11.09.2022

Klug wie die Schlangen, ihre Sprache sprechend

von Dushan Wegner, Lesezeit 9 Minuten, Foto von Tim Mossholder
Um zu überleben, muss man schon mal die Fake-Sprache linker Propaganda sprechen, inklusive Gender-Sternchen und politisch korrekter Lebenslügen. Wenn du aber diese Fake-Sprache für deine Muttersprache hältst, wird es gruselig – und (für dich) gefährlich.
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Als Kind mehrsprachig aufzuwachsen, so habe ich gehört, das soll gut fürs Gehirn sein. Wer mehrsprachig aufwächst, dessen Gehirn stellt sich grundsätzlich auf Mehrsprachigkeit ein, und er kann einfacher neue Sprachen lernen.

In so mancher Migrantenfamilie wachsen Kinder mehrsprachig auf, ohne dass die Eltern dies extra initiieren müssen. Und wenn man als Kind mehrfach umzieht, dann »sammelt« man gewissermaßen Sprachen, wie ein Schneeball das Geröll aufsammelt, über welches er rollt, bevor er endlich liegen bleibt.

Eine weitere Art von Mehrsprachigkeit aber sollte ein jeder beherrschen, der am modernen Gesellschaftsleben teilnehmen will, und diese Mehrsprachigkeit kann – und sollte – auch derjenige lernen, der sonst nur einer Sprache mächtig ist!

Das ist mal eine These

Kürzlich las ich, was Herr Döschner als Teil eines Tweets schrieb:

Journalist:innen im ÖRR dürfen selbstverständlich (nicht tun und lassen, aber) sagen, was sie wollen*. (aus: @jdoeschner, 9.10.2022)

Herr Döschner arbeitet beim WDR, wenn ich seine Twitter-Bio richtig verstehe. Er gibt in seiner Selbstbeschreibung allerdings nicht an, was seine Pronomina sind, ob man sich auf die Person also mit »sie«, »er«, »sie (plural)« oder nochmal anders beziehen soll. Und ich weiß nicht, als welches der vielen unter Linken kursierenden Gender er sich identifiziert. Es sei mir also verziehen, wenn ich, vom traditionell männlichen Vornamen »Jürgen« ausgehend, ganz altmodisch auf ihn mit »er« referiere.

Interessanter als diese quatschige Sektensprache mit dem Doppelpunkt ist ja ohnehin die Behauptung, die Jürgen Döschner aufstellt.

Er verharmlost ja den Staatsfunk als »ÖRR«, was wohl die Abkürzung für »öffentlich-rechtlicher Rundfunk« ist. Und beim ÖRR, so behauptet er, da können alle Journalisten »sagen, was sie wollen«.

»Hmm«, sagen wir als Nicht-Journalisten, und dann: »Soso! Das ist mal eine These!«

Auf Widerlegbarkeit hin

Ich vermute stark, dass Herr D. diese Aussage im Geist der Provokation traf. Etwa so: Eine Möglichkeit von vielen wird als Fakt hingestellt, um einen Widerspruch und damit Aufmerksamkeit zu erzielen. Die Portemonnaies der Staatsfunker füllen sich bekanntlich durch die dem Bürger unter Androhung finanzieller Zerstörung abgepresste Zwangsgebühr. Auch die Seelen von Staatsfunkern werden sich aber nach Aufmerksamkeit sehnen, und sei es nach Aufmerksamkeit durch »Trollen«.

Manche Trolle ähneln in ihrem Verhalten vernachlässigten oder sogar misshandelten Kindern, die sich nach Beschimpfung und Prügel sehnen, weil diese harsche Aufmerksamkeit immer noch besser ist, als ganz ignoriert zu werden.

Jedoch, selbst wenn diese Aussage wie die Provokation eines Trolls klingt, so wird ja dennoch eine konkrete, theoretisch überprüfbare These vorgelegt.

Eine These zu untersuchen und sie auf Widerlegbarkeit hin zu prüfen, das kann uns tatsächlich klüger werden lassen!

Auf dieselbe Weise irren

Da wäre zunächst das »Auswahl-Problem«. Redaktionen, gerade die des Staatsfunks, wirken nicht nur auf mich heute wie »Gesinnungsbetriebe«.

