Dushan-Wegner

08.07.2023

Das Schlimmste und das Gute

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Bild: »Warum röhren die Hirsche?«
Was für eine Aufregung, als Sonneberg einen AfD-Landrat wählte! Nun bewahrheitet sich die schlimmste Angst der Etablierten: Der AfD-Mann macht bodenständige, fokussierte Politik – während SPD weiter Politik für Investoren macht.
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Letztens noch war es ein Skandal, dass die AfD in Sonneberg mit Robert Sesselmann ihren ersten Landrat in Deutschland stellte. (Ich schrieb darüber im Essay »Deutschland ist nicht untergegangen«.)

Nach Drohungen, Anfeindungen und Hass der sogenannten Guten konnte Sesselmann seinen Job antreten. Und es scheint genau das einzutreten, was die Etablierten befürchten: Der AfD-Mann klingt anständiger und fokussierter als sie selbst, und – noch schlimmer! – er könnte erfolgreich sein, und – supergefährlich! – die Menschen könnten mit seiner Amtsführung zufrieden sein!

Während SPD und Grüne im Bundestag nur das eine Thema »Wärmepumpen« kennen und ansonsten durchzudrehen scheinen, tätigt Sesselmann seine ersten Amtshandlungen (jungefreiheit.de, 7.7.2023). Sesselmann kündigte seinen Dienstwagen Audi A8 und will jetzt selbst mit dem Auto zu Terminen fahren, ohne Chauffeur (eine symbolstarke, diskutable Entscheidung, denn auf dem Rücksitz lassen sich Termine vorbereiten, was wertvolle Zeit spart).

Seine ersten Themen sind die drohende Schließung der Geburtsstation im Krankenhaus Sonneberg und eine Schulschließung im Landkreis. Für die Schule versucht er, einen freien Träger zu finden.

Sesselmann selbst schreibt (auf Facebook): »Die Zeiten sind nicht einfach. Mein Schreibtisch ist voll und die Termine laufen. Aber ich blicke mit Zuversicht in die Zukunft. Trotz aller Widrigkeiten.«

An ihren Früchten

Mir fällt dazu einer der wichtigsten Bibelverse für die Politik ein, wir haben es schon öfter gesagt: »An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?« (Es steht in Matthäus 7, Vers 16.)

Und weiter: »So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.«

Man soll die Leute an ihren Taten und den tatsächlichen Ergebnissen dieser Taten erkennen. Das ist fast schon eine Gleichsetzung des Menschen und seiner Taten!

Aber welche Eigenschaften erkennen wir an den Taten der Menschen?

Wir schließen von den Taten eines Menschen auf das, was diesem Menschen wirklich wichtig ist, seine relevanten Strukturen.

An ihren relevanten Strukturen erkennen wir die Menschen selbst! Du bist, was dir wichtig ist, und was dir wirklich wichtig ist, kannst auch du selbst an deinen Taten erkennen.

Wovon du redest und was du tust, kann weit auseinanderliegen. Wenn du sagst, dass dir dieses oder jenes wichtig ist, zeigt das nur, wovon du willst, dass die anderen denken sollen, dass es dir wichtig ist. Jesus nannte solche Leute »Pharisäer«, wir nennen sie »Gutmenschen«.

Ein AfD-Hasser könnte sagen: »Herr Sesselmann verstellt sich nur und tut bloß anständig!«

Ich halte eine solche These für sehr unwahrscheinlich bis absurd, eine linke Ad-hoc-These eben. Doch nehmen wir für eine Sekunde an, dass sie stimmt: Hätten Sie lieber einen Politiker, der im Herzen gut ist, aber immerzu Böses tut – oder andersherum?

Ist deren heimliche These, die AfD sei, wie Goethes Mephisto, »ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft« (via zeno.org)?

Die wirklich relevanten

Ich weiß, dass wir in Deutschland noch immer und jeden Tag subkutan den großen Konflikt zwischen Gesinnungsethik und Verantwortungsethik ausfechten.

In diesem konkreten Fall heißt das: So wie es Linken gleichgültig ist, wenn die Folgen ihrer Taten zu Leid führen, solange sie von der »richtigen Gesinnung« begleitet waren, so werden sie die guten Ausgänge der Taten eines Herrn Sesselmann geringschätzen, weil diese angeblich in der »falschen Gesinnung« begründet sind.

So absurd das klingt, tatsächlich geht die Absurdität noch einen Schritt weiter. Wie ich im Buch »Talking-Points« beschreibe, ist es ein beliebter politischer Trick, dem Gegner böse Absichten zu unterstellen. Wer sich selbst und das Publikum davon überzeugt, dass der Gegner die Ausgeburt des Bösen ist, der muss nicht mehr über die Sache argumentieren.

Ach, die wirklich relevanten Strukturen sind nicht die, welche ich als solche nach außen behaupte, sondern die, welche ich Tag für Tag durch meine Taten stärke.

Und so bleibt meine persönliche Lehre aus den Ereignissen und der Aufregung rund um Sonneberg: Ich will tun, was ich für richtig erachte. Ich will meine relevanten Strukturen stärken.

Ich hoffe also, liebe Leser, dass auch dieser Essay Sie ein wenig gestärkt hat!

Weiterschreiben, Wegner!

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