07.04.2022

Impfpflicht gescheitert – jetzt gilt es, nicht zu vergessen

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Foto von Maheshkumar Painam
Wahnsinn »Impfpflicht« ist gekippt, Coronapanik geht zu Ende. Es gilt nun, NIE zu vergessen, was Abweichlern und Impfgegnern angetan wurde. – Weiterleben? Ja. Vergessen: Nein! – Viele in Politik und Presse sollten eigentlich gestehen: »IchHabeMitgemacht«.
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Im Bundestag wurde also über die Impfpflicht für alle über 60 Jahre abgestimmt. Ähnlich wie beim Ausstieg aus der zuverlässigen Stromproduktion wollte die Regierung wieder einen brutalen Sonderweg für Deutschland – und sie ist gescheitert: »683 abgegebene Stimmen, 296 dafür, 378 dagegen, neun Enthaltungen – eine Klatsche vor allem für Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)« (bild.de, 7.4.2022).

Es ist ein recht deutliches Zeichen. Der Corona-Wahnsinn scheint nun tatsächlich auszulaufen – wenn auch die einrichtungsbezogene Impfpflicht bleibt, wie auch die Befürchtung, dass diese Leute und gewisse Pharma-Spender noch nicht aufgegeben haben. Die Maskenpflicht wird bald vergessen sein, 2G und 3G werden Themen von gestern sein – hoffentlich.

Es wäre so menschlich wie verständlich, wenn wir nun alles »vergeben« und »vergessen« wollten, wenn wir zurück zu einem Zustand wollten, den wir »Normalität« nennen können (siehe dazu auch den Essay vom 4.1.2022).

Es wird nicht ganz so einfach gehen, das Vergeben und Vergessen, und es sollte nicht einfach gehen.

In den letzten Monaten und Jahren wurde vieles gesagt (und beschlossen), das der Aufarbeitung bedarf – es war zu ungeheuerlich.

Seit etwa einem Tag vor der Abstimmung haben Tausende von Bürgern auf Twitter unter dem Hashtag »#IchHabeMitgemacht« Zitate von Journalisten und Politikern gesammelt, welche aktiv die Ausgrenzung, Diffamierung und Verächtlichmachung von Ungeimpften forderten und auch betrieben.

Ich habe, auch um die Bedeutung dieser Entscheidung im Bundestag zu verstehen, eine Auswahl der Zitate getroffen. Ich habe mir die Mühe gemacht, jedes einzelne Zitat zu recherchieren und mit einer konkreten Quelle zu verlinken – und dann habe ich mir erlaubt, es zu einem kommentierenden Text zu verbinden.

Was macht der Blinddarm?

Eine Staatsfunkerin schrieb im Dezember 2021:

Wäre die Spaltung der Gesellschaft wirklich etwas so Schlimmes? Sie würde ja nicht in der Mitte auseinanderbrechen, sondern ziemlich weit rechts unten. Und so ein Blinddarm ist ja nicht im strengeren Sinne essentiell für das Überleben des Gesamtkomplexes. (Sarah Bosetti (arbeitet für Staatsfunk), via @sarahbosetti, 3.12.2021)

Bürgern, die etwas belesener als der durchschnittliche »Journalist« sind, fiel schnell auf, dass der Blinddarm-Vergleich als Abwertung einer störenden Minderheit nicht neu ist.

Der NS-Mediziner Fritz Klein (hingerichtet am 13.12.1945), wird zitiert: »My Hippocratic oath tells me to cut a gangrenous appendix out of the human body. The Jews are the gangrenous appendix of mankind. That’s why I cut them out.«, frei ins Deutsche übertragen: »Mein hippokratischer Eid sagt mir, dass ich einen entzündeten (wörtlich: gangränösen) Blinddarm aus dem Körper schneiden muss. Die Juden sind der entzündete Blinddarm der Menschheit. Das ist, warum ich sie herausschneide.«

Wie aber schneidet man einen »Blinddarm« heraus, wenn dieser daraus besteht, dass Menschen für Grundrechte demonstrieren?

Vielleicht, indem die Polizei ihre Hunde auf Demonstranten hetzt (Essay vom 3.1.2022).