Vor bald einem halben Jahrzehnt, am 28.11.2017, veröffentlichte ich den Essay »Darf man über ›Lügen‹ reden?«, dessen Kernthese lautete:

Ein Mensch lügt, wenn er bewusst die Unwahrheit sagt. Wenn er bloß irrt, lügt er nicht. Wenn es allerdings offensichtlich ist, dass etwa eine Redaktion nur Leute einstellt, die auf dieselbe Weise irren, können wir das ein »lügendes System« nennen. (Kernthese des Essays »Darf man über ›Lügen‹ reden?« vom 28.11.2017)

Ich verstehe die Aussage des Herrn Döschner in ihrem Kontext so, dass Journalisten bei ARD und ZDF alle so reden  (bzw. in den presseähnlichen Produkten so schreiben) dürfen, wie sie tatsächlich wollen, und niemand zur Verstümmelung von Sprache durch künstliche Gender-Einschübe gezwungen wird.

Nehmen wir einmal an, dass das stimmt. Das heißt noch lange nicht, dass es keine »innere Gleichschaltung« gibt! (Zum Wort »Gleichschaltung« siehe meinen Essay vom 5.12.2018 – Linke verwenden es gern für Nicht-Linke, werden aber säuerlich, wenn man ihnen eine eben solche Praxis nachweist.)

Laut Umfragen lehnt eine Mehrheit der Deutschen das sogenannte »Gendern« ab (siehe etwa focus.de, 30.5.2021). Wenn ich aber ans Recht zum freien Willen aller Journalisten des »ÖRR« glauben soll, dann kann ich nur davon ausgehen, dass durch ein erstaunlich effektives Verfahren vor allem solche Journalisten dort eingestellt werden, deren freier Wille doch zuverlässig zum selben Ergebnis führt wie die Dogmen einer Gruppe radikaler, teils aus dem Ausland finanzierter Ideologen.

Hmm. Ich bin mir nicht sicher, ob Herr D. die logischen Schlüsse zu Ende gedacht hat, die sich aus seiner Behauptung ergeben. Aber gut, logisches Schließen aufs Offensichtliche gilt im Propagandastaat ohnehin als potenziell rechtsradikal, und das will man als ÖRR-Journalist gewiss nicht sein.

Zitierend oder ironisch

Ja, es ist denkbar, dass eine Redaktion vorwiegend von Menschen besetzt wird, die »gleich irren« oder »ähnlich ticken«. Tatsächlich ließe sich die Neigung zum ideologischen Gleichschritt mancher Berliner Redaktion so erklären. – Ich bezweifle allerdings, dass dies beim deutschen Staatsfunk mit seinen zigtausenden Angestellten und Zuarbeitern der Fall ist.

Ich pflege ja Umgang mit Menschen aus vielen politischen Richtungen, ja sogar mit Menschen, die Trump hassen, Merkel nachtrauern und sich samt ihrer Kinder brav mRNA-geimpft und geboostert haben. Wie bei solchen Leuten fast schon »normal«, erkrankten sie danach weit übler an Covid-19 als jeder mir bekannte Ungeimpfte, aber dennoch äußern sie brav Dankbarkeit für die mRNA-Impfung, denn »sonst wäre es noch schlimmer gekommen«. Und nicht einmal solche ultra-gehorsamen Non-Player-Characters »gendern« im privaten, alltäglichen Gespräch.

Unter den »Gehorsamen«, die »Zeichen setzen« und stets »the current thing« unterstützen, die mal gegen Corona-Panik sind und dann wieder dafür, mal für Russland und dann maximal dagegen, die immer das meinen, was Politik und Propaganda meinen, unter diesen sind natürlich auch einige Journalisten.

Aber, wirklich niemand selbst dieser Gehorsamsten der Gehorsamen »gendert« im privaten, alltäglichen Gespräch – außer natürlich zitierend oder ironisch.

Also jammer nicht

Im privaten Gespräch sagen Journalisten aber durchaus etwas, das den Aussagen des Herrn D. vom WDR eklatant widerspricht.

