Dushan-Wegner

14.06.2023

Unser Leben vor dem Tode

von Dushan Wegner, Lesezeit 4 Minuten, Bild: »Seht ihr das Licht?«
Wie falsch wäre es, zu sagen, dass Deutschland vor unseren Augen stirbt? Nun, lasst uns zumindest auf ein paar Momente der Klarheit kurz vor dem Exitus hoffen. Und wenn die das Blatt nicht wenden können … eine Wiederauferstehung?
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Wer Sterbende begleitet, der kennt diese Momente der letzten, vermeintlich überraschenden Klarheit. Die Sprache kehrt wieder. Der Sterbende versteht plötzlich wieder die Beziehungen zu den Menschen um ihn herum.

Die Angehörigen könnten Hoffnung schöpfen. Opa spricht wieder! Oma erkennt uns wieder! Doch das Fachpersonal weiß Bescheid.

Man könnte sentimental spekulieren, dass sich da ein Mensch verabschieden will, dass eine Seele nochmal aus dem Fenster winkt, bevor sie von einer Welt in eine andere geht.

Doch Forscher haben jetzt eine recht nüchterne These dazu aufgestellt, was da wirklich im Hirn passiert (scientificamerican.com, 12.6.2023).

Das sterbende Gehirn merkt, dass ihm der Sauerstoff knapp wird. Und es versucht, dennoch zu überleben.

Die neue These ist nun, sehr vereinfacht gesagt, dass das Gehirn alle Schranken aufhebt, und alles an Elektrizität aufbringt, was es noch kann. Das sterbende Gehirn verliert die Unterdrückungsmechanismen, die uns ermöglichen, sich auf die individuellen Aufgaben des Alltags zu fokussieren: »the dying brain loses the usual suppression mechanisms that allow us to focus on individual tasks during our day-to-day lives.« (ebenda)

Das Sterben selbst entsteht durch Entgrenzung oder durch Organversagen.

Krebs besteht aus Zellen, deren Wachstum plötzlich keinen Grenzen mehr unterliegt, die sich über Organe hinweg ausdehnen. Krebs ist Sterben durch Entgrenzung. Und auch wenn ein Messer dich sticht, dann verlässt das Blut die Grenzen deiner Adern.

Oder du stirbst ganz klassisch, etwa am Alter, weil deine Organe einfach aufhören, ihre Funktion zu erfüllen, und eines nach dem anderen versagen.

Womit wir bei den Nachrichten des Tages wären, und die haben öfter mit Tod zu tun – noch öfter als sonst und inzwischen ganz explizit.

Hitze und andere Tode

Herr Lauterbach hat eine neue Panik entdeckt: den Hitzetod. Und Deutschland braucht einen »Hitzeplan«, sagt er (berliner-zeitung.de, 13.6.2023). Klingt mir wie die Hitzepumpe seines Kollegen Habeck. Wahrscheinlich verdient irgendwer großzügig daran, den »Hitzeplan« zu erstellen. Hat Pfizer schon eine Gen-Impfung gegen den Hitzetod im Angebot?

Der deutsche Anti-Wirtschaftsminister Habeck macht derweil kein Geheimnis daraus, was seine Absichten sind: Er ist bereit, die deutsche Wirtschaft abzuschalten, falls davon abhinge, ob die Ukrainer frieren oder nicht (bild.de, 13.6.2023). Es klingt mir, als suchte er nach einer Ausrede, weitere Nägel in den Sarg zu hauen.

Man darf sagen: Nicht nur unsere Seele, auch unsere Wirtschaft wird getötet, und sie stirbt bereits. Das lässt sich an den kalten Zahlen ablesen – das Wort fürs Sterben der Wirtschaft ist »Rezession« (tagesschau.de, 25.5.2023). (Übrigens: Das Post-Brexit-Großbritannien hat derweil »überraschend« die eigene Rezession überwunden; welt.de, 13.6.2023. Dürfen wir uns zehn Sekunden lang erlauben, vom »Dexit« zu träumen?)

2017 schrieb ich den Essay »Suizidalismus – ein Name für diese Epoche«. Darin lobte ich den FDP-Chef Lindner dafür, dem Suizidalismus eine Absage erteilt zu haben. Ich lag in der Diagnose richtig, eine Prognose hatte ich gar nicht erst abgegeben. Inzwischen gilt: Lieber beim nationalen Suizidalismus mitmachen als gar keine Posten.

Apropos Suizid: Frau Künast, von welcher der erwähnte Lindner früher zu sagen pflegte, ihr stünde »die Lebensfreude ins Gesicht geschrieben« (zeit.de, 28.4.2021), hat ein neues Anliegen gefunden. jungefreiheit.de, 13.6.2023 schreibt trefflich: »Nach der Abschaffung des Werbeverbots für Abtreibungen sägen mehrere Bundestagsabgeordnete schon an der nächsten Säule des Lebensschutzes. Sie fordern, Sterbehilfe zu erleichtern, die künftig eine ,selbstbestimmte Entscheidung‘ sein soll.«

Vorbild ist wohl das WEF-Musterland Kanada, wo staatlich finanzierter Suizid als kostengünstige Alternative zum Altwerden jährlich populärer wird (siehe Essay vom 4.12.2022).

Alles wird in Deutschland komplizierter und teurer, nur das Sterben immerhin wird einfacher. Es ist aber nicht so, dass es keine Voraussetzungen dafür gäbe. Immerhin soll man 18 Jahre alt sein, um sich legal umzubringen. Ähnlich wie bei der Geschlechtsumwandlung, die ja (nicht nur) jetzt im Pride-Monat propagiert wird und mit einem weit erhöhten Suizidrisiko einhergeht.

Doch man muss sich vorher beraten lassen! Beratung ist wichtig, ob du abtreibst, dein Geschlecht wechselst, Suizid begehst oder gegen den Habeck-Clan eine Gasheizung einbauen willst (auch das wirst du nur nach Beratung dürfen, höre ich).

Das Leben vorher

Der Westen im Allgemeinen und Deutschland im Speziellen bringen sich gerade um, und wir hören dies und das zur Frage, wer dabei berät.

»Dem Ende treiben wir entgegen, keine Rast, nur vorwärtsstreben«, singt Rammstein im Song »Zeit« (siehe YouTube), nur um dann zu flehen: »Zeit, bitte bleib stehen, bleib stehen«.

Die Zeit wird nicht stehen bleiben. Wir treiben dem linksgrünen Tod entgegen. Unsere Wälder gerodet, unsere Felder dürr, alles für den Naturschutz. Die Firmen ausgewandert und die Väter arbeitslos, für die Moral.

Wir sterben. »Wir« im Sinne von: Gesellschaft, Wirtschaft, Idee von Demokratie, Aufklärung und dem ganzen Zeug.

Doch: Wir dürfen einige letzte Momente der Klarheit erwarten, eine Renaissance. Wir werden unsere Sprache wiederentdecken. Unsere Gehirne werden wieder alle Areale nutzen. Wir werden uns an all die Beziehungen erinnern, die uns ausmachten.

Und dann sind wir vielleicht tot. Oder auch nicht. Wenn wir eine Chance auf ein »Leben nach dem Tod« haben, dann soll und wird es nicht an mir scheitern.

Doch was für den einzelnen Menschen gilt, muss doch auch für uns als Gesellschaft gelten: So schön die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tode ist – lasst uns, soweit es an uns liegt, das Leben vor dem Tode leben!

Weiterschreiben, Wegner!

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