Oder indem man Pfefferspray und Schlagstock einsetzt:

Die Taktik von den Querdenker:innen ist es, sich Stück für Stück die Straße zu erkämpfen. Die Polizei muss handeln und im Zweifelsfall Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzen. Wir dürfen ihnen kein (sic!) Millimeter überlassen! (Saskia Weishaupt (Grüne), siehe Essay vom 24.12.2021)

Es ist kein gutes Zeichen für Deutschland, aber eben die Realität im Propagandastaat, dass junge Politiker (wohl erfolgreich) versuchen, mit extremen, ans Demokratiefeindliche grenzenden Forderungen aufzufallen.

Schikane an/mit/ohne Grenzen

Im Essay vom 5.1.2022 (»Schikane und Burnout«) beschrieb ich, wie Politik die angebliche Notwendigkeit von Impfung als Vorwand für blanke Schikane nutzt.

Ja, so manches Zitat lässt vermuten, dass mancher Akteur gewisse Lust am Schikanieren der Untertanen gefunden hat.

Die 2G-Regel sollte beim Überschreiten der EU-Binnengrenzen generell gelten. (Prof. Dr. Wolfram Henn (Ethikrat), via berliner-zeitung.de, 16.11.2021)

Aus dem Behördendeutsch übersetzt: Der Herr fordert ein Ausreiseverbot für Ungeimpfte. Immerhin fordert er noch keinen Stacheldraht an der Grenze (vielleicht weil dieser auch Menschen draußen halten könnte?!), sondern bislang lediglich »lückenlose Kontrollen« an Flughäfen.

In ähnliche Richtung denkt auch der Oberbürgermeister, Claus Ruhe Madsen:

Der Alltag für Ungeimpfte muss unangenehmer sein, dann überlegen sich die Leute, ob sie sich nicht doch lieber impfen lassen. Das gilt auch auf europäischer Ebene. Du willst nach Malle? Okay. Aber bitte nur geimpft. (Claus Ruhe Madsen, OB Rostock, zitiert nach zeit.de, 25.6.2021)

Geht es um medizinische Notwendigkeit – oder um Schikane und um Unterwerfung als Selbstzweck? (Wenig Probleme hat er dagegen mit Fußball-Jubelfeiern, siehe ln-online.de, 25.6.2021, wie der zum Aufstieg von Hansa-Rostock, auch weil sich da kein einziger Mensch ansteckte. Gewiefte Politiker wissen, wie wichtig Fußball als »Ersatzkrieg« für Politik ist – da will man lieber nicht schikanierend dazwischengrätschen.)

Terroristen und Tyrannen

Es scheint einer Reihe von Akteuren ein besonderes Anliegen zu sein, »Ungeimpfte« aus der Gesellschaft auszuschließen, sie auf den Status von »Terroristen« und »Tyrannen« zu reduzieren.

Zuerst einmal müssen wir eine klare Botschaft an die Ungeimpften senden: Ihr seid jetzt raus aus dem gesellschaftlichen Leben. (Tobias Hans, CDU, damals Ministerpräsident Saarland, zitiert nach saarbruecker-zeitung.de, 10.12.2021)

Ähnlich:

Ungeimpfte dürfen nicht als Minderheit die Mehrheit terrorisieren (Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), zitiert nach welt.de, 15.11.2021)

Weltärztebund-Chef Montgomery sprach bekanntermaßen von der »Tyrannei der Ungeimpften« (wdr.de, 8.11.2021).

Im Staatsfunk geht man den nächsten Schritt und greift den »Feind« frontal an:

Na, herzlichen Dank an alle Ungeimpften. Dank euch droht der nächste Winter im Lockdown. (Sarah Frühauf in Tagesthemen, @tagesthemen, 19.11.2021)

Propaganda braucht ein Feindbild, und jetzt ist es eben der Ungeimpfte, dem die Schuld daran gegeben wird, wenn Geimpfte sich anstecken und die Krankheit weitergeben. Im Essay »Der Mob, die Guten und die Suche nach Ordnung« vom 25.8.2019 zitierte ich Volker Pispers, und will es hier wieder tun: »Wenn der Feind bekannt ist, hat der Tag Struktur.«

Lösung und Lager

Wer sich vom Impfdruck belästigt fühlt, der ist halt selbst dran schuld, dass er nicht Teil der »Lösung« ist.