Einer der häufigsten Sätze, die ich im privaten Gespräch mit Journalisten höre, lautet sinngemäß: »Eigentlich hast du ja recht, aber das kann man bei uns so nicht sagen.« – Ich weiß, dass nicht wenige Kollegen bei den Freien Denkern ähnliche Seufzer hören.

Im privaten Gespräch sprechen Journalisten derart deutlich und häufig über die politischen Leitlinien ihrer Redaktionen, und darüber, was alles »nicht gesagt werden kann«, dass ich mich zurückhalten muss, denen nicht wütend ins Gesicht zu sagen: »Du hast es selbst gewählt, dich in solchem Widerspruch aufzureiben, also jammer nicht!«

Es gehört zum Beruf des Journalisten im Propagandastaat, mindestens »zweisprachig« zu sein.

Da wäre die Sprache, in welcher sie die Realität für sich und im Privaten beschreiben.

Und da wäre die andere Sprache, eine Sprache extra für die Lügenrealität, die man im Journalismus beschreiben muss, um sein Einkommen aus Zwangsgebühren oder Konzerngehalt nicht zu verlieren, und zu dieser Fake-Sprache und Fake-Realität gehört eben, dass man »gendert«.

Klar kannst du beim Staatsfunk sagen, was du willst – wenn du aber das Falsche »sagen willst«, wirst du vermutlich sehr bald nicht mehr dafür bezahlt werden.

Halb-private Signale

Diese Art der »Mehrsprachigkeit« ist natürlich nicht nur eine Eigenschaft von Journalisten. Praktisch jeder Berufstätige im Propagandastaat muss lernen, zwischen zwei Realitäten hin und her zu schalten, inklusive der Codes, welche anzeigen, über welche Realität man gerade spricht.

Wer in einem öffentlichen Vortrag dieselbe Sprache verwendet und über dieselbe Realität spricht, wie in einer privaten Unterhaltung, der stellt seine berufliche Existenz aufs Spiel.

Wer aber in einem privaten Gespräch »gendert« und von der Fake-Realität linker Lebenslügen ausgeht, macht sich lächerlich.

Halb-private Sprachspiele

In informellen, halb-privaten Gesprächen unter Geschäftspartnern signalisiert es Status, Macht und auch verliehenes Vertrauen, wer als erster von der Fake-Realität in die Sprache der »politisch nicht korrekten« Realität wechselt.

Man tut gut daran, diesen Sprachwechsel dem/den Ranghöheren zu überlassen – und es muss wohl nicht extra gesagt werden, dass dieser Wechsel ein Stresstest oder sogar eine Falle darstellen kann.

Wenn aber unbekannte Zuhörer dazu stoßen, wird man nicht selten zur Sicherheit in die zwar dümmere, aber sichere Sprache politischer Korrektheit wechseln, ähnlich wie die Tiere in jenem Gary-Larson-Cartoon, wo Kühe aufrecht stehend debattieren, wenn sie unbeobachtet sind, doch auf allen Vieren grasen, wenn sich ein Auto nähert.

Neue Mündigkeit

Schulen, die ihre Schüler wirklich auf die Zukunft vorbereiten, sollten es mit Kindern einüben, diese Art der »Mehrsprachigkeit« zu beherrschen. Womöglich ist dies an privaten Eliteschulen längst Usus, seit Jahren schon – oder in der ein oder anderen Form seit Jahrhunderten.

Schulen, die die Kinder in der gefährlichen Lüge aufziehen, wonach die Sprache linker Fake-Realität die einzig notwendige und zulässige Sprache sei, ziehen nicht mündige Bürger heran, sondern Verbrauchsmaterial und Kanonenfutter für Propaganda und Globalisten.

Wer die Welt verbessern will, sollte bekanntlich bei sich selbst beginnen.

Ich werde die Welt nicht verbessern, indem ich der Welt ins Gewissen rede, sie möge doch bitte damit aufhören, die von gewissen NGOs initiierte Fake-Sprache zu nutzen. Meine Gegner wären zu mächtig. Das Interesse, wie es dereinst Gott in Babel tat, die Menschen und ihren Zusammenhalt durch Verwirrung ihrer Sprache zu schwächen, ist schlicht zu groß.

