung mit sich selbst auf die Einführung der »Bezahlkarte« für »Flüchtlinge« geeinigt (spiegel.de, 29.2.2024). Diese bietet zumindest die technische Möglichkeit, zu kontrollieren, was und wo die »Flüchtlinge« einkaufen – und was und wo nicht. Es ist ein technischer und psychologischer Testlauf.

In Indien läuft bereits seit 2022 ein erfolgreicher Großtest mit der CDBC der Reserve Bank of India. Nun wurde angekündigt, dass die Währung »programmierbar« werden soll (theregister.com, 9.2.2024). »Programmierbar« zu sein bedeutet schlicht, dass zentral festgelegt werden kann, wofür das Geld ausgegeben werden kann und darf – und wofür nicht.

In Deutschland werden regelmäßig aus heiterem Himmel die Konten von Andersdenkenden und Regierungskritikern gekündigt; das ist so weit nichts Neues mehr (siehe dazu Essay vom 28.10.2023). Neu war in diesem Monat aber, dass die Sparkasse Mittelfranken-Süd einen bitterbösen Brief an einen Kunden schickte, der eine Spende an die AfD angewiesen hatte. Laut bild.de, 13.2.2024 standen darin unter anderem diese Sätze: »Der Zahlungsempfänger hat eine rechtsextremistische Ausrichtung. Die Sparkasse Mittelfranken-Süd akzeptiert solche Zahlungen nicht. Stellen Sie bitte im eigenen Interesse solche Zahlungen ein.«

Die Sparkasse bat später um Entschuldigung, doch das verschlimmerte die Angelegenheit noch. Wörtlich: »Aufgrund eines Fehlers ist das Ganze passiert.«

Was aber soll das bitte schön für ein »Fehler« gewesen sein? Die Bank versichert, dass da kein »System oder sonst irgendwas« dahinter stecke, doch mit einem Minimum an Menschenverstand und Lebenserfahrung muss man vermuten: Zumindest bei dieser einen Sparkasse – oder womöglich bei vielen weiteren deutschen Banken – existieren Arbeitsabläufe, welche die Überweisung der Kunden auf wünschenswerte Gesinnung kontrollieren – und der »Fehler« war in diesem Fall womöglich, dass der Drohbrief auch tatsächlich abgeschickt wurde. (Welcher Programmierer hat nicht mindestens einmal in seinem Leben die Test- mit der Live-Umgebung verwechselt?)

Jederzeit entzogen

So sehr es nach Konsumkultur und Marketingsprache klingt, es ist eben doch viel Wahres daran, dass etwas zu kaufen eine sehr zentrale Form von Freiheit ist. Meine These ist ja, dass Menschen sich dann »frei« fühlen, wenn sie mit den ihnen in dem Moment zu Verfügung stehenden Optionen zufrieden sind (für Details siehe Essay vom 1.11.2017).

All diese Maßnahmen wie digitales Zentralbankgeld und »moralische« Überwachung von Überweisungen dienen dem schlichten Zweck, die Handlungsmöglichkeiten zu kontrollieren – und einzuschränken.

Wenn Bargeld »gedruckte Freiheit« ist, und wenn das Geld auf dem Konto so etwas wie »abstrakte Freiheit« ist, dann ist digitale Zentralbankwährung eine »Freiheit« mit Ablaufdatum, mit politischen und moralischen Vorgaben und Einschränkung, eine gnädig gewährte »Freiheit«, die jederzeit entzogen werden kann und wird.

Ich gehöre zu denen, die einst dachten, Computer, Internet und das Digitale würden uns, den ungewaschenen Massen, endlich Wissen, Weisheit und neue Ethik bringen. Tatsächlich bringen sie universelle Ablenkung, Empörung und emotionale Abstumpfung.

Der Selbstzweck-Machtwillen einer nur unscharf auszumachenden, aber offenbar zuerst auf Technik und Psychologie setzenden »Elite« baut Zäune und Barrikaden um die Freiheit der Menschen weltweit. (Und es ist wahrlich nicht »nur« das Geld, das sie an die Kette legen, doch beim Geld wird es immer so schön konkret und unzweideutig.)

Für sich neu

Das digitale Zentralbankgeld wird einen sehr ähnlichen Effekt haben wie der Chip im philosophischen Gedankenexperiment. Menschen werden schnell verinnerlichen, welche Dinge sie mit ihrem Geld kaufen können und welche nicht, wo sie einkaufen können und wo nicht, welche Politiker und welche Künstler sie unterstützen können/dürfen/sollten – und an welche das neue »Geld« sich technisch schlicht nicht überweisen lässt.

Der Chip im Gedankenexperiment lässt den Menschen noch immer selbst entscheiden, was er will, doch wenn er »falsch« entscheidet, »korrigiert« der Chip die Entscheidung. Ähnlich wird die digitale Zentralbankwährung die Zahlenden erziehen: Wenn du dich mit dieser Währung frei fühlen willst, wie man sich beim Kaufen eben frei fühlen sollte, dann passe innerlich dein Wollen lieber dem Erlaubten an.

Sicher, wir können protestieren, wir können warnen und mahnen. Wir können versuchen, auch nur einen Politiker für diese Gefahr zu sensibilisieren (und sich so mit sehr großen Mächten anzulegen).

Der Fall ist nicht ausgeschlossen, dass unsere wütenden, hilflosen Internet-Kommentare überraschenderweise nicht die totale Kontrolle über alle Zahlungsvorgänge stoppen. Für den Fall also, dass kommt, was längst da ist, schlage ich dringend vor, dass jeder für sich neu festlegt, was genau er unter »Freiheit« und »frei sein« versteht..

Weiterschreiben, Wegner!

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