Im Prinzip wäre die Impfung die Lösung, wenn sich alle konsequent impfen lassen würden. (…) Die Impfverweigerer nehmen eine ganze Gesellschaft in Geiselhaft, denn es ist ja unfassbar, wie viele Tote es gibt, wie unser Gesundheitssystem überfordert wird, wie Leute, die dringend Operationen brauchten, nicht drankommen. Und ganz wichtig: die ökonomischen Folgen für Millionen Menschen. Mir fehlt jedes Verständnis für Leute, die sich nicht impfen lassen wollen. (Günther Jauch in der NZZ, zitiert nach stern.de, 17.1.2022)

Günther Jauch war übrigens prominentes Gesicht der deutschen Impfkampagne (siehe Essay vom 13.4.2021) und ließ sich mit Fake-Impf-Pflaster fotografieren. Später infizierte er sich mit Covid-19, und es wurde bekannt, dass er gar nicht geimpft war. In der Einleitung des Essays dazu kommentierte ich: »Der Propagandastaat wurde bei Lügen in seiner Impfpropaganda erwischt. Keine Rücktritte. Lügen sind das ›neue Normal‹.«

Ja, selber schuld, wer nicht der Propaganda gehorcht, ob diese nun schlimm lügt oder nur gewöhnlich die Wahrheit verbiegt.

Selber schuld, wer sich aus blöder Sturheit ins falsche »Lager« begibt…

Die Menschen fügen sich selbst einem Lager zu, indem sie sich nicht impfen lassen und sie können sich ja impfen lassen. (Andreas Lob-Hüdepohl (Ethikrat), zitiert nach br.de, 1.8.2021)

Zunächst: Ist es klug, in dieser Situation von »Lagern« zu reden, und dass du selbst schuld bist, wenn du diesem oder jenem Lager »zugefügt« wirst?

Vor allem aber: Das intellektuelle Niveau, auf dem manche Ethikprofessoren des Ethikrates »argumentieren«, wäre in unserem Philosophiestudium damals selbst für ein Proseminar im zweiten Semester ungenügend. Entweder können es diese Professoren nicht besser – oder sie werden von anderen Motivationen getrieben – oder wir alle übersehen etwas.


Mit dem Finger

Sich mRNA injizieren zu lassen, so zumindest das Angebot gewisser »Lautsprecher«, ist eines der einfachsten Mittel, um auf seine Mitmenschen mit »Erlaubnis von oben« herabzuschauen.

Ich hingegen möchte an dieser Stelle ausdrücklich um gesellschaftliche Nachteile für all jene ersuchen, die freiwillig auf eine Impfung verzichten. Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen. (Nikolaus Blome, in: spiegel.de, 7.12.2020)

Wer schon immer Mitmenschen ausgrenzen wollte, der erhält jetzt von Presse, Propaganda und einigen Professoren die »Genehmigung«:

Die Gesellschaft muss das jetzt selbst regeln: ‚Wenn Du nicht geimpft bist, dann möchte ich auch nicht, dass Du mit meinen Kindern spielst. (Prof. Emil Reisinger, Tropenmediziner, ndr.de, 28.10.2021)

Wer aber einen emotionalen Grund braucht, einen Ekel, auch dem wird vom Staatsfunk gedient (wenn der Vergleich mit dem entzündeten Blinddarm nicht reichte).

Was die Ratten in der Zeit der Pest waren, sind Kinder zurzeit für Covid-19: Wirtstiere. (Jan Böhmermann, zitiert nach welt.de, 29.1.2022)

Überhaupt mögen Einpeitscher des Propagandastaates den Vergleich von Menschen mit Ratten, siehe dazu auch »Es ist 2019 und in Deutschland werden wieder Menschen mit Ratten verglichen« (Essay vom 16.2.2019) und »›im Kanal die Rattenschar‹ – Humor im deutschen TV 2019« (Essay vom 4.3.2019). Zum historisch nicht ganz so einmaligen »Stil« des ZDF-Hassprofis Böhmermann siehe »Die Nazi-Methoden des Herrn Böhmermann« (Essay vom 3.5.2018).