Die Mächtigen stiften Streit zwischen den Geschlechtern, zwischen den Hautfarben und Kulturen, und sie tragen idiotischen, ideologischen Streit in die Familien hinein. Solange die armen 99 % unter sich streiten, und zwar über Irrsinn, der teils bislang eher in psychiatrischen Katalogen vorkam als in öffentlichen Debatten, solange begehren sie nicht dagegen auf, dass sie bei Tageslicht ausgeraubt und geknechtet werden.

Wie das Fahrradfahren

Es wäre aussichtslos, wenn ich die Gesellschaft motivieren wollte, mit linker Fake-Sprache aufzuhören. Also tue ich etwas, das sich als das Gegenteil eines solchen Aufrufs interpretieren ließe.

Ich sage: Lernt beide Sprachen, und seid euch dessen bewusst, welche der beiden Sprachen ihr verwendet.

Leser, welchen noch die DDR oder andere Sozialismen in den Knochen sitzen, könnten feststellen, dass diese Form der »Mehrsprachigkeit« wie das Fahrradfahren ist: Einmal gelernt, verlernt man sie nicht mehr. Dies ist wahr, ob man Fahrradfahren wörtlich versteht, also die Fortbewegung auf zwei Rädern, oder als Metapher für »Buckeln nach oben und Treten nach unten«, wie es jene, welche in ideologischen Fake-Sprachen reden, zuverlässig zu tun pflegen. Ja, teils ist sogar das Vokabular der politisch verordneten Fake-Sprache dasselbe wie »damals«, von »Hetze« bis »Staatsfeinde«.

So wie »die da oben« in Corona-Zeiten privat maskenlos feiern, während sie euch die Masken von Polizisten ins Gesicht prügeln lassen, so nutzen die auch zwei Sprachen, und ihr solltet sie beide erlernen – und euch stets dessen bewusst sein, welche von beiden ihr gerade verwendet.

»Lernen, lernen, lernen«, so mahnte einst Lenin, und vor allem: »Lernt von den Feinden!«

Ich betrachte »die da oben« gewiss nicht als meine Feinde – schon deshalb nicht, weil Feindschaft vergleichbare Augenhöhe voraussetzt.

Und doch will ich lernen, auch von denen, die mir ideologisch denkbar zuwider sind.

Wessen Sprache

Ein bekanntes tschechisches Sprichwort besagt: »So viele Sprachen du beherrschst, so oft bist du Mensch.«

Ich bin mir sicher, dass ich nicht jener Fake-Mensch sein will, der die Fake-Sprache der Propaganda zur Muttersprache hat, doch wenn es drauf ankommt, kann es nützlich sein, diese Fake-Sprache flüssig zu beherrschen.

Selbst der fähigste Mehrsprachler hat eine Hauptsprache, sprich: eine wahre Muttersprache. Es ist die Sprache, in der du träumst, in welcher du zu dir selbst sprichst, in der du deine heimlichsten Bekenntnisse und deine Stoßgebete murmelst.

Achte auf die Alarmsignale und gehe rechtzeitig in dich, wenn die Fake-Sprache mit den Sternchen, Doppelpunkten und anderen eingebauten Lügen zu deiner ersten Sprache zu werden droht.

»Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben«, so mahnt Jesus in Matthäus 10:16. Wir erlauben uns heute, sehr aktuell zu ergänzen: »… und lernt auch die Sprache der Schlangen, doch werdet nicht zu diesen!«

Mehrsprachig aufzuwachsen, das soll gut für das Gehirn sein.

Die Fake-Sprache der pseudo-linken Meinungsmacher und der sehr realen Globalisten zu beherrschen, das ist im Propagandastaat überlebenswichtig.

Sei dir aber stets dessen bewusst, welche Sprache du gerade benutzt, und welche Art von Realität deine aktuelle Sprache wirklich beschreibt.

Zu wissen, welche »Sprache« du gerade sprichst, und welche Realität deine Worte wirklich beschreiben, auch das kann dir helfen, am Wahnsinn der Zeit nicht selbst wahnsinnig zu werden.

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