Dushan-Wegner

28.06.2023

Du bist also Bodensatz

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, bodensatz_merch(1)
Wer in Deutschland auf demokratischem Weg der Regierung zu widersprechen wagt, wird als »Ratte«, »Faschist« oder »Blinddarm« verunglimpft. Oder eben als »Bodensatz«. Was, wenn die Beschimpften das Etikett annehmen?
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Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst des demokratischen Widerstands. Alle etablierten Mächte  Deutschlands haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dieses Gespenst verbündet: die Kirchen und das Kanzleramt, Behörden und die Presse, linke Radikale und ausländische Investoren – nur bei der Polizei scheint es noch gewisse Differenzen zwischen der Behörde und den Menschen zu geben.

Leider gibt es nur eine deutsche Partei, die sich traut, den nackten Kaiser eben nackt zu nennen. Und »der Kaiser«, sprich: die etablierten Mächte (im Charakter inzwischen teils so demokratisch wie der Kaiser wirklich von Gott eingesetzt ist) sind in Rage.

»AfD wird stärker werden, wenn es sonst nur noch Linke gibt«, schrieb ich 2020 und fragte: »Wenn etablierte Parteien nun alle links sind, was soll einer wählen, der noch immer für den Rechtsstaat samt Grenzen ist?«

Ich prognostizierte, dass die etablierten Parteien »zu einer großen linksgrünen Super-Partei verschmelzen«.

Zu welchen einst absurd klingenden Konsequenzen die Entwicklung zur neuen großen Einheitspartei führen kann, wurde dieser Tage deutlich, als der Vorsitzende der sogenannten Liberalen empfahl, man solle doch statt der AfD »im Notfall« lieber die umbenannte SED wählen – also die Partei der Mauermorde und Diktatur! (taz.de, 27.6.2023 gefällt das.)

Das alles passiert als Reaktion auf die Wahl eines AfD-Landrats im beschaulichen Thüringer Sonneberg (siehe dazu Essay »Deutschland ist nicht untergegangen«).

In Deutschland wirken zwei Verfassungsschutz-Chefs wie ungewählte Kämpfer gegen die Opposition – allerdings mit geheimdienstlichen Mitteln. Einmal Thomas Haldenwang beim Bundes-Verfassungsschutz, einmal Stephan J. Kramer beim Verfassungsschutz Thüringen.

Nach dem Thüringer Verfassungsschutzgesetz sollte der Vorsitzende jener Behörde eigentlich die Befähigung zum Richteramt aufweisen. Für Kramer (SPD) wird das ignoriert.

Kramer muss wohl andere Qualifikationen besitzen, auf jeden Fall fällt Kramer regelmäßig mit rasenden, vulgären und antidemokratischen Hasstiraden gegen Abweichler und Andersdenkende auf.

Anlässlich des Wahlsiegs des AfD-Kandidaten in Sonneberg geiferte Kramer, wohl auf die Umfragewerte der AfD im Bund bezogen: »Wir sind bei 20 Prozent braunem Bodensatz in der Bundesrepublik.« (via bild.de, 27.6.2023)

Das Wort »Bodensatz« kann je nach Kontext verschiedene Dinge bedeuten, als »sozialer Bodensatz« etwa beschreibt er schlicht Menschen, denen es wahrscheinlich nie gelingen wird, sozial aufzusteigen.

Von Herrn Kramer ist »Bodensatz« offenbar als maximale Abwertung gemeint, in ähnlichem Sinne wie die Berliner Verkehrsbetriebe die AfD via Retweet implizit als menschlichen Müll bezeichnen (berliner-zeitung.de, 27.6.2023).

Ein Gespenst geht um in Deutschland, doch dieses Gespenst ist nicht Kommunismus oder Sozialismus – die sind als »Öko-Sozialismus« längst in der Regierung –, sondern es ist der demokratische Widerstand.

Deutschland wird von seiner Regierung aktiv kaputtgemacht, seine Bürger werden quasi enteignet, im Namen wechselnder Paniken. (Nebenbei: Man vergleiche das Einkommen der Politiker vom Steuerzahler mit dem Nebeneinkommen durch Konzerne und Investoren, währenddessen und danach.)

Der Bürger aber, der sich auf demokratischem Weg dagegen wehrt, gilt wahlweise als »Ratte«, »Abschaum«, »Faschist«, »Blinddarm« … oder eben »Bodensatz«.

Jedoch: Wenn Funktionäre mit dem Finger auf Abweichler zeigen und dabei »Faschist«, »Nazi« oder »Bodensatz« brüllen, zeigen deren restlichen Finger immer auf sie selbst.

Trifft das auch hier zu?

Nun, ich finde, »Bodensatz« klingt mir nah genug an »bodenständig« und »der ehrliche Rest«. Warum nicht das Etikett annehmen?

Die tatsächliche Bedeutung eines Wortes entwickelt sich ja durch das, wofür es wirklich verwendet wird. Wenn »Bodensatz« für Selbstdenkende verwendet wird, die es wagen, der Regierung demokratisch zu widersprechen, dann ist »Bodensatz« eine Auszeichnung.

Ich halte mich im Übrigen im Geist an Jesus, der in Matthäus 5:11 sagt: »Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und allerlei Böses gegen euch reden und dabei lügen.«

Ein Deutscher könnte heute sagen: Ich bin, was ich bin, weil ich Gewissen und Verstand folge, und wenn ich damit Bodensatz bin, dann ist das eben so. (Deshalb habe ich uns übrigens ein Bodensatz-T-Shirt gemacht.)

Der Anfang dieses Essays bedient sich – Sie haben es gewiss erkannt – beim Anfang des kommunistischen Manifests. Jenes schließt aber mit den Drohungen eines gewaltsamen Umsturzes.

Doch heute fürchtet sich das Establishment nicht vor der Gewalt, sondern vor der Demokratie, vor der Stimme des Volkes, des »Bodensatzes«.

Ich finde, der Bodensatz sollte noch lauter werden.

Weiterschreiben, Wegner!

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