Jetzt wieder frei

Stellen wir uns vor, in einer Beziehung legt sich ein Mensch fragwürdige Beschränkungen auf, doch er redet dann einem anderen Menschen ein, dieser wäre schuld an den Beschränkungen! Es wäre ein merkwürdiger, manipulativer Trick. Vermutlich würden wir ein solches Verhalten auslachen – und ähnlich könnten wir lachen wollen, wenn Politiker es ebenfalls versuchen:

Wenn Sie und Ihre Freundinnen und Freunde der Freiheit sich einfach hätten impfen lassen, als die meisten von uns so vernünftig waren und diesen einfachen Schritt gegangen sind, dann wäre ich jetzt wieder frei. (Emilia Fester, jüngste MdB, siehe Essay vom 19.3.2022)

»Gefährliche Irre«

Im Essay »Garstiges Gift vom geschmeidigen Gauck« (11.9.2021) zitierte ich diesen Freund der Freiheit:

Dann ist ja auch schrecklich, dass wir in einem Land leben, in dem nicht nur Bildungswillige leben, sondern auch hinreichende Zahlen von Bekloppten. (Joachim Gauck, nach bild.de, 11.9.2021)

Mit »Bekloppten« meinte er offenbar alle, welche die mRNA-Injektion eher kritisch sehen.

Gauck ist übrigens, international betrachtet, nicht der einzige politische Akteur, welcher Impfgegnern geistige Verwirrung unterstellt.

Diejenigen, die sich weigern, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen und aktiv versuchen, andere zur Ablehnung der Impfung zu bewegen, seien »gefährliche Irre«. (berliner-zeitung.de, 20.12.2021 zitiert Putin-Sprecher Dimitri Peskow)

Ja, wenn die Menschen »bekloppt« und »gefährlich irre« sind, da kann man schon mal richtig wütend werden!

Sie sind schlicht komplett ignorant. Für Leute wie Sie muss die Impfpflicht her. Gerne bis zur Beugehaft. (Boris Palmer (Grüne); siehe bild.de, 21.1.2021 und Essay vom 22.12.2021)

Palmer sagte das einer Bürgerin, die ihm totalitäre Gesinnung vorgeworfen hatte.

Was bewegt Bürger bloß, (den in eigener Sache «Coronatheater« spielenden) Politikern totalitäre Gesinnung vorzuwerfen?

Vielleicht so etwas:

Es ist auch nicht unser oberstes Ziel, in Privatwohnungen zu gucken, aber auf dem Weg dahin, da kann ich Menschen erwischen. (Thomas Kutschaty über die Durchsetzung von Corona-Kontaktbeschränkungen, Transkript von Video, siehe auch welt.de, 14.4.2021)

Glaubt irgendwer, dass solche Leute, die ihre Mitmenschen »auf dem Weg« zur Privatwohnung ihres Freundes »erwischen«  wollten, wirklich nur die allgemeine Gesundheit als Motivator hatten?!

Was auch immer diese ganzen »Ermächtigten« antrieb, es wird sie auch bei der nächsten öffentlichen Panik antreiben. Wer die Geschichte vergisst, wird sie wiederholen, und ich für meinen Teil habe wenig Lust, diesen Wahnsinn genau so zu wiederholen.

Für die nächste Panik

All diese Hetzer und Einpeitscher, diese Gehorsamen und Gehorsam-Fordernden, sie werden sehr bald schon immer dagegen gewesen sein wollen. Man wird Sonntagsreden halten und von Werten schwätzen.

Kritische Bürger haben den Impfpflicht-Antrag ein »Gesetz der Schande« genannt. Das Gesetz wird doch nicht kommen. Die Schande aber, die Unverschämtheiten und die offenen Angriffe auf die Demokratie, diese Dinge werden durch die Ablehnung einer grässlichen Gesetzesidee nicht ungeschehen.

Wollen wir weiterleben? Ja, auf jeden Fall! Dürfen wir aber vergessen? Nein, es wäre gefährlich!

Zu viele von denen haben mitgemacht. Und wir wissen, dass sie das nächste Mal wieder mitmachen werden.

Es galt in der Coronapanik, und es wird für die nächste Panik gelten: Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst!

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